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Berliner Elektronikmesse : Die IFA öffnet ihre Pforten – ein bisschen

Eine etwas andere Ausgabe der IFA findet diesen September statt. Bild: AFP

Die Veranstalter in Berlin wagen den Schritt und ziehen die Elektronikmesse auch in Corona-Zeiten durch. Sie setzen auf eine hybride Veranstaltung: eine Messe zwischen Computer und Ausstellungshalle.

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          Auf dem Berliner Messegelände ist in diesen Tagen vieles anders als sonst. Anfang September ist üblicherweise IFA-Zeit – der Termin für die größte Konsumelektronikmesse der Welt. Neue Technik, neue Geräte, neue Gimmicks und Gadgets. Berlin als Treffpunkt der wichtigsten Hersteller einer 200 Milliarden Euro schweren Branche. Von Samsung bis Sony, von Philips bis Bosch sind eigentlich alle da. Corona aber macht Veranstaltern und Ausstellern einen Strich durch die Rechnung.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im vergangenen Jahr hatten sich noch fast eine Viertelmillion Menschen durch die Messehallen unter dem alten Funkturm geschoben: neben Fachbesuchern drängten sich Privatleute, neben Weltkonzernen standen kleine Start-ups. Verträge und Aufträge im Volumen von fast 5 Milliarden Euro wurden unterschrieben. Live-Konzerte am Abend und ein Kongressprogramm am Tag gaben der Messe etwas Glanz und Glamour. Dieses Jahr herrscht Ruhe und Leere, nicht nur in Berlin.

          Aufgrund der Pandemie sind rund um den Globus Technikmessen wie der Mobile World Congress in Barcelona oder die SXSW in Amerika ausgefallen; die Elektronikmessen Japans wurden allesamt ins Internet verlegt; die Veranstalter der Elektronikmesse CES in Las Vegas haben ihre Pläne begraben, im Januar 2021 Hunderttausende Besucher begrüßen zu können. Die Kölner Gamescom fand vergangenes Wochenende zwar statt, war aber trotz anderslautender Statements ihrer Macher ein durchwachsenes Event.

          Nur für Fachbesucher mit Einladung

          Als Corona-Folge hat auch die Berliner Messegesellschaft einige Messen abgesagt oder verlegt. Die Reisemesse ITB traf dieses Schicksal genauso wie die Bahnmesse Innotrans. Anders als viele andere haben die Berliner Veranstalter jedoch entschieden, die seit fast hundert Jahren stattfindende IFA auch in diesen Zeiten auszutragen – als eine Special Edition, eine Art Hybrid: halb real, halb virtuell, halb auf dem Gelände, halb im Internet.

          So präsentieren sich auf der IFA laut ihren Machern etwa 1450 Aussteller aus 30 Ländern. Die meisten erscheinen allerdings nur virtuell; gerade mal 150 Unternehmen sind in Berlin vor Ort. Darunter befinden sich Konzerne wie Huawei, Miele und Bosch-Siemens-Hausgeräte. Fachbesucher mit Einladung dürfen rein, für die breite Öffentlichkeit bleibt das Messegelände dicht. Für sie soll das Netz als Fenster zur Zukunft dienen.

          „Dieses Jahr hat für uns alle unsere Beziehung zur Technologie völlig neu definiert – und das in einem Ausmaß, das niemand hätte erwarten können“, sagt Benjamin Braun, Chief Marketing Officer von Samsung Europa. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe Berlin, Christian Göke, will trotz aller Widrigkeiten mit dem hybriden Konzept eine „starke Botschaft in die Welt“ senden: „Die Pandemie hindert uns nicht daran, weiter das Business voranzutreiben.“ Die IFA beschreite neue Wege, sagt Sebastian Klöß vom deutschen Branchenverband Bitkom. Das Internet macht’s möglich.

          Eine Hostess wartet am TP Link Stand auf Besucher.
          Eine Hostess wartet am TP Link Stand auf Besucher. : Bild: Getty

          Berlin geht ins Risiko

          Das aber ist rasch ein Problem. Denn im Netz ist die Aufmerksamkeitsspanne kurz und das Publikum überaus wechselwillig. Schließlich ist der nächste große Aufreger nur einen Mausklick entfernt. Nutzer suchen da rasch das Weite. Genau diese Aussicht hat die Organisatoren von Barcelona und Las Vegas so hart auf die Bremse treten und ihre Veranstaltungen absagen lassen. Berlin beschritt einen anderen Weg – mit allen Risiken. So kann die Elektronikschau an der Spree in diesem Jahr trotz vieler schöner Worte und aufwendiger Marketingbemühungen doch schnell zu einem recht trostlosen Schatten ihrer einstigen Größe werden.

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