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Imagine Foundation : Ein Unternehmensberater bringt Migranten nach Deutschland

Flüchtlinge aus Afghanistan: Die Imagine Foundation will Menschen in ihren Heimatländern so vorbereiten, dass sie ein Stellenangebot bekommen. Bild: dpa

Johann Harnoss bereitet Menschen im Nahen Osten darauf vor, in Deutschland zu arbeiten. 114 Arbeitskräften und rund 45 Familienangehörigen hat der Verein schon geholfen.

          2 Min.

          Leicht ist das Leben nicht für Menschen, die neu nach Deutschland kommen. Von den Flüchtlingen aus der Welle seit 2015 hat nur jeder Zweite inzwischen eine Stelle. Andere kommen mit Visum und Arbeitsstelle nach Deutschland, als dringend gesuchte Arbeitskräfte – doch auch daran mangelt es Deutschland, und gleichzeitig weiß nicht jeder Interessent, wie er nach Deutschland kommt.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da hat ein Unternehmensberater angesetzt. Im Hauptberuf arbeitet Johann Harnoss, 39, bei Boston Consulting. Doch nachdem er erlebt hatte, wie ein Freund von ihm einen Verein für Flüchtlingshilfe gegründet hatte, und gesehen hatte, wie schwer die Integration oft fällt, hatte er eine andere Idee: „Wie kann man Leute in ihren Heimatländern schon so auf Deutschland vorbereiten, dass sie ein Stellenangebot bekommen und mit diesem einreisen können?“

          Harnoss gründete einen Verein namens „Imagine Foundation“, sammelte ehrenamtliche Mitstreiter und legte los: Was kann man in Deutschland tun? Wie schreibt man den Lebenslauf? Sind meine Sprachkenntnisse schon gut genug?

          114 Menschen nach Deutschland – ehrenamtlich

          All solche Fragen gehen rund 70 Helfer mit möglichen Einwanderern durch – meist mit Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten, die sich für IT-Berufe in Deutschland interessieren. 114 Arbeitskräfte und rund 45 Familienangehörige hat der Verein auf diese Weise schon nach Deutschland gebracht, die jetzt zum Teil bei Berliner Start-ups arbeiten, zum Teil in traditionellen Dax-Konzernen.

          Ganz selten zahlt mal ein Unternehmen für eine Vermittlung, manchmal gibt es Spenden. Doch das meiste geschieht ehrenamtlich, die meisten Helfer sind selbst erst nach Deutschland gekommen. „Die haben diese Erfahrung gerade hinter sich und suchen selbst Anschluss“, sagt Harnoss. Gerade erst hat der Verein genug Geld zusammengebracht, um zwei seiner Ehrenamtlichen in Vollzeit einzustellen.

          Die Zeit für die Gründung hatte Harnoss, weil er zwei Kinder hat. So konnte er vor drei Jahren ein Jahr Elternzeit nehmen („zwölf Monate, das war fast revolutionär als Mann“). Er mietete sich in einem Start-up-Zentrum ein und arbeitete von 9 bis 18 Uhr, immerhin war er noch öfter zu Hause als bei Projekten in Saudi-Arabien. „Wir hatten in dieser Zeit kein Einkommen, aber meine Frau unterstützte das vom ersten Tag an. Etwas zu gründen war schon lange ein Traum von mir.“ Anspruch auf Elterngeld hatte Harnoss nicht.

          Und wie wird es nach der Pandemie weitergehen? Werden sich die IT-Jobs in die Heimatländer der Einwanderer verlagern, ohne dass diese nach Deutschland kommen? Das glaubt Harnoss nicht. „Es geht nicht alles aus der Ferne. Und die Leute wollen ja auch nach Deutschland kommen, um Lebenserfahrung zu sammeln.“

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