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Unbezahlte Rechnungen : Bangladeschs Textilverband wehrt sich gegen westliche Konzerne

Eine Frau verarbeitet Textilien in Dhaka: Bangladeschs Textilverband fordert westliche Konzerne zur Fairness auf. In der Corona-Krise haben einige Unternehmen versucht, Nachlässe zu verlangen und sich um das Zahlen ihrer Rechnungen gedrückt. Bild: EPA

Seit der Corona-Krise versuchen Einkäufer, sich um das Zahlen ihrer Rechnungen zu drücken und verlangen hohe Nachlässe, die ungesetzlich seien. Der Verband fordert eine faire Geschäftspraxis in Zeiten der Not.

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          Die Hersteller des Textillandes Bangladesch werden selbstbewusst: Erstmals wehren sie sich nun gegen einen ausländischen Konzern, weil der sich weigere, seine Bestellungen zu bezahlen. Es ist kein Einzelfall: Mehr als eintausend Besteller – in der Regel westliche Textilketten – haben ihre vereinbarten Käufe abgesagt oder aufgeschoben. Orders im Wert von mehr als 3 Milliarden Dollar stehen damit in Frage. Dieses Verhalten des Handels treffe, so der Verband, mehr als 1150 Fabriken und rund 2,8 Millionen vor allem weibliche Arbeiterinnen. An deren Einkommen aber hängen in der Regel ganze Familien in Bangladesch.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Längst hat die Krise die Politik erreicht: Tipu Munshi, der Handelsminister Bangladeschs, unterstützt seinen Herstellerverband. Er handele genau richtig, sagte er. Schon Ende März hatte der Minister die Einkäufer aufgefordert: „Bitte unterstützen Sie uns in diesem Moment der Krise. Sie sollten die Bestellungen nicht streichen, sondern auf bessere Tage warten.“ Sein Ministerium schrieb an Bernd Lange (SPD), der im Europäischen Parlament dem Handelsausschuss vorsitzt mit der Bitte, dafür zu sorgen, dass die Handelsketten ihre Bestellung auch zahlen. 60 Prozent des Textilexports Bangladeschs geht in die Europäische Union.

          Drohung an britischen Konzern

          „Solches Handeln einiger europäischer Textilketten ohne jedes Mitgefühl können wir nicht dulden. Es widerspricht der Idee des ethischen Einkaufs“, heißt es in dem Brief. Munshi erklärte nun auch, die Botschaften seines Landes in Europa und Amerika würden sich dafür einsetzen, dass die großen Modefirmen ihre Bestellungen auch abnähmen und zahlten. Zuvor hatten der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven zugesichert, dass Schweden keine Lieferungen streichen werde. In seinem Land sitzt mit Hennes & Mauritz der größte Textileinkäufer Bangladeschs. Er hatte schon früh erklärt, sich nun keine Rabatte erschleichen zu wollen. Auch Sigrid Kaag, Ministerin für Außenhandel in den Niederlanden, versicherte der Regierung in Dhaka, niederländische Händler würden ihre Geschäfte ordentlich abwickeln. Der Textilexport steht für 84 Prozent der Gesamtausfuhr Bangladeschs in Höhe von gut 40 Milliarden Dollar. 60 Prozent der zugelieferten Teile kommen aus China.

          Das „Schwarze Schaf“ für die Hersteller in Südasien ist nun die Edinburgh Woollen Mill Group (EWM). Der britische Konzern liegt in Händen des Milliardärs Philip Edward Day, der in Dubai residiert. Neben der eigenen Marke hält EWM auch Jane Norman, Peacocks, Ponden Home, Jaeger und Bonmarché und vertreibt Traditionsmarken wie Harris Tweed oder Gleneagles of Scotland über rund 400 Geschäfte. Laut Angaben der asiatischen Hersteller hat der Konzern Bestellungen im Wert von mehr als 30 Millionen Dollar gestrichen, obwohl sie fest vereinbart gewesen sein sollen. Die Hersteller- und Exportvereinigung BGMEA wehrt sich nun: Am 21. Mai sandte sie einen Brief an Day mit der Aufforderung, die Rechnungen zu begleichen – sonst werde sein Konzern im zweitstärksten Textilland der Erde nach China auf die Schwarze Liste gesetzt. BGMEA vertritt eigenen Angaben zu Folge mehr als 4600 Hersteller in Bangladesch.

          Nach Angaben des Verbandes habe EWM hohe Nachlässe verlangt, die ungesetzlich seien und den internationalen Standards widersprächen. Die Agentur Reuters zitiert aus dem Brief: „Bestimmte Käufer suchen ihren Vorteil aus der Corona-Krise und fordern nicht nachvollziehbare Rabatte, obwohl die Verträge vor Corona geschlossen wurden und obwohl sie weiter im Geschäft sind.“ Das Ringen mit dem britischen Milliardär und ambitionierten Jäger Day dürfte erst der Anfang sein – zu schwer wiegt die Last auf dem Verband. Nach den Katastrophen der vergangenen Jahre war die Industrie unter starken Druck geraten, weil westliche Unternehmen eine radikale Säuberung und viel mehr Sicherheit forderten, um ihre Marken und ihren Ruf nicht zu beschädigen.

          Nun fordert der Verband von ihnen eine faire Geschäftspraxis in Zeiten der Not. Die BGMEA-Präsidentin Rubana Huq erklärte, dass eine halbe Million Arbeiterinnen in der Corona-Krise ihre Stelle verloren hätten. Rund 400 Fabriken seien geschlossen worden. Die Forderung an EWM sei erst der Anfang. „Wir beobachten Einkäufer, die ganz gezielt versuchen, die Lieferanten auszubeuten“, sagte Huq.

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