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Leitete Nissan und Renault : Kommt Carlos Ghosn heute auf Kaution frei?

Carlos Ghosn bei einer Veranstaltung Mitte 2018 Bild: AFP

Mehr als drei Monate sitzt der frühere Nissan-Chef in Tokio im Gefängnis. Jetzt darf er die Zelle wohl unter strengen Auflagen verlassen.

          Nach mehr als drei Monaten Untersuchungshaft hat ein japanisches Gericht dem Automanager Carlos Ghosn die Freilassung auf Kaution gewährt. Die Kautionssumme wurde auf 1 Milliarden Yen (7,9 Millionen Euro) festgesetzt. Die Entscheidung wurde umgehend von der Staatsanwaltschaft angefochten.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Wenn der Einspruch abgelehnt wird, kann der einst mächtige Führer der Autobauer-Allianz von Renault, Nissan Motor und Mitsubishi Motors hoffen, noch an diesem Dienstag wieder auf freiem Fuß zu sein. Nissan, das die Untersuchung gegen Ghosn in Gang gebracht hatte, lehnte jeden Kommentar zu dem Vorgang ab.

          Der in Brasilien geborene Franzose sitzt in Tokio seit dem 19. November ein wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten, die ihm zur Last gelegt werden. Der 64 Jahre alte Franzose soll sich für die Zeit nach seinem Abschied von Nissan in acht Jahren Einkommen in Höhe von rund 9 Milliarden Yen (rund 70 Millionen Euro) zugeteilt und diese in den Finanzberichten des Unternehmens nicht veröffentlicht haben.

          Der Vorwurf des schweren Vertrauensbruchs bezieht sich auf die zeitweise Übertragung von verlusthaltigen Wertpapieren auf Nissan, mit dem Ghosn dem Unternehmen ein Finanzrisiko von 1,85 Milliarden Yen (15 Millionen Euro) zuschob. Verbunden damit sind Vorwürfe über auffällige Zahlungen Nissans an einen Geschäftsmann in Saudi-Arabien, der Ghosn finanziell half.

          Tiefer Fall

          Ghosn bestreitet die Vorwürfe. Wegen der fehlenden Offenlegung der Einkommenszusagen sind auch ein Ghosn-Vertrauter bei Nissan, der Amerikaner Greg Kelly, und das Unternehmen Nissan angeklagt. Kelly wurde schon im Dezember gegen Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen.

          Ghosn hatte mit dem dritten Antrag auf Freilassung auf Kaution Erfolg, nachdem er Mitte Februar seine Verteidiger ausgetauscht hatte. Sein neuer Chefverteidiger Junichiro Hironaka hatte am Montag vor Journalisten erklärt, die Verteidigung habe eine Videoüberwachung und die Kontrolle der Kommunikation von Ghosn angeboten, um die Freilassung auf Kaution zu erlangen.

          Die Staatsanwaltschaft begründet die Haft für Ghosn mit dem Verdacht, dass er fliehen oder Beweismittel manipulieren oder beiseiteschaffen könne. Die Kaution wurde am Dienstag gegen Auflagen gewährt: Unter anderem darf Ghosn das Land nicht verlassen.

          Die Festnahme im November direkt nach der Ankunft auf dem Flughafen Haneda in Tokio hat den zuvor mächtigen Automanager tief fallen lassen. Die Verwaltungsräte von Nissan und Mitsubishi Motors haben Ghosn einstimmig als Vorsitzenden abgesetzt. Von dem Chefposten bei Renault trat Ghosn später selbst zurück, nachdem der Druck auch des Großaktionärs Frankreich zu groß wurde.

          Ghosn hat in Interviews aus dem Gefängnis heraus erklärt, dass er sich als Opfer einer Verschwörung sieht. Spekuliert wird, dass Manager von Nissan eventuell mit dem Plazet der japanischen Regierung den Vorsitzenden stürzte, um zu verhindern, dass das japanische Unternehmen in einer Fusion mit Renault seine Eigenständigkeit völlig verliere. Eine der kommenden Knackpunkte ist, ob Renault mit seinem 40-Prozent-Anteil den neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrats von Nissan wird stellen können oder nicht.

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