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Autogipfel in Berlin : Höhere Kaufprämie für E-Autos kommt

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im VW-Werk bei einem Festakt zum Produktionsstart des Elektroautos ID3. Bild: dpa

Weitere Zuschüsse in Milliardenhöhe sollen den Absatz von E-Autos ankurbeln: Zahlen sollen das wie bisher zu gleichen Teilen Industrie und Staat. Die Förderung steigt je nach Fahrzeug um bis zu 50 Prozent. Das ist ein Ergebnis des Autogipfels im Kanzleramt.

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          Deutschland wird die Subventionierung des Elektroautokaufs deutlich erhöhen und bis ins Jahr 2025 verlängern. Darauf haben sich die Bundesregierung und Vertreter der Autobranche während eines Spitzentreffens im Bundeskanzleramt geeinigt, wie der Verband der Automobilindustrie nach dem Treffen am Montagabend bestätigte.

          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie viel Geld Autokäufer erhalten, hängt künftig vom Kaufpreis des Autos und vom gewählten Antrieb ab. Kostet das Auto laut Liste weniger als 40.000 Euro und handelt es sich um ein Fahrzeug mit reinem Elektromotor, erhält der Kunde künftig 6000 Euro, die je zur Hälfte der Bund und die Autohersteller finanzieren. Für einen Plug-in-Hybrid aus derselben Preisklasse bekommen Käufer 4500 Euro. Kosten die Fahrzeuge mehr als 40.000 Euro, gibt es für reine Elektroautos 5000 Euro und 4000 Euro für Plug-in-Hybride, deren Batterie für den zusätzlichen Elektromotor von außen geladen werden kann. Die Subvention für den E-Autokauf steigt damit je nach Fahrzeug und Preis um 25 bis 50 Prozent.

          Deutschland subventioniert seit gut drei Jahren den Kauf elektrifizierter Autos mit einer „Umweltbonus“ genannten Prämie. Derzeit bekommen Käufer von batteriebetriebenen Fahrzeugen 4000 Euro. Wer sich einen Plug-in-Hybrid kauft erhält 3000 Euro. Diese Subventionen gelten bisher für Autos, die in einer Grundvariante maximal 60.000 Euro kosten, teurere Fahrzeuge wurden bislang nicht gefördert. Die Förderung stammt je zur Hälfte aus Steuermitteln und von den Autoherstellern, die einen Rabatt auf den Kaufpreis gewähren. Insgesamt standen für den „alten“ Umweltbonus 1,2 Milliarden Euro bereit.

          Nach Angaben des für die Subvention zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hatte die Behörde bis Ende September Anträge für gut 94.000 Batteriefahrzeuge und etwas mehr als 47.000 Plug-in-Hybride entgegengenommen. Der bisherige Fördertopf umfasst damit noch deutlich mehr als 600 Millionen Euro. Eigentlich sollte die Förderung des Elektroautokaufs schon im Juli dieses Jahres auslaufen, war aber dann bis Dezember 2020 verlängert worden.

          Hintergrund der Elektroautosubventionen ist der Versuch, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zu verringern, um den Klimawandel einzudämmen. Um die Ziele aus dem Pariser Klimaschutzabkommen für den Verkehrssektor zu erreichen, müssen nach Angaben der Bundesregierung und der Autobranche bis zum Jahr 2030 sieben bis zehn Millionen Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Ende Juli waren es gerade einmal gut 143.000 reine Batteriefahrzeuge und rund 80.000 Plug-in-Hybride.

          Um mehrere Millionen elektrifizierte Autos aufladen zu können, braucht es aber gleichzeitig eine Million öffentlich-zugänglicher Ladepunkte bis zum Jahr 2030. Wie ehrgeizig das Vorhaben ist, lassen Zahlen aus dem Masterplan erahnen, den Politik und Branche am Montagabend auf ihrem Spitzentreffen diskutierten. „Im August 2019 waren in Deutschland rund 220.000 E-Fahrzeuge zugelassen. Zu diesem Zeitpunkt gab es rund 21.100 öffentlich zugängliche Ladepunkte“, heißt es dort. Um auch diesen Rückstand aufzuholen, sollte es auf dem Autogipfel im Bundeskanzleramt auch um die Ladeinfrastruktur in Deutschland gehen.

          Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, sollen demnach in Deutschland 50.000 neue Ladestationen für E-Autos entstehen. Das sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Montagabend nach dem „Autogipfel“ in Berlin. „Das ist gut, das ist ein Schritt vorwärts“, sagte Weil, der im VW-Aufsichtsrat sitzt. Er verhehle aber nicht, dass man die Ziele höher hätte setzen können. Die Automobilindustrie stehe vor „ganz entscheidenden Jahren“, sagte Weil. Es müsse gelingen, einen Technologiewechsel so hinzubekommen, dass vor allem auch die Kunden mitmachten.

          „Wir wissen: Wir müssen schneller werden“, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor dem Spitzentreffen gesagt, als sie dem Produktionsstart des neuen VW-Elektromodells ID.3 in Zwickau beiwohnte. Mehr Ladepunkte und Kaufanreize für E-Autos seien zwei wesentliche „Schrauben“, an denen man drehen müsse, um der Elektromobilität zum Durchbruch in Deutschland verhelfen zu können. Zudem müssten die Genehmigungsprozesse für die Ladeinfrastruktur beschleunigt werden, sie dürften nicht ein oder zwei Jahre dauern. Auch für private Ladestationen müsse man über eine Anschubfinanzierung nachdenken. Das bisherige System der Kaufprämien für Autos mit alternativen Antrieben habe sich bewährt und werde verlängert.

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