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400 Millionen Dollar : Australien pumpt mehr Geld in Erhalt des Great Barrier Reef

Zwei Drittel des Riffs sind bereits zerstört. Bild: dpa

Australien will mit mehr Geld versuchen, das Absterben im Great Barrier Reef zu stoppen. Doch Forscher warnen, nur eine andere Klimapolitik werde dauerhaft helfen.

          Die australische Regierung wird den nächsten dreistelligen Millionen-Dollar-Betrag in die Rettung des Great Barrier Reef pumpen. Am Sonntag will Ministerpräsident Malcolm Turnbull erklären, dass 400 Millionen Australische Dollar (249,10 Millionen Euro) im nächsten Haushalt eingestellt seien, um die Zerstörung des Riffs aufzuhalten. 60 Millionen Australische Dollar davon waren schon im Januar angekündigt worden.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          2015 hatte die australische Regierung schon mehr als 2 Milliarden Australische Dollar Hilfe über zehn Jahre versprochen. Tourismusvertreter fordern hingegen 10 Milliarden Australische Dollar in den nächsten fünf Jahren, die Regierung in Bundesstaat Queensland, vor dem große Teile des Riffs liegen, hat von 6 Milliarden Dollar gesprochen.

          Die neuerlichen 400 Millionen Australischen Dollar sollen eingesetzt werden, um die Bauern entlang der Küste in Australien zu überzeugen, den Abfluss von Chemikalien ins Meer zu verringern. Auch soll der Kampf gegen die für die Korallen tödlichen Dornenkronenseesterne vorangetrieben werden. Wissenschaftler bekommen mehr Geld, um die Korallenbleiche weiter zu untersuchen.

          Zwei Drittel des Riffs abgestorben

          Der Riff-Forscher Terry Hughes prüft die Folgen der Bleiche regelmäßig. Er kam nun zu dem Schluss, dass die vergangenen Hitzeperioden das Riff schon bleibend verändert hätten – einige Korallenarten seien zu 90 Prozent abgestorben, robustere breiten sich hingegen aus. In 29 Prozent des Riffs machten die Forscher diese dauerhaften Veränderungen aus. Hughes und Kollegen betonen immer wieder, nicht einzelne Finanzspritzen sondern nur ein Aufhalten der Erderwärmung würden die Veränderungen und das Sterben des Riffs aufhalten.

          Die aufeinanderfolgenden Hitzewellen der vergangenen Jahre haben zwei Drittel des Riffs absterben lassen. Der Klimawandel gilt als Hauptgrund für die Veränderungen. Während die Regierung mit dem Geld versucht, Wählerstimmen in der Küstenregion zu gewinnen, unterstützt sie allerdings zeitgleich den Ausbau der riesigen Kohlemine in Queensland, den der indische Adani-Konzern vorantreibt.

          Die Tourismusindustrie „down-under“ beschäftigt rund um das Riff 64.000 Menschen und steht für 6,4 Milliarden Australische Dollar jährlich. Zum Vergleich: Qantas steht für 26.000 Jobs, in der gesamten Öl- und Gasförderung Australiens arbeiten 19.000 Menschen. Rund 2,4 Millionen Touristen besuchen das Weltkulturerbe jährlich.

          Die Unternehmensberatung Deloitte schätzt, dass das Great Barrier Reef einen Wert von 56 Milliarden Australischen Dollar (37,85 Milliarden Euro) besitzt. Dies ist mehr als das Fünffache des Börsenwertes der australischen Fluggesellschaft Qantas Airways. Das als Weltkulturerbe geschützte Riff erstreckt sich gut 2300 Kilometer lang vor der Ostküste Australiens.

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