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Datenschutz : Acer fürchtet Digitalisierungsbremse

Acer fürchtet, die Datenschutzgrundverordnung könnte in Europa auch Schattenseiten haben. Bild: Reuters

Der Computerhersteller findet, die Datenschutzgrundverordnung könnte in Europa auch Schattenseiten haben. Er sieht hier ohnehin Nachholbedarf – schon in Klassenzimmern.

          Emmanuel Fromont hat ein gespaltenes Verhältnis zur neuen Datenschutzgrundverordnung, die in dieser Woche in Europa in Kraft tritt und strengere Vorschriften im Umgang mit personenbezogenen Daten bringt. Der Europa-Chef des taiwanischen Computerherstellers Acer findet es einerseits gut, dass die Region ein Vorreiter im Datenschutz ist. Aber wie er am Mittwoch im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (F.A.Z.) in New York sagte, sieht er auch die Gefahr, dass Regulierungsbemühungen wie diese die Digitalisierung in Europa bremsen. Dabei habe Europa und insbesondere auch Deutschland nach seiner Einschätzung ohnehin schon gewaltigen Nachholbedarf.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Acer beobachte dies in seinem Geschäft mit Schulen, die für das Unternehmen ein wichtiger Abnehmermarkt sind. In Europa setze sich die Auffassung, dass Kinder von einem gewissen Alter an in der Schule Zugang zu einem Computer haben sollten, erst allmählich durch. Und Deutschland habe dabei Rückstand gegenüber anderen Regionen in Europa, etwa den Benelux-Ländern oder Skandinavien. Gerade weil  Europa so viel aufzuholen habe, sieht er hier aber auch viel Wachstumspotential. Das Geschäft mit Schulen und anderen Ausbildungsstätten werde in der Region in den nächsten Jahren jeweils um fünf bis zehn Prozent wachsen. Bei Acer steht der Ausbildungsmarkt nach Angaben von Fromont für rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes und ist damit in etwa ebenso groß wie das Geschäft mit Unternehmen. Die wichtigste Umsatzsäule sind Endverbraucher.

          Auch was die Gewichte der einzelnen Anbieter betrifft, sind der europäische und amerikanische Schulmarkt sehr unterschiedlich. In Europa dominieren noch immer Computer mit dem Betriebssystem Windows von Microsoft. In den Vereinigten Staaten haben dagegen in den vergangenen Jahren die Chromebooks den Markt von hinten aufgerollt, zu Lasten von Microsoft und Apple.

          Chromebooks sind zumeist recht billige Laptops mit dem Betriebssystem Chrome OS des Internetkonzerns Google, die von Acer und anderen Computerherstellern wie HP vertrieben werden. Sie kamen 2011 erstmals heraus und haben mittlerweile mehr als die Hälfte des amerikanischen Marktes erobert. Apple und Microsoft versuchen in jüngster Zeit verstärkt, verlorenen Boden wiedergutzumachen. Apple etwa stellte erst kürzlich eine neue Version seines Tabletcomputers iPad vor, die auf Schulen abzielen soll. „Ich würde Apple nie unterschätzen,“ sagte Fromont. Aber er findet, Acer habe gute Alternativen zu Apple im Programm, selbst im Tabletsegment, wo das Unternehmen ein ebenfalls mit Chrome arbeitendes Gerät anbiete.

          Dabei konkurriere Acer nicht nur über den Preis. Das Chrome-Tablet bewege sich preislich auf einem ähnlichen Niveau wie das iPad, allerdings sei dabei auch ein digitaler Stift inklusive, während der „Pencil“ von Apple extra kostet. Acer beliefert den Ausbildungsmarkt sowohl mit Chrome- als auch mit Windows-Geräten.

          Acer hat in New York eine ganze Reihe von neuen Personalcomputern vorgestellt, darunter mehrere Chromebooks. Der zweite große Schwerpunkt waren Computer, die in erster Linie für Videospiele gedacht sind. Dies ist für Acer ein immer wichtigeres Segment. Es steuert nach Fromonts Worten heute schon mehr als 15 Prozent zum Umsatz bei, und sein Umsatz habe sich in den vergangenen beiden Jahren jeweils verdoppelt. Acer hat für diese auf den Spielermarkt abzielenden Rechner eine eigene Submarke „Predator“, und unter deren Namen wurden in New York nicht nur Computer vorgestellt, sondern auch Accessoires, darunter sogar ein spezieller ergonomischer „Gaming“-Stuhl. „Wir surfen auf dieser Welle,“ sagte Fromont. Acer habe das Wachstumspotential des Videospielemarktes vergleichsweise früh erkannt und viel Geld in die Produktentwicklung in dem Segment investiert.

          Wie attraktiv das Geschäft sei, zeige sich an der wachsenden Popularität von E-Sports, also Videospiele-Wettbewerben, oder auch daran, wie schnell gerade das Spiel „Fortnite“ zu einem Massenphänomen geworden sei. Fromont sieht die Begeisterung für Videospiele nicht als kurzfristigen Trend. „Das liegt Millennials in den Genen“.

          Der Acer-Manager gibt zu, dass die verstärkte Fokussierung des Unternehmens auf Kundensegmente wie den Schul- und den Videospielemarkt ein Stück weit aus der Notwendigkeit heraus geboren sei. Acer macht noch immer den mit Abstand größten Teil seines Geschäfts mit PCs, Vorstöße in andere Produktsegmente wie Smartphones waren nicht allzu erfolgreich. Der PC-Markt schrumpft aber, nach Angaben der Marktforschungsgruppe Gartner sind die globalen Verkaufszahlen nun sechs Jahre in Folge gefallen.

          Acer versuche daher, sich auf diejenigen Felder im Markt zu konzentrieren, die noch Wachstum versprechen, also etwa die Chromebooks und das Videospielesegment. Die Strategie scheint sich auszuzahlen. Das Unternehmen hat 2017 zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder ein Umsatzwachstum ausgewiesen.

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