https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/mehr-wirtschaft/900-mitarbeiter-kurz-vor-weihnachten-per-zoom-entlassen-17672882.html

Digitale Kündigung : 900 Mitarbeiter per Zoom-Call entlassen

Bittere Pille: Entlassung via Zoom Bild: picture alliance / dpa Themendie

Der Chef und Gründer des Hypotheken-Maklers Better, Vishal Garg, hat einen Zoom-Call mit 900 Beschäftigten seines Unternehmens genutzt, um diesen fristlos zu kündigen. Jetzt mehren sich Vorwürfe gegen den Vorstand.

          1 Min.

          Kurz vor Weihnachten kündigt der Hypotheken-Makler Better 900 seiner Angestellten per Videoanruf. Das Unternehmen trennt sich damit von 15 Prozent seiner Beschäftigten. „Ich komme mit nicht so guten Nachrichten“, leitete Garg die Videokonferenz ein. „Es ist am Ende meine Entscheidung, ich will, dass sie es von mir hören. Wir entlassen 15 Prozent der Belegschaft “, fuhr Garg fort: „Wenn Sie in diesem Call sind, sind sie Teil der unglücklichen Gruppe. Ihre Beschäftigung ist beendet.“ Die Kündigung gilt sofort.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der Unternehmer führte Marktveränderungen und das Streben nach mehr Produktivität, Effektivität und Leistung als Grund für die Massenentlassung an. Die Beschäftigten bekämen einen Monatslohn als Abstand und zudem Sozialleistungen wie Krankenversicherungsbeiträge für drei Monate. Die betroffenen Beschäftigten arbeiten in den USA und in Indien.

          Einige der Gekündigten haben die Videokonferenz mitgeschnitten und auf Youtube hochgeladen, wo es nun Millionen Zuschauer und ungezählte empörte Kommentare findet. Das Unternehmen war 2016 angetreten, den Ausleihprozess für Hypothekenkredite zu beschleunigen. Nach einer Finanzspritze von Softbank im Umfang von 500 Millionen Dollar wird der Wert von Better auf sechs Milliarden Dollar bewertet. Das Unternehmen strebt noch in diesem Quartal an die Börse durch eine bereits angekündigte Fusion mit einer börsennotierten Zweckgesellschaft.

          Wegen der neuen Prominenz des indischstämmigen CEOs werden alte Unternehmensmeldungen an die Oberfläche gespült, die Garg in einem weniger günstigen Licht erscheinen lassen. Eine handelt von einer Klage eines ehemaligen Geschäftspartners und Kommilitonen, der ihm vorwirft, drei Millionen Dollar aus einem gemeinsam gegründeten Unternehmen zweckentfremdet und in sein Privatkonto umgeleitet zu haben. In Kommentaren von Leuten, die sich als Better-Beschäftigte ausgeben, wird der Unternehmer als Mann dargestellt, der sich oft im Ton vergreift.

          Auf der Website seiner Firma zeichnet Garg sich als ein Entrepreneur, der verzweifelt und vergebens versucht habe, einen Immobilienkredit rechtzeitig zu bekommen, um eine Wunschimmobilie in Manhattan zu kaufen. Das habe ihn zur Gründung des Start-ups bewogen. Nach eigenen Angaben wohnt Garg weiter zur Miete im Tribeca-Viertel, die nach Medienberichten allerdings 17.000 Dollar im Monat beträgt. Dailymail zitiert aus einem Beitrag Gargs im sozialen Netzwerk Blind, dass 250 der gefeuerten Beschäftigten nicht mehr als zwei Stunden am Tag gearbeitet hätten statt acht. Sie hätten damit de facto Kunden bestohlen, die die Rechnungen bezahlten.

          Weitere Themen

          US-Notenbank steuert auf Leitzinserhöhung zu Video-Seite öffnen

          Im März : US-Notenbank steuert auf Leitzinserhöhung zu

          Angesichts der hohen Inflationsrate steuert die US-Notenbank Fed auf eine Erhöhung der Leitzinsen zu. Fed-Chef Jerome Powell deutete an, dass der zuständige Offenmarktausschuss der Notenbank die Leitzinsen beim nächsten Treffen des Gremiums im März anheben könnte.

          Topmeldungen

          Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

          Ukraine-Krise : Erdoğan warnt Russland

          Die Türkei fürchtet, dass das Schwarze Meer ein „russisches Meer“ werden könnte und unterstützt daher die Ukraine. Dennoch bietet Erdoğan an, zu vermitteln.