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Personalwechsel : Früherer Topbeamter führt künftig Netzbetreiber 50Hertz

Stefan Kapferer, hier noch als Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung auf dem BDEW-Kongress, soll zu 50Hertz wechseln. Bild: dpa

Stefan Kapferer war schon Staatssekretär im Landwirtschafts-, Gesundheits- und Wirtschaftsministerium. Zuletzt war er Chef vom BDEW. Nun hat er einen neuen Job gefunden.

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          Der größte deutsche Energieverband, der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) muss sich einen neuen Chef suchen. Der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung, Stefan Kapferer, wird den Verband nach Informationen der F.A.Z. verlassen, um den Vorsitz der Geschäftsführung des ostdeutschen Netzbetreibers 50Hertz zu übernehmen. Der Chefsessel des drittgrößten deutschen Übertragungsnetzbetreibers, an dem der Bund 20 Prozent der Anteile hält, ist seit März vakant. Der frühere Vorsitzende der Geschäftsführung, Boris Schucht, ist zum Atomkonzern Urenco nach London gewechselt. Die formelle Berufung Kapferers steht unmittelbar bevor.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Der studierte Verwaltungswissenschaftler hat seinen beruflichen Lebensweg vor allem im Staatsdienst zugebracht. Das 53 Jahre alte FDP-Mitglied war Abteilungsleiter in der niedersächsischen Staatskanzlei, Staatssekretär im Landeswirtschaftsministerium, vom Jahr 2009 an unter Minister Philipp Rösler (FDP) Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium und später im Bundeswirtschaftsministerium. Die Position behielt der politische Spitzenbeamte, nachdem die FDP den Einzug in den Bundestag verpasst hatte.

          Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beförderten Kapferer sogar noch auf einen der wenigen internationalen Top-Posten, über die die Bundesregierung bestimmen kann: Im Oktober 2014 wurde er stellvertretender Generalsekretär der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Dort blieb er bis April 2016, um dann Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des BDEW zu werden.

          Guter Draht ins wirtschaftspolitische Berlin

          Unter seiner Führung hat sich der Verband von der konventionellen Energieerzeugung ab- und stärker den Erneuerbaren zugewandt. Ausdruck dessen ist der Zuwachs auf mehr als 1900 Mitgliedsunternehmen sowie die Tatsache, dass darunter zunehmend Anbieter aus dem Bereich der erneuerbaren Energien und Digitalisierung sind. In der von der Bundesregierung eingesetzten „Kohlekommission“ spielte Kapferer eine tragende Rolle.

          Mit der Übernahme des Chefpostens von 50Hertz, das Unternehmen gehört zum belgischen Elia-Konzern, wird er erstmals operative Verantwortung tragen. Helfen wird ihm dabei, dass das Netzgeschäft ein sehr politisches ist – weil eng an Vorgaben der Politik und der Bundesnetzagentur gebunden. Sein Vorgänger Schucht war gut in der energie- und wirtschaftspolitischen Szene Berlins verdrahtet. Das gilt für Kapferer noch mehr. Der verheiratete Vater von zwei Kindern ist ein extrem politisch denkender, analytischer Kopf, der, rhetorisch gewandt, Dinge auf den Punkt zu bringen weiß, auch vor großen Auditorien. Andererseits wird er als Unternehmensführer künftig weniger stark in die ermüdenden Endlosschleifen klima- und energiepolitischer Debatten eingebunden sein.

          Für den BDEW, dessen Präsidium Kapferer gerne gehalten hätte, ist sein Weggang ein Verlust. Verbandspräsidentin Marie-Luise Wolff hat mit der Suche nach einem Nachfolger schon begonnen. Dabei dürfte ein Augenmerk darauf liegen, möglichst eine Frau zur neuen Vorsitzenden der BDEW-Hauptgeschäftsführung zu ernennen.

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