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Mehr als nur ein Künstler : Lucas Cranach - der Unternehmer

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Größte Werkstatt in Deutschland

Biedert er sich an, verfällt er prinzipienlos der Jagd nach Reichtum? Wohl eher das Gegenteil trifft zu: Schon in seiner Zeit in Wien knüpft er Bekanntschaft mit Humanisten, saugt die Ideen von einer neuen, besseren bürgerlichen Welt jenseits von Dogma und Standesdünkel auf. Erst der Wohlstand, den er sich erarbeitet, verschafft ihm die Eigenständigkeit, den Geist des Humanismus auch zu leben, als Bürger und Künstler. Geld zu haben macht frei von der Zustimmung anderer. Die Reichen und Mächtigen der Epoche, denen er Auge in Auge gegenübersteht, respektieren den „Selfmademan“. Er ist ein Künstler-Star - und er porträtiert die Stars seiner Zeit. Kaiser Maximilian I. will ein Bild von sich aus seiner Hand, der Kardinal Albrecht von Brandenburg, dessen aufgesetzte Frömmigkeit Cranach schonungslos demaskiert, der Reformator Martin Luther und der erzkatholische Karl V.

Ein Unternehmer von hohen Graden, nutzt er diese Nachfrage, auch seine unternehmerischen Talente zu entfalten. Seine Werkstatt baut er aus. Mit zehn Gesellen, dazu Lehrlingen und Hilfskräften, wird sie zur größten in Deutschland. Und er stellt die Produktionsweise um auf eine Kunst-Manufaktur. Manche der Mitarbeiter sind spezialisiert, zum Beispiel auf das Malen von Hintergründen oder das Schnitzen von Altären. Viele Bilder werden in Serie gefertigt. Von Cranachs erstgeborenem und früh verstorbenem Sohn Hans heißt es, er habe Luther tausendmal gemalt. Oft fertigt der Meister nur das Porträt an; die weitere Ausführung überlässt er den Gesellen. Oder er gibt seinen Helfern vor, wie sie Vorlagen kopieren und zu neuen Bildern zusammensetzen sollen. Durch leichte Variation wird jedes Gemälde zu einem Unikat. Die Produktion ist enorm. Von Dürer sind nur etwa 100 Bildtafeln erhalten, aus Cranachs Werkstatt rund 1000.

Cranach erschließt sich neue Märkte

Nicht alles, was aus der Werkstatt kommt, ist große Kunst. Aber alles ist mindestens solide Qualität. Auch andere Künstler betreiben Werkstätten, aber Cranach treibt das Konzept weiter: Im Jahre 1508 verleiht ihm der Kurfürst ein Wappen. Es zeigt auf gelbem Grund eine sich windende Schlange mit Fledermausflügeln. Cranach macht die geflügelte Schlange zum Markenzeichen seiner Manufaktur. Anders als die meisten anderen Künstler seiner Epoche, die ihre Werke mit ihren Initialen oder dem Namenszug autorisieren, signiert Cranach fortan nun meist mit diesem Logo - wohl auch, weil vieles aus seiner Werkstatt nicht von ihm selbst stammt, sondern von den Gesellen.

Dem Absatz tut das keinen Abbruch, im Gegenteil. Mit den Kostenvorteilen der Arbeitsteilung und dem Gütesiegel für Qualität erschließt sich Cranach neue Märkte. Im Laufe der Jahre wird die Werkstatt im gesamten Nordosten Deutschlands zum dominierenden Anbieter von Gemälden und Altarschnitzerei. Er beliefert die Höfe in Brandenburg, Pommern und Preußen, kirchliche Auftraggeber, zahlungskräftige Bürger. Offenbar weil es danach viel Nachfrage gibt, malt er freizügige erotische Sujets. So hält er die Manufaktur über alle Religionswirren hinweg gut ausgelastet.

Stadtweites Monopol auf Arzneien, Gewürze und Zucker

Die Werkstatt floriert, die Einnahmen strömen. Aber es herrscht Inflation im Land, denn mit den Schiffsladungen voller Gold, die die Eroberer aus der Neuen Welt heranschaffen, steigt die Geldmenge und mit ihr die Preise. Cranach legt sein Geld inflationssicher in Immobilien an. Spätestens 1510 erwirbt er ein stattliches Eckhaus am Marktplatz zu Wittenberg, richtet dort sein Atelier ein. Er kauft weitere Immobilien, bereits in den zwanziger Jahren ist er der größte Grundbesitzer der Stadt. Mit den Mieteinnahmen und anderen Einkünften wird er hinter dem kurfürstlichen Kanzler Gregor Brück auch deren zweitreichster Mann.

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