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Schutz gegen Corona : Mediziner fühlen sich bei Impfungen übergangen

Ein Arzt wird am Universitätsklinikum Essen mit dem Impfstoff von Moderna gegen Covid-19 geimpft. Bild: dpa

In manch einem Bundesland laufen die Impfungen von Gesundheitspersonal nur schleppend voran. Niedergelassene Ärzte sind erst später an der Reihe. Die Gewerkschaft der Klinikärzte spricht von „willkürlicher Zuteilung“.

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          Die deutschen Ärzte beschweren sich, dass sie verzögert oder noch gar nicht gegen das Coronavirus geimpft würden. „In den Bundesländern fehlt es an Transparenz bei der Impfstoffverteilung auf die Krankenhäuser, die Zuteilung erscheint mancherorts willkürlich“, sagte die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, der F.A.Z. So laufe in Baden-Württemberg die Impfung des medizinischen Personals nur sehr schleppend an, anderswo klappe sie besser. Teilweise würden die Klinikärzte auf die Impfzentren verwiesen monierte Johna. „Das hat nichts mit einer verlässlichen Impfplanung zu tun.“

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Den Eindruck, die Ärzte wollten gar nicht immunisiert werden, wies die Internistin zurück. Einer Umfrage ihrer Organisation in Bayern zufolge sind dort bisher 67 Prozent der Klinikärzte geimpft oder haben einen Termin innerhalb von zwei Wochen. Vom Rest wollen sich 75 Prozent impfen lassen. „Unsere Mitglieder erwarten, dass die Impfungen schnell vorankommen und sie an ihren jeweiligen Kliniken geimpft werden können“, sagte Johna. „Darauf sollte der Fokus liegen, anstatt nutzlose Debatten über eine angeblich mangelnde Impfbereitschaft zu führen.“

          Niedergelassene Ärzte sind erst später an der Reihe

          Mit 127.000 Mitgliedern gilt der Marburger Bund als größte Ärztevereinigung in Europa. Gemäß der geltenden Priorisierung wird medizinisches Personal in Krankenhäusern bereits gegen Corona geimpft, vor allem auf Intensivstationen, Notaufnahmen und in Rettungsdiensten. Niedergelassene Ärzte sind erst danach an er Reihe. Gegen diese Zweiteilung gibt es Widerstand aus den Praxen.

          Eine Priorisierung sei angesichts der knappen Präparate zwar richtig, sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV, Andreas Gassen. „Aber die Kolleginnen und Kollegen in den Praxen mit ihren Teams gehören unbedingt zum Kreis der vorrangig zu Impfenden.“ Es sei selbstverständlich, diejenigen zu immunisieren, „die andere jeden Tag behandeln, medizinisch versorgen und schützen“.

          Der KBV zufolge werden 18 von 20 Covid-Fällen ambulant behandelt. Außerdem finde in den Praxen die Regelversorgung anderer Patienten statt. „Es wäre fatal, wenn die Niedergelassenen diese Aufgabe nicht mehr im erforderlichen Umfang erfüllen könnten, weil sie selbst infiziert werden“, warnte Gassens Stellvertreter Stephan Hofmeister.

          „Mit mangelnder Wertschätzung nichts zu tun“

          Johna als Vertreterin der angestellten und beamteten Ärzte sieht die Lage differenzierter. Es stehe außer Frage, dass auch das Personal in hausärztlichen und kinderärztlichen Praxen eine wichtige Rolle in der Bewältigung der Pandemie spiele und dabei Infektionsrisiken ausgesetzt sei, sagte sie. Genau deshalb genieße diese Berufsgruppe eine hohe Priorität bei der Schutzimpfung. „Ich glaube aber, dass die Entscheidung richtig ist, zunächst einmal diejenigen bei der Impfung zu priorisieren, die in den Kliniken bei invasiven Tätigkeiten an schwerkranken Covid-19-Patienten, beispielsweise bei der Intubation oder Absaugung intensivmedizinisch Versorgter, ein noch höheres Expositionsrisiko habe“, so die Gewerkschaftschefin.

          Die niedergelassenen Ärzte hätten keinen Grund, sich zurückgesetzt zu fühlen: Die Risikoabstufung der Ständigen Impfkommission sei berechtigt „und hat mit mangelnder Wertschätzung nichts zu tun.“

          Die schleppende Impfung der Mediziner hat auch damit zu tun, dass der Vakzinhersteller Biontech/Pfizer ein Werk in Belgien umbaut und daher weniger liefern kann als zugesagt. Der Engpass trifft unter anderem Nordrhein-Westfalen. Nach Auskunft des dortigen Marburger Bunds hat zunächst ein Drittel der 300.000 Klinikmitarbeiter ein Impfangebot erhalten. Dann jedoch habe sich plötzlich herausgestellt, dass selbst für diese Gruppe nicht genügend Impfstoff vorhanden war.

          „Gesundheitspersonal in den Kliniken schwer erschüttert“

          Inzwischen kündigte das Gesundheitsministeriums in Düsseldorf an, bis Anfang Februar keinen weiteren Impfstoff an die 340 Kliniken im Land liefern zu können. „So wird das Vertrauen in die Impfungsstrategie des Landes beim Gesundheitspersonal in den Kliniken schwer erschüttert“, teilte der Marburger Bund Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz mit. „Die Verantwortung für den kurzfristigen Impfstopp liegt beim Bund, der den Bundesländern offenbar keine verlässlichen Zusagen zu Liefermengen machen konnte.“

          Für die Mitarbeiter sei das eine große Enttäuschung: „Sie empfinden diesen Impfstopp in ihrer ausgesprochen schwierigen täglichen Arbeitssituation als regelrechte Ohrfeige. Seit Wochen warten die Klinikbeschäftigten händeringend auf die erstmalig verfügbare lebenswichtige Schutzimpfung.“

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