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Medienunternehmen : Nachrichtenagentur dapd meldet Insolvenz an

  • Aktualisiert am

Bild: dapd, F.A.Z.

Eigentlich wollte die Nachrichtenagentur dapd den Marktführer dpa angreifen. Doch zwei Jahre nach ihrer Gründung meldet die Agentur nun Insolvenz an.

          Die deutsche Nachrichtenagentur dapd ist pleite. Das Unternehmen habe wegen Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, teilte die in Berlin ansässige Agentur am Dienstag mit. Die Gesellschafter hätten die weitere Finanzierung bestimmter Firmen der dapd Media eingestellt, darunter die dapd Nachrichtenagentur GmbH und die dapd Nachrichten GmbH.

          Am Donnerstag sollen sechs weitere dapd-Töchter folgen. Dazu gehören neben
          die dapd Sport GmbH, die dapd Video GmbH, die dfd Foto Service GmbH, die News and Medien Service Exklusiv GmbH, die dapd International Service GmbH und die dapd Korrespondenz und Recherche GmbH.

          Die Gesellschafter des Unternehmens sind offenbar nicht länger bereit, die Verluste der defizitären Sparten zu tragen.

          Fast 300 Mitarbeiter erhalten Insolvenzgeld

          Von der Insolvenz sind 299 von insgesamt 515 Beschäftigten betroffen. Sie erhalten bis Ende November statt ihres üblichen Gehalts Insolvenzgeld. Das bedeutet, dass die Bundesagentur für Arbeit ihre Löhne bis zu einer Obergrenze bezahlt. Dadurch wird das Unternehmen entlastet. Da die acht Gesellschaften bereits die September-Gehälter nicht mehr überweisen konnten, wird auch für diesen Monat Insolvenzgeld ausgezahlt. Aus diesem Grund läuft das vorläufige Insolvenzverfahren nur noch zwei weitere Monate bis Ende November statt der sonst üblichen drei Monate.

          Wie es danach weiter geht, ist unklar. Das Tagesgeschäft mit der Nachrichtenproduktion soll vorerst unverändert fortgeführt werden. Kunden erhielten den „gewohnten Service in der gewohnten Qualität“, hieß es.

          Insolvenz kommt überraschend

          Zum Geschäftsführer der insolventen Gesellschaften wurde der Insolvenzexperte Wolf von der Fecht bestellt. Der Posten ist vergleichbar mit dem eines Insolvenzverwalters. Er soll die Agentur möglichst sanieren. Bis Ende November muss er prüfen, ob das Unternehmen umstrukturiert und weitergeführt werden kann, und neue Investoren suchen.

          Der bisherige Chefredakteur Cord Dreyer scheidet als Geschäftsführer aus, soll aber auf Bitten des Insolvenzverwalters weiter als Chefredakteur „beratend“ tätig bleiben. Martin Vorderwülbecke werde an der Spitze der Muttergesellschaft bleiben.

          Die Insolvenz kommt überraschend: In den vergangenen Jahren hatte das Unternehmen sein Angebot stark ausgeweitet und Mitarbeiter eingestellt, um den Marktführer dpa anzugreifen. Die Gesamtgruppe erzielte im Jahr 2011 einen Umsatz von rund 32 Millionen Euro.

          Die dapd ist im Besitz der Privatinvestoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw. Die Agentur blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Die Agentur war im Sommer 2010 aus den beiden Nachrichtenagenturen AP und ddp entstanden. Die beiden Investoren Peter Löw und Martin Vorderwülbecke, Besitzer des Deutschen Depeschendienstes (ddp), hatten im Dezember den deutschsprachigen Dienst der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) aufgekauft und beide Gesellschaften zur dapd fusioniert.

          Die Agentur ddp wiederum war als Überbleibsel des deutschen Ablegers der amerikanischen Nachrichtenagentur UPI Anfang der 70er Jahre gegründet worden. Später kam sie zur ProSieben-Gruppe und fusionierte mit der ehemaligen DDR-Agentur ADN. 2004 wurde sie von der Beteiligungsgesellschaft Arques übernommen, die seinerzeit unter der Führung der heutigen Privatgesellschafter Vorderwülbecke und Peter Löw stand. Ende 2009 übernahm sie den deutschen Dienst der amerikanischen Associated Press (AP) und benannte sich daraufhin in dapd um.

          Deutschland gilt als einer der weltweit am härtesten umkämpften Märkte für Nachrichtenagenturen. Neben der dpa und dapd konkurrieren hierzulande noch die britische Agentur Reuters, die deutsche Tochter der französischen Nachrichtenagentur AFP, die zur AFP-Gruppe gehörende Sportagentur sid, die kirchlichen Agenturen epd und KNA sowie Spezialdienste für Wirtschaftsnachrichten um Kunden aus dem Medienbereich.

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