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Medien : Wie Verleger um die „Berliner Zeitung“ streiten

  • Aktualisiert am

Der Wirtschaftsminister kündigt eine rasche Entscheidung im Zeitungsstreit an Bild: dpa

Wirtschaftsminister Clement hat die „Herren Verleger“ aufgefordert, im Streit um die Übernahme der „Berliner Zeitung“ ihre wahren Absichten zu nennen. Zwischen Holtzbrinck und Bauer ging es zu wie auf dem Basar.

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          Am Ende ging es bei der Anhörung zum Berliner Zeitungsstreit zu wie auf einem Basar. Als der Holtzbrinck-Verlag seine Bestandsgarantie für den „Tagesspiegel“ auf 20 Jahre erhöhte, zog Verleger Heinz Bauer sofort nach. Zuvor hatte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) die „Herren Verleger“ aufgefordert, endlich Roß und Reiter zu nennen und ihre wahren Absichten in der Hauptstadt zu offenbaren.

          Am Montagmorgen war Stefan von Holtzbrinck persönlich in die Runde gesprungen, um auf die scharfen Fragen im Stakkato-Ton von Clement selber zu antworten. Ja, sein Haus sei bereit, weit reichende Sicherheiten abzugeben, um mit der Übernahme der „Berliner Zeitung“ auch noch das Konkurrenzblatt „Der Tagesspiegel“ behalten zu dürfen. Das Bauer-Angebot sei unseriös und schiele auf eine schnelle Zerschlagung der Zeitung. „Der Tagesspiegel“ sei ohne Verlagsfusion mit der „Berliner Zeitung“ zur Schließung verdammt. Er erwarte nach dem Veto der Kartellwächter Clements Sondergenehmigung.

          Aus dem Stand verteidigt

          Da hielt es Bauer nicht auf der Bank. Aus dem Stand verteidigte er vehement sein Angebot, wies Vermutungen über gezinkte Karten zurück, bot 20 Millionen Euro und sicherte dem „Tagesspiegel“ zunächst eine siebenjährige Bestandsgarantie zu - die er wenige Stunden später auf 20 Jahre knapp verdreifachte. Andernfalls sei er bereit, 10 Millionen Euro Vertragsstrafe zu berappen. Im vollbesetzen Hörsaal des Bundeswirtschaftsministeriums waren zwei der wichtigsten Verleger Deutschlands zum „Showdown“ zusammengekommen. Clement kam dabei die Rolle des gestrengen Schiedsrichters zu.

          Bauer bietet mit

          Für den Holtzbrinck-Konkurrenten Springer forderte der Verlags-Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Berlin, Josef Probst, Clement erneut auf, die Übernahme zu untersagen. Der Zusammenschluß von „Tagesspiegel“ und „Berliner Zeitung“ hätte sehr negative Auswirkungen auf die Springer-Blätter „Berliner Morgenpost“ und „Welt“. Probst erklärte, durch Einstellung der Sonntagsausgabe sowie des bundesweiten Vertriebs könne Holtzbrinck genügend Geld einsparen, um den „Tagesspiegel“ profitabel zu machen.

          Das Kartellamt hatte die Untersagung mit der Gefahr einer marktbeherrschenden Stellung bei regionalen Abonnement-Tageszeitungen und Stadtillustrierten in Berlin begründet. Im Berliner Verlag erscheinen auch der „Berliner Kurier“ und das Stadtmagazin „Tip“, zur „Tagesspiegel“-Gruppe gehört neben den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ noch das Stadtmagazin „Zitty“.

          Marktanteile, Stiftungsmodelle, Pressevielfalt

          Rund 150 Manager, Regierungsbeamte und Journalisten hatten dem stundenlangen Wortgefecht der Verlagsanwälte über Marktanteile, Stiftungsmodelle, Pressevielfalt und Verträge verfolgt. Bis Clement der Kragen platzte: „Jetzt muß mit der Taktik endlich Schluß sein“, forderte der Minister Bauer und Holtzbrinck auf, Tacheles zu reden. Als Bauer die Holtzbrinck-Leute direkt fragte, ob das Stuttgarter Medienhaus überhaupt den „Tagesspiegel“ verkaufen wolle, legte sich Stille über den Raum. Clement ordnete ein 15-minütige Denkpause an.

          Danach ging alles sehr schnell. Als beide Verleger ihre ultimativen Angebote auf den Tisch legten, zeigte sich Clement zufrieden. Er werde voraussichtlich Ende September über die von Holtzbrinck beantragte Sondererlaubnis entscheiden. Die Angelegenheit sei ernst, „es geht um die Sicherung der Pressevielfalt in Berlin“. Mit keinem Wort ließ der frühere Chefredakteur der „Hamburger Morgenpost“ erkennen, auf welcher Seite sein Herz und sein Verstand im Berliner Zeitungsstreit sind.

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