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Medien : Spezialeffekte ohne Wirkung

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Auch Polanskis „Pianist” hat Das Werk digital bearbeitet Bild: Guy Ferrandis/ H &K

Mit dem Insolvenzantrag der Filmfirma Das Werk beendet ein weiteres Medienunternehmen seinen schnellen Aufstieg.

          Mit dem Insolvenzantrag der Filmfirma Das Werk endet nicht nur der rasante Aufstieg einer Wunderkind-Firma. Die seit langem schwelende Krise wirft auch ein Schlaglicht auf eine kränkelnde Branche, der die Werbeflaute zu schaffen macht.

          Das Werk gilt als eine der bedeutendsten Postproduktionsfirmen Europas. Zu belegen ist das kaum, denn die Konkurrenz ist in der Regel nicht börsennotiert und muss daher keine Zahlen veröffentlichen. Die Das Werk AG im Frankfurter Gallusviertel beschäftigte zu ihren Glanzzeiten knapp 700 Mitarbeiter an mehr als 50 Standorten weltweit. Zu den prominenten „Kunden“ zählen Wim Wenders („Million Dollar Hotel“), Pedro Almodovar („Sprich mit ihr“), Roman Polanski („Der Pianist“) und Ken Loach („Sweet 16“). An guten Filmen mitzuarbeiten, war jedoch weniger finanziell lukrativ denn ein Prestigegewinn. Das Werk lebte - wie alle Firmen der Postproduktion - vor allem von Werbung.

          Schnelle Expansion und hohe Schulden

          In einem Bauchladen von der Konzeption bis zur Nachbearbeitung in sämtlichen Feldern vom Spielfilm bis zum Firmenlogo, vom Videoclip bis zum Fernsehfilm sah Das Werk bislang sein größtes Kapital. Wie es scheint, war das die falsche Strategie: Die 1989 zum geplanten Börsengang gegründete AG expandierte schnell und häufte damit einen Berg Schulden an. Mit 113 Millionen Euro stand Das Werk Mitte des Jahres in der Kreide.

          Das Werk gründete Töchter in ganz Europa, kaufte Firmen in der ganzen Welt und erwarb Beteiligungen. Wim Wenders Road Movies Gruppe (Berlin) fusionierte im Juni 1999 mit Das Werk, Wenders wurde Aktionär. Im September 2000 stimmten die Aktionäre der Übernahme der spanischen En Efecto-Gruppe zu. Im Januar 2001 kaufte Das Werk Roland Emmerichs Spezialeffekte-Firma CFX in Los Angeles, die unter anderem für „Independence Day“ einen Oscar gewann.

          Das 1991 als GmbH für digitale Filmbearbeitung gegründete Unternehmen wuchs nicht nur zu rasch, sicher aber auch zum falschen Zeitpunkt. Denn just als Das Werk auf weltweite Einkaufstour ging, kam die Werbeflaute, die beileibe nicht nur Das Werk in die roten Zahlen zog. Die Holding fraß Geld und den Töchtern brach die Haupteinnahmequelle weg. Das soll sich jetzt ändern: Das Werk hat allein für die Holding Insolvenz angemeldet, will die Töchter aber weiterleben lassen. Sie sollen in einer GmbH zusammengeschlossen werden.

          Ob Barilla-Nudeln oder Schokoriegel

          Zu den großen Werbekunden von Das Werk gehören Nestlé und das ZDF, für das in Frankfurt das Design aufgemöbelt wurde. Für Barilla-Nudeln ließen die Effektespezialisten vom Werk apokalyptische Reiter durch ein Weizenfeld hetzen, für Schokoriegel tanzten Mäuse Hula-Hoop, für Schweppes raspelten Leoparden Süßholz. Ein wachsendes Geschäftsfeld waren in jüngster Zeit Musikvideos, beispielsweise von den No Angels, U2 oder Modern Talking.

          Die so genannte Postproduktion, veredelt durch „digitale Nachbearbeitung“ Werbespots, Spielfilme, Programmtrenner oder Musikvideos. Meist hinterlässt ihre Tätigkeit keine Spuren: Augen oder Autos wechseln die Farbe, aus Orangensaft wird Milch, Sommersprossen verschwinden, ohne dass der Zuschauer es ahnt. „Die besten Effekte sind die, die man nicht sieht“, lautete der Slogan des Hauses im Frankfurter Gallusviertel.

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