https://www.faz.net/-gqe-2tso

Medien : ProSiebenSat.1 fusioniert mit KirchMedia

  • Aktualisiert am

          2 Min.

          Die TV-Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media will mit ihrer Muttergesellschaft KirchMedia zu einem der größten börsennotierten Medienkonzerne in Europa fusionieren. Die beiden Unternehmen hätten sich im Grundsatz auf eine Verschmelzung geeinigt, die bis Ende Juni 2002 abgeschlossen werden solle, teilte ProSiebenSat.1 am Donnerstag nach Börsenschluss mit. Über Fragen der Bewertung werde nun im Detail gesprochen, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

          Die neue Aktiengesellschaft werde unter dem Namen KirchMedia an der Börse notiert, hieß es in der Mitteilung weiter. Die derzeit im MDax gelistete ProSiebenSat.1 AG werde in diesem Wert aufgehen. Vorstandschef des neuen Konzerns werde Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn. ProSieben-Chef Urs Rohner werde im Vorstand des neuen Unternehmens den Bereich Fernsehen verantworten.

          KirchMedia hält 52,5 Prozent an der ProSiebenSat.1 AG, die erst im vergangenen Jahr aus der Fusion von ProSieben und Sat.1 entstanden war. Spekulationen über eine bevorstehende Fusion hatten die ProSieben-Aktien am Donnerstag auf ein Jahrestief gedrückt, weil Analysten zunächst Nachteile für die anderen Aktionäre des Münchener Medienunternehmens sehen. Die ProSiebenSat.1-Aktie schloss an der Börse am Donnerstag mit einem Verlust von 16,53 Prozent bei 9,90 Euro.

          Nicht nur der Börse sprach ein deutliches Urteil, sondern auch die Analysten sind eher skeptisch. „Wir mögen den Deal nicht wirklich", sagte ein Medienanalyst. „Es sieht so aus, als ob Kirch ein Liquiditätsproblem lösen will.“ In Branchenkreisen hieß es aber, im Zuge der Fusion sei keine Kapitalerhöhung geplant. „Die Kirch-Gruppe ist dann aber so aufgestellt, dass sie in einem günstigeren Marktumfeld jederzeit eine Kapitalerhöhung durchführen könnte", hieß es.

          Durch die Neuordnung will die Kirch-Gruppe nach der Ansicht der Analysten vor allem den geplanten Börsengang von KirchMedia realisieren. Für Kirch sei es ein cleverer Schritt, den Börsengang nun über die Fusion mit der börsennotierten Tochter zu erreichen, hieß es bei den Experten. „Kirch spart sich damit die ganzen Kosten eines Börsengangs", sagte Markus Wallner von HSBC Trinkaus + Burkhardt. „Bei ProSieben überwiegen aber die negativen Aspekte", fügte er hinzu. Denn das derzeit von den schwachen Werbemärkten belastete Unternehmen müsse eine Verschlechterung der Margen hinnehmen, weil KirchMedia unprofitabler sei.

          Die Analysten der Investmentbank Merrill Lynch nahmen die ProSieben-Aktien langfristig herab auf „Neutral“ von „Kaufen". Es blieben noch offene Fragen bei der Bewertung der Kirch-Gruppe, vor allem in Bezug auf die Rechte an den Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 und der Formel 1, hieß es. Auch sei ein fusionierter Konzern weniger transparent.

          Weitere Themen

          Anleger von Euphorie weit entfernt

          Börsenausblick : Anleger von Euphorie weit entfernt

          Angesichts des bereits stark gelaufenen deutschen Aktienmarktes könnten Anleger in dieser Woche etwas vorsichtiger werden. Einfluss dürften auch die auslaufende Berichtssaison sowie wichtige Wirtschaftsdaten haben.

          Topmeldungen

          Eskalation in Hongkong : Jagdszenen auf dem Campus

          Die Universitäten in Hongkong geraten zum Kampfgebiet. Das stellt die Hochschulleitungen vor eine Zerreißprobe. Sollen sie sich hinter ihre Studenten stellen? Oder auf die Seite der Polizei?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.