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Medien : Entscheidende Runde im Kampf der Hauptstadt-Zeitungen

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Übernahmekampf vor der Entscheidung Bild: dpa

Im Streit um die Übernahme der „Berliner Zeitung“ durch den Holtzbrinck-Verlag hat Wirtschaftsminister Clement eine schnelle Entscheidung angekündigt. Er sei in keiner Richtung festgelegt, sagte Clement am Montag zu Beginn der Anhörung.

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          Der Kampf um die Neuordnung des Zeitungsmarktes in Berlin geht an diesem Montag in die entscheidende Runde. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat dabei eine schnelle Entscheidung angekündigt. Er sei in keiner Richtung festgelegt, sagte Clement am Montag zu Beginn einer Anhörung in Berlin.

          Im Streit um die Übernahme der „Berliner Zeitung“ durch den Holtzbrinck-Verlag stehen die Vertreter von drei Medienkonzernen in einer öffentlichen Anhörung Clement (SPD) Rede und Antwort.

          Das Stuttgarter Medienhaus, dem das Konkurrenzblatt „Der Tagesspiegel“ gehört, hat nach einem Veto der Kartellwächter Clement um eine Sondererlaubnis für den Kauf der „Berliner Zeitung“ gebeten. Der Minister will in wenigen Tagen entscheiden.

          Knackpunkt „Tagesspiegel“-Verkauf

          Clement hat Holtzbrinck („Die Zeit“, „Handelsblatt“) eine Forderung gestellt: Der Verlag müsse glaubwürdig darlegen, daß er alles unternommen habe, um den „Tagesspiegel“ zu verkaufen. Mit einem Verkauf des „Tagesspiegels“ bei gleichzeitigem Erwerb des ehemals zu Gruner + Jahr gehörenden Berliner Verlages soll eine beherrschende Stellung der Stuttgarter bei den Abo-Zeitungen der Hauptstadt verhindert werden. Zum Berliner Verlag gehören neben der „Berliner Zeitung“ das Boulevardblatt „Berliner Kurier“ und das Magazin „tip“.

          Holtzbrinck hatte das Bankhaus Sal. Oppenheim mit der Käufersuche beauftragt, jedoch erklärt, ein Interessent für den defizitären „Tagesspiegel“ sei unter den vom Ministerium verlangten Bedingungen für den Erhalt der Zeitung nicht aufzutreiben. Ohne Erlaubnis und die aus der Verlagsfusion erhofften Einsparungen müßte laut Holtzbrinck der „Tagesspiegel“ schließen.

          Konkurrenz übt Widerstand

          Das sieht der Verleger Heinz Bauer anders. Er hat Interesse am Hauptstadt-Blatt angemeldet und will an diesem Montag in Berlin seine Offerte persönlich vortragen. Bauer („Bravo“, „tv hören und sehen“ ) soll 20 Millionen Euro und eine Bestandsgarantie von bis zu sieben Jahren für den „Tagesspiegel“ in Aussicht gestellt haben. Die Zeitung soll Verluste von 84 Millionen Euro angesammelt haben.

          Auch bei der Axel Springer AG stoßen die Übernahme-Pläne aus Stuttgart auf erbitterten Widerstand. Europas größtes Zeitungshaus sieht bei einer Verlagsfusion die Stellung ihres publizistischen Flaggschiffes „Die Welt“ sowie die „Berliner Morgenpost“ bedroht. Springer hat die Redaktionen beider Blätter aus Kostengründen und angesichts der Krise auf dem Mediensektor zusammengelegt.

          Unter den Abo-Zeitungen der Hauptstadt rangiert die „Morgenpost“ mit 150.000 Exemplaren hinter „Berliner Zeitung“, die jeden Tag rund 193.000 Exemplaren verkauft. Der „Tagesspiegel“ setzt täglich 139.000 Exemplare ab. Experten sehen den Platz für drei Abo-Zeitungen in der Hauptstadt als extrem eng an. Sollte Clement den Kauf genehmigen, will Springer gegen eine „Lex Holtzbrinck“ vor Gericht ziehen.

          Anfang vergangener Woche hatte die Monopolkommission bereits erklärt, Holtzbrinck habe nicht nachweisen können, daß „Der Tagesspiegel“ unverkäuflich ist. Damit fehle die Voraussetzung für eine Sondererlaubnis. Clement ist an die Empfehlung nicht gebunden.

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