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Medien : Ein Spiel auf Zeit

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Der Hersteller wollen mehr von den Einnahmen Bild: dpa

Die Automobilhersteller und Rennställe geben sich weiterhin entschlossen, die Formel 1 in eigener Regie zu führen. Langfristige wirtschaftliche Stabilität sei das Ziel.

          Derzeit wird viel spekuliert über die Zukunft der Formel 1. Nicht nur der Start der neuen Saison in Melbourne und die Frage nach dem kommenden Weltmeister beschäftigt die Gemüter. Viele Debatten, die aktuell geführt werden, haben einen weiteren Zeithorizont. Der Sache nach geht es darum, wer künftig die Rennserie vermarkten darf.

          Derzeit erhalten die Hersteller gemessen an ihrem Engagement nach eigener Einschätzung zu wenig von den Einnahmen aus dem Zirkus rund um die Rennen. Außerdem strebt man bei der lukrativen Vermarktung ein größeres Mitspracherecht an.

          Weltweites Spektakel

          Das ist kein Wunder, denn die Formel 1 ist für die Hersteller ein überaus interessantes Mittel, ihr Image zu verbessern und erfreut sich größter Aufmerksamkeit nicht nur bei eingefleischten Automobilfans: In über 200 Ländern werden die Rennen von insgesamt etwa 350 Millionen Zuschauern im Fernsehen mitverfolgt. Rund 2.000 Zeitungen und Zeitschriften berichten von den Ereignissen. Allein in Deutschland sehen nicht selten weit mehr als zehn Millionen Fernsehzuschauer die Übertragungen der Rennen.

          Um bei diesem Spektakel dabei zu sein, investieren die Unternehmen stattliche Summen. Genaue Zahlen sind von den Unternehmen nicht zu erhalten. Jüngste Spekulationen über ein Budget des Neueinsteigers Toyota von 400 bis 600 Millionen Euro im Jahr bezeichnete eine Unternehmenssprecherin des in Köln angesiedelten Rennteams als völlig überzogen und haltlos. Eines aber steht fest, ohne Hersteller und Rennställe gäbe es keine Formel 1, und wer bezahlt, will auch bestimmen.

          Schreckensvision: Formel 1 allein im Bezahlfernsehen

          Derzeit liegen die Vermarktungsrechte jedoch bei der Formel-1-Veranstaltungsgesellschaft SLEC, an der Medienunternehmer Kirch die Kontrolle hat. Die Befürchtungen, Kirch könne versuchen, sein defizitäres Bezahlfernsehen Premiere durch die exklusive Ausstrahlung der Rennen fördern zu wollen, haben den Handlungsdruck für die Hersteller erhöht.

          Die Reduzierung der Ausstrahlung auf einem erheblich verkleinerten Markt können sie nicht hinnehmen. Da mag das Medienunternehmen kurz nach der Übernahme der SLEC-Mehrheit durch einen Einstieg bei EM.TV sich noch so beeilen und die Absicht, die Formel 1 nur im Bezahlfernsehen anzubieten, dementierten. Diese Abhängigkeit vom guten Willen Kirchs wollen die Automobilkonzerne auf Dauer nicht hinnehmen.

          Teilung der Serie birgt auch Gefahren

          Daher gründeten sie Ende vergangenen Jahres die GPWC (Grand Prix World Championship), zu deren Präsidenten der Fiat-Geschäftsführer Paolo Cantarella bestellt wurde. Im Direktorium der Gesellschaft sitzen Mercedes-Benz-Chef Jürgen Hubbert, Luca di Montezemolo von Ferrari-Fiat, Wolfgang Reitzle von Ford-Jaguar, Burkhard Goetschel von BMW sowie Patrick Faure von Renault. Die Japaner Honda und Toyota untersützen das Unternehmen.

          Ziel dieser Veranstaltung ist es, für die Formel 1 „langfristig wirtschaftliche Stabilität zu garantieren und die Transparenz zu verbessern“, erklärte ein BMW-Sprecher am Rande des Freien Trainings zum Saisonauftakt in Melbourne. „An den Plänen der GPWC hat sich durch die Schuldenkrise bei Kirch nichts geändert.“ Mittlerweile gibt es aber auch kritische Stimmen, die vor einer möglichen Spaltung der erfolgreichen Rennserie warnen. Das Beispiel der Teilung der IndyCar Series in den USA in CART und Indy Racing League habe gezeigt, dass dies dem Sport schade. In den USA „ist der Motorsport eher auf dem absteigenden Ast“, warnte Lauda vor allzu großem Aktionismus.

          Ein Spiel auf Zeit

          Die Krise bei Kirch lässt es als möglich erscheinen, dass der Medienunternehmer sich von der Formel-1-Beteiligung trennen könnte, um mit den Einnahmen Teile seiner vielfältigen Schulden zu bedienen. Dies gilt um so mehr, da die Rechte an der Vermarktung mit jedem Tag an Wert verlieren. Zeit ist Geld. Denn wenn die Automobilkonzerne sich voraussichtlich im Jahr 2008 aus der Formel 1 zurückziehen und ganz sicher eine Vielzahl der Fahrer mitlocken werden, dann gibt es bei der SLEC kaum noch etwas, das Kirch gewinnbringend vermarkten könnte. Die Zeit spielt gegen Kirch.

          Ein erstes Abtasten zwischen Kirch und den Automobilkonzernen hat bereits stattgefunden. Jürgen Hubbert, der Chef von Mercedes-Benz, hielt das Angebot jedoch „für völlig unzureichend“, sowohl hinsichtlich der Mitspracherechte als auch der finanziellen Konditionen. Vor einem Engagement würde Hubbert gerne eine eingehende Prüfung der Formel1-Geschäfte durchführen lassen. Eine solche Prüfung kostet Zeit, und die läuft für Hubbert und seine Kollegen.

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