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Medien : Bertelsmann setzt voll auf Community

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Ob Club oder Community - gelesen wird überall Bild: dpa

Bertelsmann legt den Internet-Buchladen BOL.com mit seinen Buchclubs zusammen. Dabei entsteht eine höchst heterogene Community.

          2 Min.

          Der Medienkonzern Bertelsmann legt seinen Internet-Buchladen BOL und seine traditionellen Buchclubs zusammen. Damit passe Bertelsmann sein Endkundengeschäft an das veränderte Kaufverhalten seiner Kunden an, erklärte das Unternehmen die Maßnahme.

          Dieses sei zunehmend gekennzeichnet durch die kombinierte Nutzung unterschiedlicher Wege für Information und Kauf von Medienprodukten wie Bücher und Musik-CDs. Innerhalb der Direct Group Bertelsmann verliert BOL damit seine Eigenständigkeit. Ein ursprünglich angestrebter Börsengang der noch Verluste schreibenden Internet-Tochter ist vom Tisch. Club-Mitgliedern soll BOL.com künftig als erweiterter Service auf der jeweiligen Club-Seite zur Verfügung stehen. Dadurch können sie zusätzlich zu dem beschränkten Clubangebot aus allen frei im Handel erhältlichen Medienprodukte bestellen. BOL-Kunden hingegen sollen automatisch auf die Sonderangebote im Club hingewiesen werden.

          Durch die Integration der Clubs und BOL.com in der DirectGroup Bertelsmann soll die weltweit stärkste “Community“ mit mehr als 55 Millionen Mitgliedern entstehen. Unter Experten gilt der Schritt als Zeichen des Bemühens, das Internet-Geschäft auszubauen. Bertelsmann ist nach eigenen Angaben im Clubgeschäft Marktführer, BOL.com hat sich nach seinem Start 1999 zur europäischen Nummer Zwei im Medien-E-Commerce entwickelt.

          Ehemaliges Sorgenkind

          Die Buchclubs, mit denen Bertelsmann in den 50-er und 60-er Jahren groß wurde, waren in den letzten Jahren zum Sorgenkind des weltweit agierenden Medienunternehmens geworden. Sie waren Bestandteil der Buch AG, wo sie im vergangenen Geschäftsjahr mit 29 Millionen Mitgliedern zwar 52 Prozent des Gesamtumsatzes von 8,47 Milliarden Mark erzielten, aber in die Verlustzone abrutschten.

          Seit Seit Juli 2000 liegen die Buch- und Musikclubs in der Verantwortung der DirectGroup, die von Bertelsmann-Vorstand Klaus Eierhoff geführt wird. In diesem Bereich wurden alle Buch- und Musikclubs und die eCommerce-Geschäfte mit insgesamt 55 Millionen Kunden und Mitgliedern zusammen gefasst.

          Keine Gartenstühle oder Holzkohlegrills

          Künftig setzt die Gruppe nach Angaben von Eierhoff auf den Ausbau von Spezialangeboten nach dem amerikanischen Vorbild sowie die Verzahnung mit bestehenden Communities. Dabei soll im Internet der Fokus weiterhin auf Medienprodukte gerichtet bleiben. „Statt neben CDs und Büchern auch Gartenstühle, Holzkohlegrills, Diätpillen und Autos anzubieten, hat sich BOL.com erfolgreich auf den Verkauf von Medienprodukten wie Musik und Bücher konzentriert und sich damit nicht nur wirtschaftlich erfolgreich vom Gemischtladen-Konzept der Wettbewerber abgesetzt“, sagte Andreas Schmidt, CEO der Bertelsmann eCommerce Group, unter Anspielung auf den Konkurrenten Amazon.com.

          Optimistisch äußert sich der Konzern zur weiteren Geschäftsentwicklung der DirectGroup. Im Clubgeschäft sei der Turnaround geschafft. Abgesehen von Sondereffekten werde die DirectGroup 2002 die operative Gewinnschwelle überschreiten und mit einem zweistelligen Millionenbetrag positiv zum Ergebnis des Konzerns beitragen. Für BOL.com werden 2001 Umsätze von 180 Millionen Mark erwartet.

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