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Medien : Bertelsmann scheitert mit Kauf von Gruner + Jahr

Verlagsgebäude von Gruner und Jahr in Hamburg. Bild: dapd

Der Medienkonzern aus Gütersloh und die Familie Jahr konnten sich nicht auf die Bewertung einigen. Damit platzt die Komplettübernahme. Die Eigentümerverhältnisse sollen erst einmal unverändert bleiben.

          Der Medienkonzern Bertelsmann ist mit dem Versuch gescheitert, das Verlagshaus Gruner + Jahr (G+J) vollständig zu übernehmen. Die Beteiligungsverhältnisse bei Europas größtem Zeitschriftenverlag („Stern“, „Geo“, „Brigitte“) bleiben also unverändert: Bertelsmann hält 74,9 Prozent, die Jahr Holding, hinter der die Hamburger Familie Jahr steht, besitzt weiterhin 25,1 Prozent und damit eine Sperrminorität. Man sei einvernehmlich zu der Entscheidung gelangt, Gruner + Jahr auch in Zukunft gemeinsam weiterzuentwickeln, teilten die Unternehmen mit. Zu der Frage, warum die monatelangen Verhandlungen nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten, äußerten sich die Beteiligten nicht.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Nach Informationen der F.A.Z. ist die Transaktion vor allem an Bewertungsfragen gescheitert. Die Jahrs sollten ihren Anteil an dem Verlag gegen Aktien der Bertelsmann SE & Co. KGaA eintauschen. Dabei ging es um eine Beteiligung von 4 bis 5 Prozent. Allerdings kann man über die Werthaltigkeit eines Konzerns, der mit seinen Engagements bei RTL, Random House und Arvato in unterschiedlichen Geschäften unterwegs ist, trefflich streiten. Hinzu kam, dass die weitere Geschäftsentwicklung im schuldengeplagten (Süd-)Europa nur schwer einzuschätzen ist. Abgesehen davon soll es für die Jahr-Familie aber auch komplizierte steuerliche Hürden gegeben haben. „Für die Jahr-Familie war das von Anfang an ein sehr unattraktiver Deal“, heißt es in Verlagskreisen. Daher wird intern schon darüber spekuliert, ob Winfried Steeger wohl noch eine lange Zukunft im Haus hat. Steeger hatte als Geschäftsführer der Jahr Holding GmbH & Co. die Federführung in den Verhandlungen mit Bertelsmann. Aber auch für den neuen Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe ist das Ganze ein herber Rückschlag. Rabe, der den Konzern wieder auf Wachstum trimmen will, erhoffte sich erhebliche Effizienzgewinne und Synergien von einer vollständigen Übernahme.

          Im Gespräch mit der F.A.Z. hatte er im September den Sinn der geplanten Transaktion wie folgt beschrieben: „Ein Minderheitsgesellschafter hat meist ein Auge darauf, dass das Geschäft eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt. Die Frage ist allerdings, ob das für Gruner + Jahr in Zeiten der Medienkonvergenz noch der richtige Weg ist. Eine engere Zusammenarbeit mit anderen Konzernteilen wie der RTL Group oder unserer Buchverlagsgruppe Random House wäre einfacher, wenn der Verlag zu 100 Prozent Bertelsmann gehörte.“ Aufgrund dieser Ankündigung fürchteten viele Gruner-Mitarbeiter, dass Bertelsmann nach einer vollständigen Übernahme des Verlags in Hamburg durchgreifen und Personal abbauen werde. Entsprechend erleichtert ist man nun in der Firmenzentrale am Baumwall. Trotzdem blickt man gespannt auf die G+J-Aufsichtsratssitzung Ende November, in der wohl über Anpassungsmaßnahmen in Zeiten der deutlich spürbaren Anzeigenkrise gesprochen werden soll. G+J hatte im ersten Halbjahr 2012 deutlich weniger verdient.

          Eine bremsende Rolle in den Verhandlungen mit Bertelsmann dürfte auch Angelika Jahr-Stilcken gespielt haben. Die einflussreiche Tochter des Verlagsgründers John Jahr soll emotional größte Probleme mit der Vorstellung gehabt haben, das Familienerbe aus der Hand zu geben. „Sie war vom Herzen her dagegen“, sagt ein Kenner der Familie. Hinzu komme, dass Angelika Jahr-Stilcken und Bertelsmann-Erbin Liz Mohn nicht gerade ein Herz und eine Seele seien.

          Bertelsmann betonte am Freitag, dass man die Zusammenarbeit mit der Familie Jahr nun fortsetzen und die Anteile auf jeden Fall behalten wolle. „Wir werden die starke Position von G+J im Mediengeschäft ausbauen, die Digitalisierung von Inhalten und Marken vorantreiben und die dafür notwendigen Mittel zur Verfügung stellen“, erklärte Thomas Rabe. Bertelsmann fühle sich dem Qualitätsjournalismus als einem inhaltlichen Kern seiner Geschäfte auch in Zukunft verpflichtet.

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