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Mecklenburg-Vorpommern : Werftenrettung auf dem Rücken der Steuerzahler

Von dem im Juni gewährten Kredit von 152 Millionen Euro sind bisher 70 Millionen Euro geflossen. Doch in Unternehmenskreisen heißt es, die restliche Summe werde auch noch beantragt. Das Geld soll nur fließen, wenn dadurch die Inanspruchnahme des früheren Bürgschaftsrahmens reduziert wird, sprich: wenn damit Schiffe fertiggebaut werden, für die die Kunden sonst ihre Anzahlung zurückbekämen.

Schlechte Leistung der Beratungsunternehmen

Der Steuerzahler steht in diesem traurigen Fall nicht nur für das fehlerhafte Management der P+S-Werften gerade. Er zahlt auch für die ungenügende Leistung einiger Beratungsunternehmen, die den geplanten Umbau und den Strategieschwenk der Werft begleitet und die staatlichen Stellen beraten haben, als es um die Frage ging, ob weitere Staatshilfen betriebswirtschaftlich vertretbar seien. Hier spielten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Pricewaterhouse Coopers (PwC) und KPMG offenbar eine unrühmliche Rolle. PwC hat im Auftrag des Wirtschaftsministeriums in Schwerin untersucht, ob der Schiffbaubetrieb zumindest operativ in die richtige Richtung läuft und eine Zukunft hat. Das positive Votum der Berater war ausschlaggebend für die Freigabe der Rettungsbeihilfe im Juni. Über die gravierende Fehlentscheidung der Prüfer ist man in der Politik und bei den involvierten Banken sehr verärgert. „Da müssen Sie keine Experten fragen, da können Sie auch Lieschen Müller anrufen“, sagt etwa ein hochrangiger Banker, der namentlich nicht genannt werden will. Hinter den Kulissen beschäftigt man sich schon mit der möglichen Schadensersatzansprüchen. PwC will sich zu alldem nicht äußern. Der Bund ist ein sehr wichtiger Kunde für das Unternehmen.

Die Organisation der P+S-Werften, die ursprünglich vor allem auf den serienmäßigen Bau von Containerschiffen ausgerichtet war, wurde im Zuge der Neuausrichtung eilig umgestellt. Die Werft zog viele Aufträge an Land und ließ sich auf viel zu ehrgeizige Liefertermine ein. Projektteams, die nun völlig neue Schiffstypen bauen sollten, gerieten in Konflikt mit etablierten Abteilungen. Entscheidungswege wurden aufgebrochen, Hierarchien durcheinandergewirbelt. Da kein Auftrag dem anderen glich, konnte die Werft weder Mengenvorteile nutzen noch mit einer Lernkurve aufwarten. Aufträge gerieten in Verzug, Schiffe wurden schwerer als vertraglich vereinbart. Dadurch bekamen wichtige Besteller wie die Reedereien Scandlines, DFDS und Royal Arctic Lines das Recht, ihre Aufträge zu stornieren und die schon angezahlten Preise zurückzufordern.

Die Besteller haben sich durch sogenannte Anzahlungsgarantien für den Fall der Insolvenz der Werft abgesichert. Hinter diesen Garantien stehen Kreditversicherer und andere Versicherungsgesellschaften sowie abermals die KfW und die Nord LB. Der einzige, der in diesem fehlgeschlagenen Rettungsversuch am Ende ohne Sicherheiten dasteht, ist der Steuerzahler. Selbst die politische Aufarbeitung des Falls kommt ihn noch teuer zu stehen: Die Kosten für den Untersuchungsausschuss zur Werftenpleite werden auf mehr als eine Million Euro veranschlagt. 

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