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Zukunftstechnologie : Wie Blockchain die Meere von Plastikmüll säubern soll

Das Thema Blockchain ist auf der Me Convention in aller Munde. Bild: Susanne Preuß

Im Pazifik schwimmt ein riesiger Strudel aus Plastikmüll. An der Lösung dieses Problems wird derzeit auf der Me Convention in Stockholm getüftelt – mit der digitalen Blockchain-Technologie.

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          Shaun Frankson braucht nur Sekunden, um das Problem mit dem Plastik zu beschreiben. Er macht ausladende Gesten mit seinen Armen und sagt: „Jede Minute gelangt so viel Plastik in die Meere, wie in diesen Raum passen würde.“ Ob das so ganz genau stimmt – geschenkt. Aber jeder der wohl mehr als hundert Zuhörer auf der Me Convention in Stockholm hat ruckzuck eine Vorstellung von diesem Problem, an dem jeder mehr oder weniger bewusst mitwirkt. Genau so eindringlich erklärt Shaun Frankson, was die Plastic Bank ist, die er gemeinsam mit dem Kanadier David Katz gegründet hat: Es gehe darum, Plastik nicht mehr als Müll zu betrachten, sondern als Rohstoff, und all die Menschen, die Plastik sammeln, nicht als Müllsammler, sondern als Rohstofflieferant.

          Susanne Preuß
          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Deutlich schwieriger wird die Sache, wenn Frankson erklärt, warum die Blockchain ein perfektes Werkzeug ist, um aus der Plastic Bank eine weltweite Bewegung zu machen. Blockchain? Ist das nicht diese Sache, mit der Bitcoins geschaffen werden? Gut, dass die IBM-Managerin Marie Wieck schon für ein bisschen Aufklärung gesorgt hat. Die Blockchain ist keineswegs auf solche Finanzthemen beschränkt, erklärt sie.

          Basierend nicht auf einem einzigen Kanal, sondern auf einer Datenbank mit unendlich vielen Teilnehmern, kann die Blockchain-Technologie überall eingesetzt werden, wo es darauf ankommt, Transaktionen fälschungssicher zu organisieren. Die genaue technische Basis, auf der die Blockchain organisiert ist, so ihre Beobachtung, ist nicht das Entscheidende für den Erfolg, sondern das Geschäftsmodell. Wie bekommt man die Leute dazu, dass sie mitmachen und ihre Daten für einen bestimmten Zweck teilen? Das sei die Frage, die zu lösen sei.

          Blockchain ermöglicht Bezahlungen ohne Geld

          Im Fall der Plastic Bank scheint es der greifbare Nutzen für die Plastik-Sammler zu sein. Der Zugang zum Internet oder zu einer Ladestation fürs Handy, Essen oder medizinische Hilfe sind oft schon sehr viel wert. Dass solche Leistungen durch die Blockchain-Technologie konkreten Personen zugeordnet werden können und dass nicht mit Geld bezahlt wird, ist für manche Menschen besonders hilfreich, berichtet Marie Wieck. Oft genug sind die Ärmsten der Armen nämlich Frauen und Kinder, die Plastik sammeln – und sobald sie Bargeld in Händen halten, wird es ihnen weggenommen.

          Mit einem Missverständnis räumen Shaun Frankson und Marie Wieck noch auf. Während das Bitcoin-Schürfen auch deswegen in Verruf geraten ist, weil es ein großer Energiefresser ist, gilt das keineswegs für jede Blockchain: Auch hier tut sich ständig etwas neues in Sachen Technologie. Und keineswegs will man das eine Übel gegen das andere austauschen.

          Bleibt die Frage aus dem Publikum, was mit all dem Plastikmüll ist, der auf der Me Convention entsteht, wo Hunderte von kreativ-digital-agilen Teilnehmern eine Menge Plastik-Müll schon allein durchs Essen und Trinken produzieren. Vieles ist spärlich in Papier verpackt, immerhin. Frankson und Wieck können die Frage natürlich nicht beantworten, weil sie nicht die Veranstalter sind. Immerhin, so der Verweis der IBM-Managerin: Schweden, wo die Me Convention stattfindet, ist eines der Länder mit den höchsten Recycling-Quoten der Welt.

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