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29.000 Trümmerteile : Was kann man mit Weltraumschrott anfangen?

  • -Aktualisiert am

Die Computersimulation der Europäischen Raumfahrtbehörde zeigt Weltraumschrott in der Erdumlaufbahn. Bild: dpa

Wo der Mensch ist, ist auch Müll – das ist im Weltraum nicht anders. Daan Roosegaarde will das Problem „Weltraumschrott“ lösen. Doch wie kann man Aufräumen attraktiv gestalten?

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          „Aufräumen macht keinen Spaß“, stellt Daan Roosegaarde, niederländischer Künstler, fest. Deswegen hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Ideen zu entwickeln, die nicht nur nachhaltig, sondern auch unterhaltsam sind. Seine Idee: Der Weltraummüll soll zu Sternschnuppen werden. Mit Netzen soll der Schrott gesammelt und kontrolliert beim Eintritt in die Erdatmosphäre verbrannt werden. So wird man nicht nur den Weltraumschrott los, sondern kann die Sternschnuppennacht als Spektakel vermarkten. „Das wäre eine gute Alternative zum Feuerwerk, das von vielen Städte mittlerweile wegen der Luftverschmutzung verboten wird“, sagt Roosegaarde.

          Das ist eine von vielen Ideen, die Roosegaarde mit seinem Space Waste Lab gesammelt hat. In seinem Workshop auf der Me Convention macht nun das Publikum Vorschläge wie das Müllproblem im All gelöst werden könnte. Die Fragestellung lautet: Was kann man mit 8,1 Millionen Kilo Weltraumschrott alles anfangen?

          Weltraumschrott-Sammeln als Touristenattraktion

          Da Weltraum-Tourismus nicht mehr nur eine abstrakte Idee ist, könnte aus dem Müll ein Geschäft aufgebaut werden, lautet eine der Ideen. Eine Teilnehmerin schlägt vor, dass die zukünftigen Weltraum-Touristen beim Müll sammeln helfen können. „Ich glaube, Menschen würden das tatsächlich machen“, sagt sie. An den Gedanken knüpft eine Teilnehmerin aus Argentinien an: „Eine Art Weltraum-Museum, in dem die Weltraum-Touristen Reste von Raumschiffen oder Satelliten betrachten können.“ Eine Idee, die Roosegaarde auch schon hatte: „Ja, wir könnten etwas von Apollo oder Sputnik bewahren. Für viele Menschen sind das historische Gegenstände.“

          Andreas hat sich Gedanken rund um den Magnetismus gemacht. Mit einem Magnet möchte er den Schrott, der größtenteils aus Metall besteht, in eine sinnvolle Richtung lenken. Wohin? Das weiß er noch nicht. „Ist ja nicht schlimm“, sagt Roosegaarde, „dazu sammeln wir ja Ideen.“ Die Idee, den Weltraumschrott an einer Art Wand abprallen zu lassen, wurde allerdings bereits verworfen. Mit Geschwindigkeiten von bis zu 27.000 Kilometer pro Stunde würde der Müll schlicht an der Wand zersplittern, sagt Michel van Pelt, Techniker bei der Europäischen Weltraumorganisation.

          Recycling ist nicht abwegig

          Joel findet eher humoristischen Antworten. Aus dem Schrott könnte man für die ISS einen Anbau konstruieren. Alternativ könnte man auch einen großen Pfeil bauen, der auf die Erde zeigt. Karin, ebenfalls eine Teilnehmerin, kritisiert, dass es bisher keine Weltraum-Behörde gibt, die Regeln aufstellt. „Es kann nicht sein, dass Elon Musk und andere sich nicht darum kümmern, was mit den Satelliten passiert, sobald sie einmal oben sind“, sagt sie. Van Pelt widerspricht: „Es gibt zunehmend mehr Regularien – auch international.“

          Daan Roosegaarde auf der Me Convention in Frankfurt

          Um auf das Müllproblem im Weltraum überhaupt hinzuweisen, machte Roosegaarde die 29.000 Trümmer durch eine Lichtinstallation sichtbar. Laserstrahlen, die in den Himmel schossen, zeigten die Flugbahn einzelner Schrottteile. Der Weltraumschrott besteht dabei größtenteils aus Raketenteilen, ausgedienten Satelliten oder auch Kleinteilen, die sich gelöst haben, sagt van Pelt. Dabei zertrümmert der Schrott bei Kollisionen oft in viele kleine Teile, die nicht mehr geortet werden können. „Es ist interessant, dass Satelliten hergestellt werden, aber niemand sich Gedanken um die Verwertung macht“, meint Roosegaarde. Auch bei Weltraumschrott sei der Recycle-Gedanke letztlich nicht abwegig. „Es gibt viele Metalle und viel Technik, die für neue Satelliten wiederverwendet werden könnten“, sagt Van Pelt. Man würde aber jetzt erst anfangen sich um das Danach Gedanken zu machen.

          Wenn es nach Roosegaarde geht, muss Nachhaltigkeit die persönliche Angelegenheit eines Jeden werden. Mit einem Team aus Ingenieuren entwickelte er einen Turm, der Smog einsaugt und die gereinigte Luft wieder in die Umwelt abgibt. Aus dem herausgefilterten Schmutz stellt er Ringe her. Mit dem Kauf eines Rings – der Preis beträgt 2000 Euro – spendet der Käufer 1000 Kubikmeter saubere Luft. Für Roosegaarde ist sicher: Nachhaltigkeit muss nur gut vermarktet werden. Sobald die Menschen einen Nutzen aus umweltbewusstem Verhalten ziehen können, ist es für sie interessant.

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