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Buhlen um Start-ups : Marseille, Nikosia, Tampere, Kaohsiung - welcher Standort darf es denn sein?

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Die Namen potentieller Start-Up Cities auf einer Tafel in Frankfurt auf der Me Convention Bild: FAZ.NET/Ina Lockhart

Sechs Städte, sechs Standorte, viele verschiedene Stärken. Warum Start-ups bei diesen Metropolen vielleicht genauer hinschauen sollten.

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          Sechs Städte, die Start-ups bei der Standortsuche im Blick haben sollten. Marseille brüstet sich mit Branchenvielfalt, Nikosia mit drei angrenzenden Kontinenten, Brünn mit seinem Biotech-Schwerpunkt und Tampere mit seiner Gamer-Kompetenz. Auf der Me Convention präsentieren sich die Kandidaten mit ihren Stärken.

          Marseille  Waffen, Autos und Kriminalität – das seien die Gedanken seiner Familie gewesen, als sie erfuhr, dass Mathieu Rozières, Gründer einer Agentur für Medien, nach Marseille geht. Für ihn ist es eine der besten Städte für Start-ups. Marseille vereint sechs verschiedene Branchen, darunter Logistik, Energie, Tourismus. „Es gibt über 11.200 Unternehmen in Marseille“, sagt Rozières. Darunter auch Airbus, L’Occitane und Haribo. „Wir haben Paris und sonst nichts“, sagt Rozières scherzhaft. Das soll sich nun – mithilfe der Start-ups – ändern. Marseille ist nach Paris die bevölkerungsreichste Stadt Frankreichs, 100 000 Studenten leben dort. „Durch die Universität gibt es viele Kooperationen zwischen Start-ups und den Studenten“; sagt Rozières.

          Nikosia Um mehr Menschen davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee ist, sein Startup in Zypern aufzuziehen, verteilt die Regierung dort inzwischen Start-up-Visa. Zypern liegt an drei Kontinenten: Europa, Asien und Afrika. Nikosia ist die Hauptstadt Zyperns. Der Norden ist zudem De-facto-Hauptstadt der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern. Nikosia hat 276.000 Einwohner und will junge Innovatoren aus der ganzen Welt anlocken. Das soll vor allem durch eine der niedrigsten Unternehmenssteuern in Europa gelingen. So müssen Firmen nur 12,5 Prozent der Einnahmen versteuern. Um für mehr Jobs und Wachstums zu sorgen, unterstützt die Europäische Union das Land zudem mit Hilfsgeldern.

          Brünn Brünn in der Tschechischen Republik zählt zu den Regionen der Welt, die auf der Me Convention ihr Start-up-Potential präsentieren. Regionale Innovationsstrategien haben die Arbeitslosigkeit gesenkt, fünf Universitäten treiben die Forschung voran. Die technische Universität spielt für die Region eine große Rolle, Biotechnologie ist einer der wichtigsten Studiengänge dort. „Es gibt hier aber auch viele Künstler und Kreative“, sagt Michal Veselý, Marketingchef von JIC. Davon profitiere die Stadt, die Lebensqualität sei sehr hoch, sagt Veselý. Tschechien zählt zu den zehn sichersten Ländern der Welt. Von den Großstädten Wien und Prag in unmittelbarer Nähe profitiere Brünn und sei für Start-ups ein interessanter Standort.

          St. Petersburg Jeder, der sich beim Googlen vertippt und nur Petersburg eingibt, wird nicht finden, wonach er sucht. Gibt man jedoch St. Petersburg ein, wird man fündig. Dieses zugegeben eher kleine Problem zeigt, dass auch diese Stadt bislang unter dem Radar vieler Menschen läuft, die sich nach attraktiven Orten für ihr Start-up umschauen. Olesya Baraniuc ist Direktorin des Technologieparks der Universität St. Petersburg. Sie will so viele Start-ups wie möglich in die Stadt locken. Vor einigen Jahren war das nicht so einfach möglich: „Früher wurde es fast als kriminell angesehen, wenn ein ausländisches Start-up hierhin wollte“, sagt Baraniuc. Inzwischen ist das anders. Die Stadt wirbt mit Coworking-Zonen, Technoparks und Prototyping-Zentren um die Gunst von Innovatoren aus der ganzen Welt. Darüber hinaus bietet die Universität St. Petersburg für talentierte Studenten beste Bedingungen. So wurde sie vor kurzem von der Forbes zur siebtbesten Uni der Welt gerankt. Darüber hinaus profitiert die Stadt von der Verbesserung der Infrastruktur, die die russische Regierung im Zuge der Weltmeisterschaft 2018 veranlasst hatte.

          Tampere Glaubt man den Worten des finnischen Projektleiters Sami Puttonen, ist Tampere die innovativste Stadt Finnlands. Tampere liegt im Süden des Landes und unternimmt einiges, um Start-ups aus der ganzen Welt anzulocken. „Selbst für Menschen, die gar keine Idee haben, sind hier Experten, die sie bei der Gründung unterstützen“, sagt Puttonen. Egal, wie weit ein Start-up in seiner Planung ist, in Tampere wird ihnen geholfen. Die Stadt zeichnet sich vor allem durch ihre Gameindustrie und KI-Forschung aus. Um kreativ sein zu können, muss man sich in seinem Umfeld wohlfühlen. Tampere selbst, nennt sich die lebenswerteste Stadt Finnlands. Das Land insgesamt ist offen für Gründer. So sind die Zinsen für Innovatoren dort relativ niedrig.

          Kaohsiung  Die Regierung von Kaohsiung setzt voll auf Technologie und hofft auf Start-ups als Innovationstreiber: Die ansässigen Start-ups beschäftigen sich mit Künstlicher Intelligenz, Robotern und Virtual Reality (VR). Passend also, dass es ausgerechnet in Kaohsiung, der zweitgrößten Stadt Taiwans, das einzige VR Lab des Landes gibt. Die Start-ups erhalten außerdem Starthilfe: Professionelle Beratung, Kooperationen zwischen Unternehmen und Akademien oder auch Funds sollen die jungen Unternehmen dazu bringen, sich in Kaohsiung niederzulassen. Meetings, Incentives, Conventions und Festivals sollen helfen Netzwerke aufzubauen. „Einige sind wegen des chinesischen Marktes besorgt, deswegen ist Taiwan für sie ein sicherer Ort, um hier ein Start-up zu starten“, sagt Ho-Chung Fu vom Büro für ökonomische Entwicklung.

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