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Me Convention 2019 : „Wir brauchen Lösungen im großen Stil“

Felipe Villela spricht auf der MeConvention 2019 Bild: ReNature Foundation

Mit 26 Jahren ist Felipe Villela schon Gründer einer Stiftung. Er will die Landwirtschaft revolutionieren – mit Hilfe von traditionellem Wissen aus seiner Heimat Brasilien.

          3 Min.

          Felipe Villela hat eine Stiftung gegründet, die Unternehmen dazu bringen will, auf eine nachhaltige Landwirtschaft umzustellen. Sie versucht, das Zusammenspiel natürlicher Ökosysteme nachzuahmen und  Nutzpflanzen wie Baumwolle und Palmöl zusammen anzubauen. Noch sind die Big Player skeptisch.

          Sarah Obertreis
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Ihre Stiftung behauptet, dass durch das nachhaltige Anbaukonzept mehr Ertrag erwirtschaftet werden kann. Wieso bauen wir unsere Lebensmittel dann nicht schon immer so an?

          Das Anbau-System ist zwar sehr alt, aber auf der anderen Seite auch sehr neu, weil es jetzt erst Bekanntheit erlangt. Agroforestry, wie das nachhaltige Landwirtschaftsmodell heißt, wurde über Jahrhunderte hinweg von Bauern praktiziert, die keinen Kontakt zu  großen Industrien hatten und so das Wissen auch nicht weitergaben. Wir brauchen noch mehr Studien, um zu beweisen, wie wirtschaftlich sinnvoll unser System ist, weil viele Leute immer noch denken: diese Hippies. Aber wir meinen es ernst.

          Merken das auch die großen Unternehmen, denen Sie Ihre Ideen vorstellen?

          Ich habe schon mit vielen Firmen gesprochen – von kleinen Unternehmen, die tatsächlich an ein nachhaltiges Wirtschaften glauben wie der Sneakerhersteller Vieja und die Outdoormarke Patagonia – bis zu Big Players wie Adidas. Die großen Unternehmen fragen immer zuerst: Kann man Agroforestry auch im großen Stil machen? Obwohl ich beweisen kann, dass das geht, herrscht immer noch viel Unsicherheit, weil sie keine Risiken eingehen wollen. Ich sage dann: Wenn Sie Ihre Ressourcen weiter in Monokulturen anbauen, werden Sie irgendwann nichts mehr haben, was Sie ernten können.

          Haben Sie bei solchen Gesprächen das Gefühl, dass Ihre Position ernst genommen wird?

          Ich würde sagen: 70 Prozent der Unternehmen nehmen uns ernst, 30 Prozent nicht. Aber diejenigen, die uns nicht ernst nehmen, wissen trotzdem um die Wichtigkeit des Themas, sie haben aber keine Ahnung, wie sie es angehen sollen. Als ich mein Projekt Adidas vorstellte, sprach ich mit jemandem in der Mitte der Lieferkette. Er sagte irgendwann: Wir haben nichts mit dem Anbau unserer Baumwolle zu tun, das machen irgendwelche Leute in Hongkong. Diese Manager arbeiten so weit von der Realität auf den Feldern entfernt, dass man sie zuerst auf den Boden der Tatsachen bringen und sagen muss: Euer Baumwollanbau zerstört ganze Landschaften.

          Sie sind erst 26 Jahre alt, vor einem Jahr haben Sie die Renature-Stiftung gegründet. Woher nehmen Sie Ihr Wissen über Agroforestry?

          Aus Brasilien, wo ich herkomme. Am meisten hat mich der Amazonas inspiriert. Dort habe ich viele Menschen gesehen, die im Einklang mit der Natur leben, Sie bauen ihre Nahrungsmittel selbst an, sie stellen Medizin und Stoffe her – alles kommt aus dem Regenwald. Ich habe sehr viele Orte besucht, an denen Agroforestry traditionell betrieben wird. Außerdem habe ich nachhaltige Landwirtschaft in Holland studiert.

          In den vergangenen Wochen war Brasilien vor allem wegen der riesigen Feuer im Amazonasgebiet in den Schlagzeilen.

          Diese Feuer werden nie aufhören, wenn wir nicht beweisen, dass nachhaltige Viehzucht und Sojabohnen-Anbau gewinnbringender sein können als herkömmliche Landwirtschaft. Die Sojabohnen- und Viehzuchtindustrie ist in meinem Heimatland für 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukt verantwortlich, sie muss früher oder später auf eine nachhaltige Landwirtschaft umgestellt werden. Viele Menschen glauben, sie könnten mit einem umweltfreundlichen Verhalten im Alltag dazu beitragen, dass die Feuer weniger werden, aber hier geht es um etwas viel Größeres. Im Moment brauchen wir Lösungen im großen Stil.

          Die Mitarbeiter der Stiftung Renature setzen sich für nachhaltige Landwirtschaft ein.
          Die Mitarbeiter der Stiftung Renature setzen sich für nachhaltige Landwirtschaft ein. : Bild: Renature Foundation

          Sie sprechen auf der Me Convention, eine Veranstaltung auf der IAA, die von Mercedes gesponsert wird. Viele Umweltschützer würden die Einladung eines Autobauers aus Prinzip nicht annehmen.

          Veranstaltungen wie die Me Convention helfen mir dabei, eine andere Zielgruppe anzusprechen und mit Leuten in Kontakt zu kommen, die mir helfen können, die Ideen von Renature weiter zu verbreiten. Ich weiß, dass es viele Umweltschützer gibt, die gegen solche Events sind, weil sie denken, es sei Greenwashing. Aber wir stehen an einem Punkt, an dem wir uns als Menschen auf einer immer wärmer werdenden Welt nicht leisten können, Partizipation zu verweigern. Wir müssen auch mit den Branchenvertretern sprechen, die unserem Planeten in der Vergangenheit geschadet haben und mit ihnen zusammen Lösungen finden. Greenwashing ist ein Schritt in die richtige Richtung.


          Renature will bis 2030 eine Million Hektar Land, das durch herkömmliche Landwirtschaft unfruchtbar geworden ist, wieder nutzbar machen. Wo planen Sie, in fünf Jahren zu stehen?

          2024 wollen wir schon eine halbe Million Hektar wieder nutzbar gemacht haben und ich würde gerne mindestens zehn Modellfarmen haben. Jede dieser Modellfarmen soll zeigen, wie eine andere Nutzpflanze nachhaltig angebaut werden kann und Daten liefern. Im Moment haben wir schon eine Farm, auf der Kakao und Kaffee angebaut wird.


          Wie werden Sie diese Modellfarmen finanzieren?

          Firmen und Landwirte werden dafür zahlen. Bis jetzt sind etwa 30 der 36 Angebote, die uns vorliegen, von Kooperativen und Landwirten, die selbst kein Budget haben, aber es werden weitere Angebote kommen. Mir ist es wichtig, dass wir ein For-Profit-Modell propagieren. Generell könnten wir viel mehr Geld verdienen mit nachhaltigem Wirtschaften, das System ist aber noch sehr unstrukturiert. Wir müssen Biodiversität, Wasservorkommen und CO2-Emmissionen einen klaren Wert zuweisen und nicht länger Produkte verkaufen, bei denen die eigentlichen Kosten in den Preis überhaupt nicht mit eingerechnet sind.

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