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Me Convention zu Tod im Netz : Was kann man tun, damit Menschen nicht ewig leben?

27 Jahre jung: Der Soziologe Carl Öhman beschäftigt sich mit dem Tod. Bild: Boris Schmidt

Der junge Wissenschaftler Carl Öhman macht sich Gedanken über den digitalen Nachlass. Zwischen den verschiedenen Religionen und Ländern sieht er überraschend wenig Unterschiede im Umgang mit dem Tod.

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          Carl Öhman ist jung. Am Sonntag wird er 27 Jahre alt. Aber er macht sich schon seit gut drei Jahren Gedanken über den Tod – aus rein wissenschaftlicher Sicht. Der Schwede hat Soziologie und Literaturwissenschaft in Uppsala studiert, ist jetzt Doktorand am Oxford Internet Institute und befasst sich mit ethischen Fragen um das Thema Tod im Netz. Wobei es nicht um den Tod als solchen geht und wie über ihn geschrieben wird, sondern um die Frage, was aus dem digitalen Nachlass eines Verstorbenen wird. Wem gehören die Daten? Was geschieht mit ihnen, „leben“ sie ewig weiter?

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Auf der Me Convention referierte er zu diesem Thema, im Gespräch mit Faz.net zeigte er sich sehr offen, Berührungsängste hat er keine. Dürfe er auch nicht haben, sagte er. Und wie für jeden jungen Menschen sei es für ihn außerhalb seiner Vorstellungskraft, dass er sterben könnte.

          Und so sei auch das Netz entwickelt worden. Niemand habe daran gedacht, dass die Nutzer einmal sterben könnten. Und je älter das Netz werde, desto evidenter werde das Problem. „Es läuft darauf hinaus, dass wir bald die Daten von Milliarden Toten im Netz haben werden.“ Damit müssen wir lernen umzugehen. Es sei eine sehr wichtige ethische Frage, für die es keine General-Lösungen gebe.

          Archäologen als Vorbild?

          Er schlägt vor, sich an dem Vorgehen der Archäologen zu orientieren. Es brauche einen festen Wertekanon für die menschlichen Hinterlassenschaften, auch für die digitalen. Überrascht hat ihn, wie wenig sich die Länder und Religionen unterscheiden, wenn es um den digitalen Tod geht.

          Angesprochen auf  den deutschen Fall, bei dem Gerichte verfügten, dass die Eltern Zugriff auf die Internet-Aktivitäten ihrer minderjährigen Tochter bekommen nachdem diese gestorben war, warnte er vor Pauschal-Lösungen.

          Es gehe nicht, dass einfach die Tatsache, dass die Tochter noch minderjährig gewesen sei, allein als Grund ausreiche, den Eltern Zugriff zu gewähren. Man müsse bei Streitfällen immer im Einzelfall abwägen.

          Facebook hat vor zehn Jahren eine Regelung eingeführt

          Er selbst hat verfügt, dass seine Freundin Zugriff bekommt, sollte ihm etwas zustoßen, bei Facebook gebe es übrigens schon seit zehn Jahren die Möglichkeit, bei der Anmeldung einen digitalen Erben zu bestimmen.

          Allerdings überlege er jetzt, doch seine Schwester damit zu betrauen, schon allein, um seine Freundin wenigstens in dieser Hinsicht zu entlasten.

          Er selbst sei aber nach wie vor ein sehr optimistischer Mensch, auch wenn er mindestens zehn Mal am Tag das Wort „Tod“ schreibe.

          Ganz abgesehen davon, stirbt man ja auch im Netz nicht. Denn alles bleibt bestehen. Es gebe inzwischen sogar Programme, die versuchen, aus den gesamte Daten, die ein Mensch im Netz hinterlassen habe, eine fiktive Person zu erschaffen, mit der man dann sogar chatten könnte. Das werfe wiederum neue ethische Fragen auf. So könnte man digital ewig weiter leben. Wollen wir das ?     

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