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Björn Ulvaeus im Gespräch : Abba kommt zurück als Hologramm im Stil von 1974

Björn Ulvaeus (M.), einer der beiden Bs in Abba, und der Musik-Manager Frank Briegmann von Universal im Gespräch auf der Me Convention in Stockholm Bild: Boris Schmidt

Klein und unscheinbar sitzt Abba-Björn auf dem Podium - und wird vom Publikum gefeiert. In Stockholm kündigt der Mitgründer der legendären Popgruppe ein Comeback der besonderen Art an.

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          Eine Stunde hatten Björn Ulvaeus, einer der beiden Bs in Abba und Mitglied einer der erfolgreichsten Popgruppen der Welt, und der Musik-Manager Frank Briegmann von Universal über die digitale Revolution und deren Folgen für die Musikindustrie diskutiert, da wurde es plötzlich ganz feierlich. Die letzte Frage aus der Me-Convention-App war nämlich keine, sondern nur ein Dank: „I just want to thank you for your music”,  hieß es. Im Publikum brandete spontan Applaus auf. Eine Reverenz an Abba, aber auch an den kleinen und unscheinbaren Björn da vorne auf der Bühne.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Zuvor hatten Ulvaeus und Briegmann einen Bogen von Waterloo bis Spotify gespannt, und Abba-Björn gab gleich zu Anfang zu, dass sein Erfolg in ein goldenes Zeitalter gefallen sei: „Erst haben wir Platten verkauft, dann Kassetten, und dann CDs.“ Heute sehe das natürlich ganz anders aus. Bis Spotify kam, habe er geglaubt, die Musikindustrie werde sterben. Heute könne man aus mehr als 20 Millionen Titel auswählen. 

          Briegmann lieferte dazu harte Zahlen: 2018 sei der digitale Musik-Umsatz in Deutschland erstmals der gegenständlichen Musik (Platten, CDs) voraus gewesen. Das sei in anderen Ländern schon längst so, nur trage der Deutsche halt gern seine Musik nach Hause. Und ohne Zweifel gebe es auch bei jüngeren Leuten ein Comeback der Vinyl-Platte. Nur würden diese oft gar nicht abgespielt, sondern nur als Schmuck an die Wand gehängt.

          Dass Musik nicht frei sein könne, weil die Künstler bezahlt werden müssen, sei ohne Zweifel. Doch gebe es ein Missverhältnis beim Streaming. Zwar überwögen die gestreamten Videos die Audiostücke um das Fünffache, in Sachen Einnahmen sei es aber genau umgekehrt, so Briegmann.  Beide Diskutanten waren sich einig, dass wirkliche gute Musik immer seinen Weg zum Publikum finden wird, gleich auf welche Art.

          Briegmann und Ulvaeus stimmten Linkin-Park-Sänger Mike Shinoda zu, der zuvor in einem anderen Forum gesagt hatte, dass große, etablierte Musik-Labels wie Universal auch in Zukunft nötig seien. Zwar könne sich heute ein Künstler aus technischer Sicht viel einfacher selbst vermarkten als früher, doch ein Musik-Label biete noch viel mehr als das.  Für die Zukunft erwartet Briegmann, dass das Konsumieren von Musik noch einfacher wird und die Möglichkeiten damit noch größer. „Sie müssen in Zukunft nur noch rufen: Alexa, spiele Waterloo.“

          Aus der Me-Convention-Community kam natürlich auch die Frage nach einem möglichen Abba-Comeback. Doch da musste Björn alle enttäuschen, hatte aber auch einen Trost parat. Es werde kein Comeback geben, bei dem alle vier gemeinsam auf der Bühne stehen. Doch kündigte er für 2019 einen neuen Abba-Song an, der aber ausschließlich von „digitalen Kopien“ - also als Hologramm erzeugte Abba-Doubles - auf Shows und Events performt werde.

          Klar, dass diese künstlich erzeugten Figuren im Look der 1970er erscheinen. Und nicht wie im Jahr 2018.

          Thank you for the music, Björn.

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