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Me Convention in Frankfurt : „Ich setze mir keine Ziele, die ich erreichen kann“

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Lewis Hamilton und Anne-Marie Imafidon auf der Me Convention Bild: Daimler

Zur Eröffnung der Me Convention stellt sich Lewis Hamilton den Fragen der britischen MINT-Überfliegerin Anne-Marie Imafidon – und gibt zu, dass sein Lebensstil nicht unbedingt mit der Rettung des Planeten vereinbar ist.

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          Bevor es los geht, wummert der Beat durch die Frankfurter Festhalle – so laut, dass der eigene Oberkörper vibriert. Die Halle macht an diesem Abend einen auf Club mit sehr, sehr hohen Decken, an zwei Bars gibt es Longdrinks und Bier. Auf der Tanzfläche stehen gut besetzte dunkle Stühle in Reih und Glied. An einer hochgezogenen Wand hinter einer kleinen Bühne hängen neun Meter hohe Monitore in unterschiedlichen Größen, über die grüne, graue und gelbe Dreiecke hüpfen. Dieser Mini-Times-Square blinkt, alles darum ist in schwarze Farbe getaucht. Dazu leuchtet der Countdown: noch vier Minuten.

          Lewis Hamilton wird gleich hier sprechen, im Interview mit der Mathematik- und Informatik-Überfliegerin Anne-Marie Imafidon. Die beiden Briten möchten sich zum Auftakt der Me Convention über die „Road To The Best Version Of You” unterhalten. Lewis Hamilton kennt die Straße, die ihn zur besten Version seiner selbst geführt hat, vermutlich buchstäblich. Zudem wird die dreitägige Veranstaltung (gemeinsam mit den Organisatoren des South-by-Southwest-Festival) von Mercedes-Benz ausgerichtet. Da passt es also, dass der fünfmalige Formel-1-Weltmeister die Konferenz eröffnet, die als „junge“ Ergänzung zur Internationalen Automobilausstellung dient.

          Nachdem der Countdown auf die Sekunde abgelaufen ist und die beiden Marketing-Vertreter der Veranstalter sich im kurzen Schlagabtausch darüber unterhalten haben, worauf sie sich am meisten freuen – auf diesen Rennfahrer – geht es dann wirklich los. Hamilton, den man am Nachmittag noch auf Instagram beim Joggen am Mainufer bestaunen konnte, erscheint in schwarzen Hochglanz-Stiefeln von Dior, mit Glitzerring am Finger und goldener Uhr am Handgelenk. Als erstes entschuldigt er sich dafür, nur ein Wort auf Deutsch sagen zu können („Dankeschön“). Er stünde immerhin seit 2013 bei Mercedes unter Vertrag. Nicht so schlimm, der „Talk“ findet glücklicherweise auf Englisch statt.

          Nach der Formel 1 kommt die Umwelt

          Hamiltons Gesprächspartnerin Imafidon hat ihre Notizen auf einem iPad parat. Die Zuschauer können per Me Convention-App ebenfalls Fragen an ihn senden. Eine erste Frage von einem Freund hat Imafidon: „Wer ist dein Erzfeind?“ Er selbst, antwortet Hamilton, oder vielleicht Alonso, bevor er in den Ruhestand gegangen sei. Nächste Frage: Wie er als Kind herausgefunden habe, in welche Richtung es gehen sollte? Seinem Vater habe er das zu verdanken, der ihn als Kind in ein Go-Cart gesetzt hat und merkte, wie gut seine Hand-Augen-Koordination gewesen sei. Als Hamilton besser wurde, sei sein Vater von möglichen Förderern auch mal ausgelacht worden: „Heute ärgern die sich zu Tode, dass sie uns nicht unterstützt haben.“

          Imafidon fragt den Rennfahrer nach seiner Leidenschaft für Technik. Auch da sei er durch seinen Vater inspiriert worden, gemeinsam hätten sie an Autoteilen geschraubt. Heute sei es wichtig, ein gutes Verhältnis zu seinen Mechanikern zu haben und deren Sprache zu verstehen. Ein anderer technologischer Fortschritt, der ihn interessiert: „Raumfahrt“. Er habe sich wie ein Kind im Süßigkeitenladen gefühlt, als er die Nasa besucht hat. Technik, das sei sein Ding. Auch in der Formel 1: Die Fabriken zu besuchen, in denen die Motoren für seine Fahrzeuge gebaut werden, das mache er gerne. „Leider müssen wir immer noch mit Benzin fahren, aber die Technologie für den Batteriebetrieb wird immer besser.“ Hoffentlich, lenkt er ein, aber nicht mehr zu seiner Zeit, denn er liebe den Geruch von Benzin. „Was natürlich nicht gut ist, weil ich auch die Umwelt schützen will.“

          Seit 2017 lebt Hamilton vegan, auf Instagram veröffentlichte er jüngst Videos, die die Misshandlung von Rindern bei der Schlachtung zeigen. Er wolle die Plattform und seine Reichweite nutzen, um Leute zu informieren, sagt er zu Imafidon, nicht, um sie zu etwas zu zwingen. Natürlich fliege auch er um die Welt, natürlich sei das umweltschädlich, genau wie die Formel 1 an sich. Aber: „Eine gesamte Formel-1-Saison mit allen Autos produziert genau so viel Emissionen wie ein Flug nach Australien“. Wenn er aufhöre mit dem Rennfahren, wolle er sich noch mehr um die Umwelt kümmern.

          „Die Bühne war der Wahnsinn!“

          Weg vom Thema „Planet“, hin zum Thema „Society“: Imafidon, die mit ihrer Initiative Stemettes Mädchen dazu motivieren will, MINT-Berufe zu ergreifen, möchte von Hamilton eine Einschätzung zu Frauen in der Rennfahrer-Branche. „Frauen sind richtig gute Fahrer“, nuschelt Hamilton, wiederholen will er den Satz nicht. Sie würden besser zuhören, erklärt er, vielleicht weil sie Multitasking fähig sind? Das erste Mal gibt es Applaus aus dem Publikum.

          Zeit für die Fragen aus dem Publikum. Die erste: Wer der Hair-Stylist von Imafidon sei, ihre Haare würden so gut aussehen. Imafidion bedankt sich. Als nächstes: Wie Hamilton sich motiviert? „Natürlich habe ich auch schlechte Tage. Aber ich setze mir keine Ziele, die ich erreichen kann. Das funktioniert bei mir nicht. Ich will immer darüber hinausgehen.“ Er wolle am liebsten lernen, wie man ein Raumschiff fliegt. Und mehr Sprachen sprechen, zum Beispiel Französisch, er lebe ja in Monaco. Klavier spielen, das wäre auch was.

          Nach dem Talk setzt der Beat wieder ein, diesmal mit anwesendem DJ. Autogramme gibt es von Hamilton an diesem Abend nicht, gefallen hat es dem Publikum trotzdem: „Die Bühne war der Wahnsinn!“, sagt eine Frau. Sympathisch, intim, nicht aufgesetzt habe es gewirkt, meint eine andere. Zwei junge Männer zeigen sich dagegen ein wenig enttäuscht: „Für eine Eröffnungsrunde war es gut, auch wenn es wenig um Technik und Fortschritt ging. Er hat ziemlich viel über sich geredet.“

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