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Weltumseglerin Laura Dekker : „Wenn man einen Traum hat: Nichts wie ran!“

  • -Aktualisiert am

Laura Dekker bei der Me Convention in Frankfurt Bild: Kai Spanke

Laura Dekker ist die jüngste Weltumseglerin aller Zeiten. In Frankfurt erzählt die junge Frau über das Abenteuer ihres Lebens und ihre Pläne für den nächsten Törn um den Globus.

          2 Min.

          Laura Dekker braucht keine neuen Hits, sie erzählt einfach ihr Best-of. Das hat sich bewährt und ist durchaus beeindruckend. Ihr Vater: Niederländer. Ihre Mutter: Deutsche. Ihr Geburtsort: ein Boot im neuseeländischen Whangarei. Das war 1995. 16 Jahre später, am 20. Januar 2011, ist sie mit einem Zweimaster in See gestochen, um einen Rekord zu verfolgen, den sie nach nur 366 Tagen und 27.000 Seemeilen in der Tasche hatte: Laura Dekker ist die jüngste Weltumseglerin aller Zeiten.

          Schon mit 13 Jahren wollte sie diesen Törn absolvieren, was die Gerichte allerdings untersagten. Ihr Vater, bei dem sie nach der Trennung der Eltern lebte, verlor daraufhin zeitweise die Vormundschaft. Als Laura Dekker im Dezember 2009 dann spurlos verschwand, um wenig später in Sint Maarten wieder aufzutauchen, war der Medienhype perfekt. Aus Angst, die Behörden würden sie in ein Heim stecken, war sie kurzerhand getürmt. All das lässt sich schnell ergoogeln, aber aus dem Mund der Protagonistin klingt es fraglos besser. Der Wermutstropfen: Da sitzen, man merkt es gleich, jedes Wort und jede Betonung. Die Eltern, das Boot, die Strapazen – alles zigfach vor Publikum erzählt, dramaturgisch feingeschliffen und zugespitzt.

          Als Bonus-Material hat die inzwischen dreiundzwanzigjährige Familienmutter eine Fotopräsentation mitgebracht. Zu sehen sind unter anderem die Bootsküche, die Route oder ein Seelöwe, der es sich an Bord bequem gemacht hat. Hier wird abermals deutlich, dass diese Reise kein Kindergeburtstag gewesen ist, sondern ein harter, aber aufregender Kampf. Laura Dekkers Abenteuerdrang, bei dem alles darauf hinausläuft, sich den Elementen auszuliefern, Blut und Wasser zu schwitzen, die Grenzen des Zumutbaren auszuloten, kurz: mit der Welt auf Tuchfühlung zu gehen – dieser Abenteuerdrang ist so etwas wie das Gegenteil des auf der Me Convention allenthalben ausgestellten Corporate-Imperativs für die „cool kids“. Sichtbeton, Industrie-Charme und frei herumliegende Kabel erzeugen ein Silicon-Valley-Flair, das mitunter parodistische Züge annimmt.

          Das in jedem Winkel der Halle zelebrierte Phrasenfest klingt so (wichtig: Kleinschreibung): „start making where others stop talking“, „fuel your thoughts“, „share your knowledge“, „share the love“. Diesem Buzzword-Bingo setzt Laura Dekker solche Sätze entgegen: „Wenn ich abends warmes Duschwasser habe, freue ich mich immer noch, weil ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.“ Oder: „Nach zwei Wochen hat sich die Zeit aufgelöst, und das Leben auf dem Boot wurde simpel, aber nie leicht“. Oder: „Ich wollte keine großen Sponsoren; die hätten sich meinen Traum geschnappt und ein Geschäft daraus gemacht.“

          Ein Zyniker, wer Laura Dekker unterstellt, das Geschäft lieber gleich selber machen zu wollen. Ihr Buch trägt den Titel „Ein Mädchen, ein Traum: Solo um die Welt“. Auch ihr nächstes Abenteuer wird sie um die Welt führen, allerdings nicht solo. Mit einer Gruppe von Jugendlichen möchte sie in spätestens drei Jahren die Ozeane befahren, wobei es nicht darum gehen soll, das Segeln zu lernen, sondern die Herausforderung zu meistern. Die Touren werden, Stopps inklusive, bis zu einem halben Jahr dauern, und niemand, der dabei sein möchte, dürfe sich aufhalten lassen. „Wenn man einen Traum hat“, sagt Laura Dekker, „muss das Motto lauten: Nichts wie ran!“ Zum Schluss rutschen ihr noch ein paar Aphorismen zur Lebenskunst heraus, die gefährlich nah an die Werbesprüche der Veranstaltung heranreichen, etwa: „Ich bin glücklich, weil ich eine positive Einstellung habe.“ Allerdings hört sich das weder geprobt noch schräg an – sondern sympathisch.

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