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Interview mit einem Cyborg : „Ich wurde gehackt und es war gut“

Das ist eine Trans-Spezies-Operation, also das Hinzufügen von Sinnen und Organen, die traditionell nicht-menschlich sind. Es ist das Hinzufügen einer Antenne, die kein menschliches Organ ist und das Hinzufügen einer Wahrnehmung von Infrarot und Ultraviolett – was auch nicht menschlich ist. Und in ähnlicher Weise, wie Trans-Gender-Operationen lange nicht akzeptiert waren, in den Fünfziger-, Sechziger-, Siebziger-, ja sogar zum Teil noch Achtzigerjahren, passiert das jetzt mit Trans-Spezies-Operationen. Solche Operationen sind nicht akzeptiert und ich musste einen Arzt finden, der das anonym machen wollte. Ich fand schließlich einen in Barcelona und er operierte mich an einem Montag; das war immer sein freier Tag. Wir haben einen Raum dafür angemietet und dort hat er mich operiert.

War es eine komplizierte, schwierige Operation? Wie ging sie vonstatten?

Sie hat drei Stunden gedauert, vielleicht sogar ein bisschen mehr. Die Haare wurden an einer Stelle dauerhaft entfernt, die Haut reduziert und die Schädeldecke an vier Stellen aufgebohrt: Zwei für die Antenne, eine für den Chip, der vibriert und eine für die Internetverbindung. Nach der Operation hat es noch zwei Monate gedauert, bis der Schädelknochen und die Antenne sind dauerhaft miteinander verbunden haben. Es ist jetzt richtig in den Knochen integriert, nicht nur ein Implantat zwischen Haut und Knochen.

Und wie viel kostet das?

Der Arzt hat es gratis gemacht. Also seine Arbeit war gratis, aber ich musste natürlich Miete für den Raum bezahlen, für die medizinischen Geräte; ich musste Krankenschwestern anmieten, für den Fall, dass etwas schiefgehen würde und auch das Material bezahlen. Insgesamt war das ein hoher vierstelliger Eurobetrag. Aber ich habe mich auch für sehr hochwertige Materialien entschieden. Es gibt Implantate, die deutlich billiger sind. Das ist wie bei Mobiltelefonen, da variiert der Preis auch hochgradig je nach Modell. Übrigens hatte ich das Geld für die Antenne damals gar nicht auf dem Konto. Ich habe das in Raten abbezahlt. Ich bin nicht reich!

Sie haben eine Organisation gegründet, die die Meinung vertritt, dass alle Menschen, die das möchten, Cyborgs werden dürfen. Was würde es für die Arbeitswelt bedeuten, wenn sich bald viele Menschen in der einen oder anderen Weise selbst mit technischen Implantaten optimieren würden? Und für welche Jobs könnte das etwas bringen?

Ich weiß nicht. Ich glaube, das Ganze ist gar nicht auf die Arbeitswelt fokussiert. Es ist fokussiert auf das Leben; es gibt einem eine tiefgründigere Lebenserfahrung. Ein neuer Sinn gibt Ihnen ja keine zusätzliche Intelligenz, zusätzliches Wissen oder zusätzliche Fähigkeiten. Es hängt ja immer vom Einzelnen ab, ob er so entwickelt wird, dass daraus neues Wissen entsteht. Es ist nicht künstliche Intelligenz, es ist ein künstlicher Sinn. Das Gehirn muss da erst einmal Wissen draus ableiten. Und das hängt stark von jeder Einzelperson ab. Wir haben alle die gleichen Sinne und benutzen sie alle ganz unterschiedlich.

Aber in einem kreativen Beruf könnte es doch Vorteile haben, einen zusätzlichen Sinn zu haben. Es könnte einen wettbewerbsfähiger machen, gegenüber Nicht-Cyborgs. Würde das den Chefs nicht gefallen?

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