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Gefahren im Netz : „Nacktfotos trägt man auch nicht ausgedruckt in der Hosentasche herum“

  • -Aktualisiert am

Frank Ahearn, der Experte für das spurlose Verschwinden, auf der Me Convention in Frankfurt Bild: FAZ.NET/Kim Maurus

Wer ernsthaft abtauchen will, kann Frank Ahearn damit beauftragen. Der Privatdetektiv, der jeden finden oder verschwinden lassen kann, spricht auf der Me Convention über seine moralischen Grenzen.

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          Frank Ahearn ist berühmt dafür, dass er Monica Lewinsky für eine britische Boulevardzeitung aufspürte – ohne selbst zu wissen, wer sie war. Heute verwischt er menschliche Spuren lieber. Was sich erstmal nach Krimi anhört, ist für manche seiner Kunden die einzige Möglichkeit, ungeschoren davon zu kommen, wenn es um Erpressung, Gewalt oder viel Geld geht. Verträge macht der Detektiv mit seinen Kunden nicht, denn vorab festlegen kann er seine Dienste nur schwer. Wer sich an ihn wendet, braucht ein prall gefülltes Portemonnaie.

          Kim Maurus
          Volontärin.

          Wie reagieren Menschen, wenn Sie Ihnen erzählen, was ihr Job ist?

          Wenn ich unterwegs bin, erzähle ich nicht, was ich mache. Ich sage, ich bin ein Fassadenmaler. Dann ist das Thema schnell beendet.

          Sie lügen also?

          Wissen Sie, was passiert, wenn ich erzähle, dass ich Leute verschwinden lasse? Das ganze Gespräch dreht sich dann nur noch darum. Vor zwanzig Jahren war ich mal in einer Bar und habe über meinen Job geredet, eine Geschichte erzählt. Und die Frau sagt: „Das hört sich an wie Bobby!“. Die Leute, mit denen ich unterwegs war, kannten meinen Kunden tatsächlich. Dann habe ich begriffen, dass ich vorsichtiger sein muss.

          Zu Beginn ihre Karriere haben Sie viel für Boulevardzeitungen gearbeitet, und in deren Auftrag unter anderem Monica Lewinsky gefunden. Wieso haben Sie damit aufgehört?

          Erstmal: Ich bereue es sehr, dass ich das mit Lewinsky mal erzählt habe, immer werde ich darauf angesprochen. Erst als ihr Gesicht überall im Fernsehen war, habe ich gesehen, in welchem Zusammenhang ich da gearbeitet habe. Aber ja, ich habe das damals viel gemacht, mit Prominenten. Irgendwann habe ich es gehasst. Der Star wollte beispielsweise, dass ich Magic Johnsons Telefonnummer rausbekomme, nach dem er öffentlich bekannt gemacht hatte, dass er HIV-positiv ist. Die haben mir eine Menge Geld angeboten, aber ich habe abgelehnt. Es ist ja nicht so, dass er seine Frau betrogen hatte. Er war krank.

          Wie ist Ihr moralischer Kompass da genau ausgerichtet, wenn Sie solche Jobangebote bekommen?

          Das ist sehr dehnbar. Wenn jemand eine besondere Art der Hilfe braucht, um etwas Positives zu machen, gehe ich auch mal weiter. Aber ich würde das niemals überreizen, um Geld zu machen oder jemandem weh zu tun. Was ich wirklich nicht mehr mache, ist Social Engineering, also Leute manipulieren, um an Informationen zu gelangen, die mich zu meiner Beute führen. Da bin ich sehr gut drin. Man fühlt sich dabei high, wie auf der Jagd, steht vollkommen unter Adrenalin.

          Jetzt versuchen Sie diese Menschen, diese „Beute“ wie Sie sagen, zu verstecken.

          Das ist etwas ganz anderes. Da braucht man viel Recherche. Manchmal ist das eine geographische Aufgabe, wenn ich meine Kunden von einem zum anderen Ort schaffen muss –für immer und ohne Spuren. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich lieber Leute finden. Ich liebe das, man ruft jemanden an, gibt sich als Pat Brown oder sonst wen aus und kommt so schnell an Informationen. Das macht Spaß!

          Was mögen Sie heute an Ihrem Job am liebsten?

          Ich mache viel für Leute, die erpresst werden, weil Sie blöde Fehler gemacht haben. Wenn ich da helfen kann, dass sie nicht unfreiwillig entlarvt werden, stellt mich das zufrieden. Ich arbeite auch viel mit Frauen, die auf Trickbetrüger reinfallen und helfe ihnen, ihr Geld wiederzubekommen und Beweise zu sammeln.

          Wie teuer ist es für Ihre Kunden, auf der Bildfläche zu verschwinden?

          Das kommt darauf an, wie viel Vermögen jemand hat und wie sehr er in der Öffentlichkeit steht. Fragt mich jemand, wie viel es kostet, wenn man an einen anderen Ort ziehen möchte, antworte ich immer: mindestens ein paar Tausend Dollar.

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