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Digitalisierte Arbeitswelt : Wenn der Ingenieur seine Pläne in der Badewanne entwickelt

Schon heute sind viele Softwareentwickler als selbständige Unternehmer unterwegs, die sich ihre Aufträge auf Plattformen im Internet aussuchen. Die Cloud-Technologie hat diese Entwicklung beschleunigt. Durch die ausgelagerten Daten hat wiederum die Entkopplung der Arbeitsleistung vom Arbeitsort einen Schub erhalten. Die Basis der Zusammenarbeit ist nicht mehr der Arbeitsvertrag, sondern der Dienst- oder Werkvertrag. Geschuldet wird also nicht mehr die bloße Bereitstellung von Arbeitskraft, sondern ein konkretes Ergebnis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Wie das erreicht wird, ist dem Auftraggeber egal. Das heißt, der Ingenieur kann seine Pläne abends in der Badewanne oder morgens im Café entwickeln – er muss es nur tun.

Führung in der Arbeitswelt muss neu durchdacht werden

Die Gewerkschaften ruft das auf den Plan. Schließlich geht das unternehmerische Risiko durch solche Vereinbarungen auf den Mitarbeiter über. Schafft er die Leistung nicht innerhalb der verabredeten Frist, können Gehaltseinbußen oder Sanktionen drohen. Außerdem laufen Beschäftigte Gefahr, sich zu viel aufzubürden. Noch größer ist die Sorge der Arbeitnehmerlobbyisten allerdings davor, dass die Digitalisierung ein Heer von freischaffenden Clickworkern entstehen lässt, die für Cent-Beträge stupide Tätigkeiten online ausführen. In Amerika gibt es solche Ansätze, in Deutschland bislang kaum.

Dennoch ergeben sich durch die Digitalisierung eine Menge neuer Fragen: Wie lässt sich Arbeitszeit noch messen, wenn Mitarbeiter ihre Tätigkeit zunehmend mobil erledigen? Gilt das Lesen einer dienstlichen E-Mail am Abend schon als Arbeitszeit, und müssen danach die gesetzlich vorgeschriebenen elf Stunden Ruhezeit eingehalten werden? Grundlegende Begriffe aus dem Arbeitsrecht gehören auf den Prüfstand: Was ist ein Betrieb, wie definiert sich ein Arbeitnehmer?

Schließlich muss auch Führung in der digitalen Arbeitswelt neu gedacht werden. Wenn Mitarbeiter dank moderner Technik zeit- und ortsunabhängig arbeiten, müssen deren Vorgesetzte ihre Aufsichts- und Fürsorgepflicht anders ausüben. Wie bekommt der Chef von psychischen Problemen seines Mitarbeiters mit, wenn er ihm nicht mehr jeden Tag am Schreibtisch gegenübersitzt, sondern nur noch zweimal in der Woche per Skype für zehn Minuten zugeschaltet ist? Und wem vertraut der Projektleiter bei einer kniffligen Entscheidung im Zweifel mehr: dem Bauchgefühl des erfahrenen und langjährigen Mitarbeiters oder der Empfehlung eines Algorithmus, der in Bruchteilen von Sekunden riesige Datenmengen ausgewertet und daraus Empfehlungen abgeleitet hat? Dank der Fortschritte auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz kann die Software bei der Analyse von Big Data zunehmend aus ihren Fehlern lernen. Damit bekommt in Zukunft auch der Chef digitale Konkurrenz.

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