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Mayers Weltwirtschaft : Wir brauchen besseres Geld

  • -Aktualisiert am

Thomas Mayer Bild: Thilo Rothacker

Die Debatte um das Bargeld bietet eine Chance: Sie könnte einen Wettbewerb von Währungen anstoßen.

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          Es wurde in der vergangenen Woche berichtet, dass das Bundesfinanzministerium die Zahlungen mit Bargeld gerne einschränken würde. Im Gespräch ist eine Obergrenze von 5000 Euro. Damit würde der Euro vom „gesetzlichen“ zum „beschränkten gesetzlichen“ Zahlungsmittel. Höhere Beträge könnten dann nur noch mit privat geschaffenen Mitteln bezahlt werden. Das hört sich schlimm an. Aber könnte es dadurch nicht zum Wettbewerb ums bessere Geld kommen?

          Auf der Internetseite der Bundesbank findet man die folgende Definition: „Als gesetzliches Zahlungsmittel bezeichnet man das Zahlungsmittel, das niemand zur Erfüllung einer Geldforderung ablehnen kann, ohne rechtliche Nachteile zu erleiden. Im Euroraum ist Euro-Bargeld das gesetzliche Zahlungsmittel; nur die Zentralbanken des Eurosystems dürfen es in Umlauf bringen. In Deutschland sind auf Euro lautende Banknoten das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Euro-Münzen sind beschränkte gesetzliche Zahlungsmittel, da niemand verpflichtet ist, mehr als 50 Münzen oder Münzen im Wert von über 200 Euro anzunehmen.“

          In der Finanzkrise war Bargeld Trumpf

          Bankeinlagen sind keine gesetzlichen Zahlungsmittel. Sie werden von den Banken durch die Vergabe von Krediten als privates Schuldgeld geschaffen. Sie sind also von den Banken ausgestellte Schuldscheine. Dafür gibt es keinen Annahmezwang. Kommen die Banken unter Druck, ist es fraglich, ob die Begleichung einer Geldforderung durch Überweisung auf ein Bankkonto zufriedenstellt. In der Finanzkrise oder jüngst in Griechenland waren „Bankschuldscheine“ unbeliebt. Bargeld war Trumpf. Würde nun auch noch Bargeld zum „beschränkten gesetzlichen Zahlungsmittel“, könnte man nicht mehr davon ausgehen, dass Geldforderungen immer mit dem zur Verfügung stehenden Geld „ohne rechtliche Nachteile“ beglichen werden könnten. Das Geld wäre nicht mehr voll funktionsfähig.

          Hinzu kommt, dass es für privates Schuldgeld in Form von Bankeinlagen nicht nur keinen Annahmezwang geben kann, es ist auch nur in begrenztem Umfang sicher in gesetzliches Zahlungsmittel eintauschbar. Seit wir die Bankenunion haben, wird von den Eurostaaten der Umtausch des privaten Schuldgelds in gesetzliches Zahlungsmittel nur noch bis zu einem Betrag von 100000 Euro garantiert. Darüber hinausgehende Beträge werden zur Deckung von Verlusten der Banken herangezogen. Kommt die Beschränkung bei Barzahlungen, bestünde unser Geld aus beschränktem gesetzlichen Zahlungsmittel und beschränkt sicherem privaten Schuldgeld. Schließlich wird der Punkt kommen, an dem die Banken den Negativzins der Europäischen Zentralbank an ihre Kunden weitergeben müssen. Diese müssten dann für das Schuldgeld auch noch eine Benutzungsgebühr zahlen. Da die EZB die Kaufkraft dieses Geldes auch noch durch Inflation mit aller Kraft schwächen will, würde es zu einem äußerst unattraktiven Mittel zum Tausch und zur Wertaufbewahrung.

          Bitcoin als Alternative

          Die Politik will den Bürger überwachen und ihm das Geld madig machen, um ihn dazu zu bringen, es zur Ankurbelung der Wirtschaft in Güter zu tauschen. Was aber, wenn der Bürger lieber Alternativen zu dem madigen Geld will? In einer freien Marktwirtschaft könnten private Anbieter den Wunsch nach einer Alternative mit „Aktivgeld“ erfüllen. Dafür braucht es keine Begrenzungen der Annahme und der Ausfallsicherheit oder einen systematischen Kaufkraftzerfall. Aktivgeld würde nicht wie unser heutiges Giralgeld als in gesetzlichem Zahlungsmittel denominierte Schuldscheine, sondern als materielles oder immaterielles Tauschmittel erzeugt. Als materielles Aktivgeld könnte man sich Goldmünzen oder durch Gold vollständig gedecktes Papier- oder Giralgeld vorstellen. Immaterielles Aktivgeld könnte als zentral oder dezentral erzeugtes Kryptogeld (wie Bitcoin) auftreten. Kein Anbieter hätte ein Interesse daran, die Nutzung einzuschränken, kostenpflichtig zu machen oder die Kaufkraft zu schwächen. Für den Nutzer wäre leichte Deflation des Aktivgelds von Vorteil, bekäme er doch schon für die einfache Geldersparnis eine kleine Verzinsung. Da Aktivgeld allein für die Bedürfnisse der Nutzer hergestellt würde, könnte damit keine Geldpolitik mehr gemacht werden. Das würden unsere Geldpolitiker bestimmt bedauern. Doch den Bürger dürfte es freuen.

          Aber wir leben in einer staatlich gelenkten Marktwirtschaft. Für die staatlichen Lenker ist die Idee der Konkurrenz verschiedener Mittel zum Tausch und zur Wertaufbewahrung reine Utopie, an die sie nicht glauben. Doch manchmal werden auch Utopien wahr, wenn Anspruch und Wirklichkeit weit auseinanderklaffen. Im Falle unseres Geldsystems weitet sich der Spalt zügig aus.

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