https://www.faz.net/-gqe-7lg52

Mayers Weltwirtschaft : Währungswettstreit

  • Aktualisiert am

Thomas Mayer Bild: Thilo Rothacker

Wenn die Staaten nicht mit Geld umgehen können, drucken wir es uns eben selbst.

          Im Jahr 1976 veröffentlichte Friedrich August von Hayek einen Aufsatz, der bis heute bei seinen Unterstützern und Gegnern ein Stirnrunzeln auslöst. Hayek plädierte darin für die Privatisierung des Geldes. Banken sollten eigenes Geld mit dem Versprechen emittieren, dessen Kaufkraft gegenüber einem Korb von Rohstoffen stabil zu halten. Am Markt würde sich dann im Wettbewerb dasjenige Geld durchsetzen, das langfristig am wertstabilsten sein würde. Hayeks Vorschlag entsprang einer Zeit, in der den nach dem Ende des Bretton-Woods-Systems vom Gold gelösten Währungen der großen Industrieländer wegen hoher Inflation die Schwindsucht drohte. Kritik an Hayeks Vorschlag kam sowohl von den Anhängern des Goldstandards als auch von den Befürwortern staatlichen Schuldgelds.

          Beiden Seiten missfiel die Vorstellung, dass mehrere Währungen nebeneinander im Umlauf sein sollten. Für die Anhänger des staatlichen Schuldgelds stellten konkurrierende private Währungen eine Herausforderung der historischen Vormachtstellung des Staates bei der Geldemission und einen nicht hinnehmbaren Ausfall des damit verbundenen Gewinns dar. Die Anhänger des Goldstandards glaubten, dass die Nutzer derart emittiertem privatem Geld nicht trauen würden. Nach Ludwig von Mises entsteht Vertrauen in Geld als Tauschmittel aus seiner vorangegangenen Funktion als Gebrauchsgegenstand. Gold wird also zu Geld, weil es zuvor einen Gebrauchswert als Schmuck hatte. Da das Geld privater Banken aus dem Nichts käme, würde es schwerlich als Mittel für den Tausch und zur Wertaufbewahrung akzeptiert werden. Es wurde also schnell wieder still um Hayeks Vorschlag.

          Vor Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung erlebte die Idee dann eine kurze Renaissance. Man konnte sich vorstellen, dass in einem einheitlichen Markt nationale Währungen gleichberechtigt miteinander und mit einer zu schaffenden Gemeinschaftswährung konkurrieren könnten. In einem letzten Versuch, eine europäische Einheitswährung zu verhindern, schlug die britische Regierung Anfang der neunziger Jahre vor, eine europäische Gemeinschaftswährung parallel zu den nationalen Währungen einzuführen. Das verlief im Sande.

          Im Verlauf der Euro-Krise erinnerte man sich dann wieder an die Idee einer Gemeinschaftswährung, die parallel zu nationalen Währungen existieren könnte. Doch das Versprechen der Europäischen Zentralbank, alles zu tun, um den Euro zu bewahren, entzog der Debatte über eine parallele Gemeinschaftswährung schnell die Basis.

          Es wäre jedoch verfrüht, Hayeks Idee nun endgültig zu den Akten zu legen. Mit ihrer Politik der Nullzinsen und der gewaltigen Bilanzausweitung verfolgen die Zentralbanken der großen Industrieländer einen Kurs zur Stimulierung des Wachstums, von dem niemand weiß, ob er nicht die Geldwertstabilität gefährdet. Sollte es dazu kommen, könnte die Debatte über Alternativen zum staatlichen Einheitsgeld erneut aufflammen.

          Wie wäre es mit einer Alternativwährung?

          Die gerade entstehenden Internetwährungen könnten echte Alternativen zum staatlichen Einheitsgeld darstellen. Mit der zunehmenden kommerziellen Bedeutung des Internets werden elektronische Zahlungsmittel immer wichtiger. Wie das Beispiel Bitcoin (das elektronisch „geschürft“ wird) zeigt, haben private Anbieter hier die Nase vorne. Im Hayek’schen Währungswettbewerb dürften sich längerfristig jedoch nur diejenigen Anbieter durchsetzen, denen es gelingt, die Kaufkraft ihrer Währungen stabil zu halten. Schwankungen der Kaufkraft, wie sie jüngst bei Bitcoin zu sehen waren, ziehen dagegen Spekulanten an und schrecken ernsthafte Nutzer ab. Haben sich wertstabile elektronische Währungen im Markt als vertrauenswürdige Transaktions- und Wertaufbewahrungsmittel etabliert, entsteht den Staatswährungen Konkurrenz.

          Natürlich könnten Regierungen versuchen, ihr Währungsmonopol, das ihnen die Verschuldung enorm erleichtert, durch Verbot der privaten Konkurrenz zu erhalten. Doch würden diese Regierungen ihre Bürger und die Wirtschaft vom elektronischen Handel und Kapitalverkehr abkoppeln. Die damit verbundenen wirtschaftlichen Einbußen würden die Wähler wahrscheinlich mit Stimmentzug bestrafen. Die Ausgabe von Geld ist eines der wenigen verbliebenen staatlichen Monopole. Mit der Ausweitung der Aufgaben der staatlichen Zentralbanken hat die Möglichkeit des Missbrauchs dieses Monopols zu politischen Zwecken zugenommen. Dies und die zunehmende Bedeutung elektronischer Zahlungen verleiht Hayeks Idee des Währungswettbewerbs privater Anbieter neue Aktualität.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Fridays for Future“-Demonstration vom vergangenen Freitag in Berlin

          „Fridays for Future“ : Glaube an die eigene Macht

          Eine Studie zeigt, wie die Demonstranten der „Fridays for Future“-Proteste ticken. Was ihre Motive sind, welchen sozialen Hintergrund sie haben – und für welche Parteien sie stimmen würden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.