https://www.faz.net/-gqe-90oi6

Mayers Weltwirtschaft : Vorsicht bei Indexfonds!

  • Aktualisiert am

Thomas Mayer Bild: Thilo Rothacker

Indexfonds (ETF) werden unter Anlegern immer beliebter. Dabei sind diese Produkte gar nicht so günstig, wie immer behauptet wird.

          3 Min.

          Es hat ziemlich lange gedauert, aber nun ist der Durchbruch geschafft: Die Anleger schichten ihr Vermögen scharenweise in Indexfonds um, darunter vor allem in die börsengehandelten Exchange Traded Funds. Dies hat in der Fondsbranche eine hitzige Debatte über die Konsequenzen ausgelöst.

          Die Befürworter „passiven Anlegens“ führen ein empirisches und ein theoretisches Argument ins Feld. Sie weisen darauf hin, dass aktiv gemanagte Investmentfonds im Schnitt nach Gebühren in der Vergangenheit nicht besser abgeschnitten haben als passive Fonds. Da es für den Laien so gut wie unmöglich ist, immer in Anteile der besten aktiven Fonds zu wechseln, dagegen aber die Gefahr groß ist, auf den schlechten sitzen zu bleiben, sollte er in passive Fonds investieren. Die Möglichkeit, auf aktives Fondsmanagement zu verzichten, wird mit den in der modernen Finanztheorie entwickelten Theorien der effizienten Märkte und der Portfoliooptimierung erklärt. Wenn sich alle Marktteilnehmer in dem Sinne rational verhalten, dass sie in Kenntnis aller verfügbaren Informationen und ökonomischen Zusammenhänge ihre Entscheidungen treffen, dann verändern sich die Marktpreise nur noch aufgrund nicht vorhersagbarer, zufälliger Ereignisse. Eine Marktpreisprognose ist unmöglich. Wenn nun alle Anleger die Preisschwankungen ihrer Anlagen minimieren und sie die Wahl zwischen einer risikolosen (im Preis stabilen) und riskanten (im Preis schwankenden) Anlage haben, dann können sie sich ein für ihren Risikoappetit passendes Portfolio schneidern, indem sie das gesamte Marktportfolio riskanter Anlagen mit der risikolosen Anlage kombinieren.

          Die Kritiker des „passiven Anlegens“ führen dagegen an, dass die Marktteilnehmer alles andere als super-rational sind und es die „risikolose Anlage“ und das „gesamte Marktportfolio“ überhaupt nicht gibt. Wie die wiederkehrenden Finanzblasen zeigen, könne sich sogar die Gesamtheit der Anleger irren, von den Experten in den Zentralbanken und Regulierungsbehörden ganz zu schweigen. Viele empirische Analysen des Anlegerverhaltens stützen diese These. Wenn aber die Erklärung des Erfolgs der Indexfonds nicht auf die moderne Finanztheorie zurückgeführt werden kann, dann bleibt als Erklärung nur, dass die passiven Anleger von den Kenntnissen der aktiven profitieren. Angesichts der Überbesetzung des Finanzsektors mit Analysten und aktiven Portfoliomanagern, die für eine halbwegs angemessene Preisbildung sorgen, fährt man mit Indexfonds einfach auf dem Trittbrett mit. Dagegen ist nichts zu sagen, außer, dass das Trittbrettfahren zu Ende geht, wenn die Aktiven schließlich aufgeben, weil ihre Dienste nicht mehr bezahlt werden. Dann wird aber die Preisbildung so schlampig, dass sich aktives Anlegen wieder lohnt. Beispielsweise würde das Management von Unternehmen machen können, was es will, wenn aktive Anleger als Vertreter der Eigentümer ihm nicht mehr auf die Finger schauen. Die damit einhergehende Verschwendung könnte dann neue aktive Anleger animieren einzusteigen, um den Unternehmenswert zu steigern.

          Auch führen die Kritiker an, dass es passives Anlegen im Sinn des Wortes nicht geben kann. Schließlich muss der Anleger seine Ersparnisse aktiv aus der Bankeinlage holen. Sobald er nach Alternativen sucht, wird er mit einem Wirrwarr von Indexfonds (ETF) konfrontiert, das er ohne Studium oder Beratung nicht durchdringen kann. Die Informations- und Beratungskosten müssen dann den Fondskosten zugeschlagen werden. Vor einiger Zeit haben wir in einer Studie gezeigt, dass für einen ETF auf den MSCI World Index in der Regel mit einem Minderertrag gegenüber dem Index um die 0,3 Prozent pro Jahr gerechnet werden muss, der durch die Kosten des Fondsanbieters entsteht. Doch entstehen für den Anleger auch Kosten für den Kauf und Verkauf der ETF-Anteile, die (bei einem Anlagehorizont von fünf Jahren) 0,3 Prozent pro Jahr betragen. Die tatsächlichen Kosten belaufen sich dann auf 0,6 Prozent pro Jahr. Kommen Gebühren für die Vermögensberatung von nochmals 1 Prozent pro Jahr dazu, ergibt sich eine echte Gesamtkostenbelastung von 1,6 Prozent pro Jahr, die mit jeder weiteren Handelsaktivität steigt. Leider scheinen insbesondere ETF die Anleger zu hyperaktivem Handeln zu verführen (wie hier am 18. Juni erklärt). Höhere Kosten und schlechtes Market Timing führen dann für viele Anleger zu einer erheblichen Renditeeinbuße.

          Mir scheint, dass es am Ende wohl zu einer Konvergenz der Renditen nach Kosten kommen wird. Die Vorkostenrendite der ETF dürfte sinken, da Trittbrettfahren weniger bringt, wenn es zu viele machen, und die Nachkostenrendite der aktiven Fonds dürfte steigen, weil sie von der passiven Konkurrenz zu Gebührensenkungen gezwungen werden.

          Weitere Themen

          Türkei treibt Syrien-Offensive voran Video-Seite öffnen

          70.000 Menschen auf der Flucht : Türkei treibt Syrien-Offensive voran

          Die türkischen Angriffe im Norden Syriens reißen nicht ab. Besonders betroffen sind die Städte Ras al Ain und Tel Abjad, die mit Artillerie und Kampfjets unter Beschuss genommen werden. Laut UN-Welternährungsprogramm sind schon über 70.000 Menschen von hier geflohen.

          Topmeldungen

          Die Demokratin Nancy Pelosi gerät im Weißen Haus mit Präsident Donald Trump aneinander.

          Trump gegen Pelosi : Da oben ist was nicht in Ordnung

          Syrien, Ukraine – und die eigene Partei: Donald Trump kämpft an mehreren Fronten. Das geht an die Substanz des amerikanischen Präsidenten. Das zeigt auch der heftige Streit mit Nancy Pelosi. Unterdessen verschärft sich die Konfrontation mit dem Kongress.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.