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Mayers Weltwirtschaft : Trump und die Folgen

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Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke. Bild: Thilo Rothacker

Macht Donald Trump mit seiner Politik ernst, wird Amerikas Wirtschaft zunächst profitieren. Aber dann drohen herbe Rückschläge.

          Donald Trump hat während seines Wahlkampfs keine umfassende wirtschaftspolitische Strategie vorgestellt, aber er hat ein paar Vorstellungen geäußert. So will er zum Beispiel das nordatlantische Freihandelsabkommen (Nafta) kündigen, die Einkommens- und Unternehmenssteuern senken und die öffentlichen Ausgaben für Infrastrukturinvestitionen erhöhen. Vermutlich denkt er dabei nicht nur an die Mauer zur Versiegelung der Grenze zu Mexiko. Als Präsident kann er über Nafta allein entscheiden, aber für seine Pläne zur Senkung von Steuern und Erhöhung von Staatsausgaben braucht er den Kongress. Dort haben nach den Wahlen seine republikanischen Parteifreunde sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat die Mehrheit. Nicht alle Republikaner stehen hinter Trump. Schließlich wurde er gegen den Willen vieler seiner Parteifreunde zum Präsidentschaftskandidaten gekürt. Aber republikanische Politiker hatten seit jeher ein offenes Ohr für Steuersenkung und würden sich wohl höheren Investitionen in die Infrastruktur nicht widersetzen, wenn die der Preis für niedrigere Steuern wären. Wie könnte sich eine Politik der „Trumponomics“ auswirken?

          Niedrigere Steuern und höhere Staatsausgaben würden die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stärken. Wenn die Gesetze in der ersten Hälfte des nächsten Jahres umgesetzt werden, könnte sich dies schon im Lauf von 2017 positiv auswirken. Die expansivere Fiskalpolitik dürfte die Federal Reserve in ihren Plänen für weitere Zinserhöhungen bestärken. Die kurzfristigen Zinsen könnten folglich schneller und deutlicher steigen als bisher angenommen. Insgesamt könnte sich so ein „Policymix“ ergeben, der an die frühen Jahre der Präsidentschaft Ronald Reagans erinnert, wenn auch das Ausmaß der fiskalpolitischen Expansion und geldpolitischen Straffung viel geringer sein würde.

          Aufgrund der höheren Budgetdefizite und steigenden Staatsverschuldung dürften die langfristigen Zinsen stärker als die kurzfristigen steigen. Es könnte also zu einer steileren Zinskurve bei insgesamt höheren Zinsen kommen. Wie bei Reagan in den frühen achtziger Jahren wäre ein stärkerer Wechselkurs des Dollar die Folge. Der Auftrieb des Dollars würde kurzfristig sogar noch durch handelsprotektionistische Maßnahmen gestärkt. Denn da eine steigende heimische Nachfrage höhere Importe erzwingen würde, müsste ein höherer Wechselkurs Importbeschränkungen neutralisieren.

          Das Wirtschaftswachstum würde von der expansiven Fiskalpolitik zunächst profitieren. Doch sobald der positive fiskalische Impuls auszuklingen beginnt, würden sich die bremsenden Wirkungen höherer Zinsen und eines stärkeren Wechselkurses des Dollar bemerkbar machen. Außerdem könnten Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder für Importbeschränkungen die amerikanischen Exporte weiter dämpfen. Nach anfänglicher Belebung könnte die Wirtschaft in die Rezession abstürzen, es sei denn die Steuersenkungen würden anhaltende Wachstumskräfte auf der Angebotsseite frei setzen. Dadurch könnten die dämpfenden Wirkungen höherer Zinsen, eines stärkeren Wechselkurses und von Handelsbeschränkungen vielleicht neutralisiert werden. Mit rezessiven Tendenzen wäre jedoch frühestens nach dem Auslaufen des positiven Fiskalimpulses im Verlauf des übernächsten Jahres zu rechnen.

          Der Rest der Welt befindet sich wirtschaftlich nicht in der besten Verfassung. In Europa und Japan dümpelt das Wachstum vor sich hin, und China kämpft gegen die Abkühlung der Wirtschaft an. Die meisten Entwicklungsländer hängen an der Entwicklung der Rohstoffpreise. Zunächst würde der Rest der Welt folglich von einer Beschleunigung des amerikanischen Wachstums profitieren. Außerhalb der Vereinigten Staaten würden die Zinsen nicht steigen und die Währungen schwächer werden. Das Blatt würde sich jedoch wenden, wenn der amerikanische Aufschwung in einen Abschwung überginge. Die Widerstandskräfte sind in den meisten Ländern zu gering, um mit einer Rezession in Amerika fertig zu werden. Außerdem wurde der Spielraum für die Wirtschaftspolitik durch den Kampf gegen die Folgen der Finanzkrise ausgeschöpft, so dass von dieser Seite keine Unterstützung zu erwarten wäre. Eine Rezession in Amerika würde sich folglich zu einer Weltrezession ausweiten.

          Trump sah in seinem Wahlkampf eine Stärke darin, nicht berechenbar zu sein. Deshalb ist schwer zu beurteilen, wie ernst er seine dort gegebenen Versprechungen nimmt. Sicherlich wird er einige seiner populistischen Ankündigungen zu mehr Protektionismus umsetzen müssen. Andererseits ist er auch Geschäftsmann, der eine Unternehmung zum Erfolg bringen will. Folglich wird er nicht so weit gehen wollen, dass er mit der Umsetzung seiner Wahlversprechen seine Präsidentschaft zum Misserfolg verdammt.

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