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Mayers Weltwirtschaft : Gefahr aus Amerika

  • -Aktualisiert am

Bild: Thilo Rothacker

Die Geld- und Fiskalpolitik der Vereinigten Staaten droht das weltweite Wirtschaftswachstum zu bremsen.

          Die finanzielle Kernschmelze infolge eines Zahlungsausfalls bei amerikanischen Staatsanleihen ist ausgeblieben – zumindest in der vergangenen Woche. Aber die von der Fiskal- und Geldpolitik Amerikas ausgehenden Risiken für das globale Finanzsystem bestehen weiter. Darunter leidet die Fähigkeit des Finanzsystems, die Realwirtschaft effektiv zu unterstützen. Die Folge davon ist ein niedrigeres Wachstum der Weltwirtschaft.

          Die Währung und die Anleihen des amerikanischen Staates sind das Blut im Körper des globalen Finanzsystems. Zentralbanken, Geschäftsbanken, Unternehmen und Haushalte halten ihre Reserven an internationalen Zahlungsmitteln vorwiegend in Dollar. Amerikanische Staatspapiere dienen nicht nur Anlegern auf der ganzen Welt als sicherer Hafen, sondern spielen auch eine zentrale Rolle als Sicherheiten im internationalen Bankgeschäft. Werden die Stabilität des Dollar und die Sicherheit amerikanischer Staatspapiere in Frage gestellt, kommt dies einer Erkrankung des globalen Finanzsystems an Leukämie gleich. Gegenwärtig verbreiten sowohl die amerikanische Fiskal- als auch die Geldpolitik Krankheitserreger. Die von der Demokratischen und der Republikanischen Partei in den letzten Jahren vorangetriebene politische Polarisierung hat zur Schwindsucht der Mitte geführt. Das traurige Ergebnis ist das Feilschen um die Begrenzung der Neuverschuldung am Rande des Staatsbankrotts. Auch wenn dieser immer wieder in letzter Sekunde vermieden werden kann, so können wiederholt von Zahlungsausfall bedrohte Staatspapiere dem globalen Finanzsystem kaum dauerhaft als sichere Anlagen und Sicherheiten bei Kreditgeschäften dienen. Mangelnde Sicherheit macht aber höhere Sicherheitspolster notwendig und schränkt die Möglichkeit zur Kreditvergabe ein. Weniger Kredit bedeutet aber weniger Investitionen und weniger Wachstum weltweit.

          Die Fed setzt die lockere Geldpolitik fort, obwohl der Erfolg ausbleibt

          Nach der Pleite von Lehman Brothers hat sich die Federal Reserve einem Einbruch des Kreditvolumens und der Geldmenge, wie sie in der Bankenkrise während der Depression der dreißiger Jahre zu beobachten war, energisch entgegengestellt. Dies hat verhindert, dass die Rezession zur Depression wurde. In den Folgejahren hat die Fed dann jedoch weiter Liquidität in die Wirtschaft gepumpt, um eine schnelle Rückkehr zur Vollbeschäftigung zu erzwingen. Obwohl der Erfolg ausblieb, wurde diese Politik fortgesetzt und hat die Preise für Vermögenswerte auf allen Märkten der Welt stark verzerrt.

          Eine Abkehr von dieser Politik ist nun nur noch unter Schmerzen möglich, wie sie ein Drogensüchtiger beim Entzug erleidet. Bei seiner jüngsten Sitzung ist der Zentralbankrat der Fed vom Einstieg in den Ausstieg aus der Politik des leichten Geldes deshalb in letzter Sekunde zurückgeschreckt. Das Gezerre um die Schuldengrenze und die Wahl von Janet Yellen, einer Protagonistin dieser Politik, zur neuen Chefin der Fed ab März nächsten Jahres dürften den Ausstieg weiter hinausschieben.

          Der Vertrauensverlust wird mit der Zeit tiefer

          Letztendlich wäre es wohl leichter für die Politik, ihren Streit um die Schuldengrenze beizulegen, als für die Fed, aus ihrem selbstgeschaffenen Gefängnis der Politik des leichten Geldes auszubrechen. Je länger jedoch sowohl das eine als auch das andere dauert, desto tiefer wird der Verlust an Vertrauen in die von Amerika emittierte Währung und ihre Schuldtitel sein. Alternativen wären zu wünschen, sind aber nicht in Sicht. Das Überleben des Euro ist keineswegs gesichert, was die europäische Gemeinschaftswährung als internationales Zahlungsmittel und in Euro lautende Staatsschuldtitel als Sicherheiten noch fragwürdiger als ihre amerikanischen Konkurrenten aussehen lässt. Der japanische Yen hat angesichts der Alterung der japanischen Bevölkerung und der Höhe der Staatsschuld seine Zukunft als internationale Reservewährung wohl hinter sich, während der chinesische Renminbi dafür noch nicht reif ist. Wenn die Stabilität der internationalen Reservewährung in Frage steht, dann spalten sich Reservehaltung und Zahlungsverkehr in mehrere Währungen auf, worunter die Effizienz leidet. Geringeres Wachstum der Kredite und die Zersplitterung von internationaler Reservehaltung und Zahlungsverkehr sind geeignet, das globale Wachstum der Investitionen und damit des Bruttoinlandsprodukt und der Beschäftigung zu bremsen. Es ist ein schwacher Trost, dass für die Vereinigten Staaten selbst der Verlust des „exorbitanten Privilegs“, die globale Reservewährung und Sicherheiten im Kreditgeschäft zu stellen, nicht weniger schmerzhaft wird.

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