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Mayers Weltwirtschaft : Gefährliche Inflation

  • -Aktualisiert am

Thomas Mayer Bild: Thilo Rothacker

Falls die Preise weiter steigen, wird es ungemütlich in Europa. Die Währungsunion könnte daran zerbrechen.

          3 Min.

          Seit ihrem historischen Tief im Juli letzten Jahres ist die Rendite auf zehnjährige amerikanische Staatsanleihen um rund einen Prozentpunkt auf beinahe 2,5 Prozent gestiegen. Zunächst waren dafür ein leichter Anstieg der Inflation und eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums im dritten Quartal verantwortlich. Dann hat die Wahl Donald Trumps zum nächsten amerikanischen Präsidenten Erwartungen für eine expansivere Fiskalpolitik beflügelt. Die amerikanische Notenbank Fed hat all dem Rechnung getragen, indem sie im Dezember ihren Leitzins erhöht und weitere Zinsschritte für dieses Jahr und die kommenden Jahre in Aussicht gestellt hat. Viele Bankökonomen gehen davon aus, dass damit zumindest in den Vereinigten Staaten eine Zinswende eingeleitet worden ist. Von dort dürfte nun Druck auf die Kapitalmarktzinsen im Euroraum kommen. Aber wie viel Zinserhöhung halten die Volkswirtschaften diesseits und jenseits des Atlantiks aus?

          Ein wesentlicher Faktor für die Zinssensitivität einer Wirtschaft ist die Höhe der Verschuldung der Wirtschaftssubjekte. Ist die Schuldenlast hoch, reicht auch eine kleine Zinserhöhung, bis die Wirtschaft darunter zusammenbricht. In Amerika ist die Schuldenlast im historischen Vergleich zwar immer noch beträchtlich, aber sie ist seit ihrem Höhepunkt in der Finanzkrise deutlich gesunken. Über alle Wirtschaftssektoren aggregiert, lag die Verschuldung mit 335 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegen Ende 2016 rund 35 Prozentpunkte unter ihrem Höchstwert vom ersten Quartal 2009. Für einzelne Wirtschaftssektoren ergibt sich ein hoher Rückgang von den jeweiligen Hochpunkten: im Finanzsektor um 41 Prozentpunkte und bei den privaten Haushalten um 19 Prozentpunkte. Unverändert auf niedrigerem Niveau blieb die Verschuldung im Unternehmenssektor, während sie im öffentlichen Sektor seit 2009 weiter gestiegen ist.

          Euroraum: Kaum Fortschritte bei der Entschuldung

          Insgesamt gesehen, scheint die amerikanische Wirtschaft für einen moderaten Zinsanstieg gerüstet zu sein. Die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen könnte auf 4 Prozent steigen, bis eine ähnliche Belastung der Wirtschaft mit Zinszahlungen erreicht wäre, wie sie im Schnitt der Jahre 2000 bis 2006 bestand. Ob die Zinslast tragbar ist, hängt auch vom Wirtschaftswachstum ab. Von 2000 bis 2006 betrug die Jahreswachstumsrate im Schnitt 2,8 Prozent. Dies dürfte für die Zukunft nicht ganz zu erwarten sein, so dass der tragbare Zins eher etwas unterhalb der 4-Prozent-Marke liegen könnte.

          Für den Euroraum sieht die Rechnung deutlich schlechter aus. Mit rund 470 Prozent des BIP im zweiten Quartal 2016 war die aggregierte Verschuldung nicht nur deutlich höher als in Amerika, sondern sie lag auch 25 Prozentpunkte über dem Niveau des ersten Quartals von 2009. Seitdem gab es kaum Fortschritte bei der Entschuldung im Finanz-, Unternehmens- und privaten Haushaltssektor, während die Staatsverschuldung sogar noch kräftig angestiegen ist. Noch bedenklicher ist das Bild, wenn man Deutschland aus der Rechnung nimmt. Für die Eurozone ohne Deutschland lag die aggregierte Schuldenquote bei 557 Prozent und damit 67 Prozentpunkte über dem ersten Quartal von 2009. Macht man die gleiche Rechnung wie für die Vereinigten Staaten auf, dann dürfte die Rendite auf langlaufende Staatsanleihen im Euroraum ohne Deutschland im Schnitt auf rund 3 Prozent steigen, bis die Zinsbelastung derjenigen im Zeitraum von 2000 bis 2006 entspricht. Allerdings dürfte ein Wirtschaftswachstum von mehr als 2 Prozent wie damals nicht wieder erreicht werden, so dass die Belastungsgrenze wohl unter 3Prozent liegen könnte.

          Auch Zinsen auch um den Preis einer Rezession?

          Solange die Inflation niedrig bleibt, ist nicht zu erwarten, dass die Zinsen über die Belastungsgrenzen steigen. Sollte die Inflation jedoch überraschen, stehen die Zentralbanken vor der Frage, ob sie die Zinsen auch um den Preis einer Rezession über die Belastungsgrenze hinaustreiben, um die Inflation zu bekämpfen. In Amerika könnte die Fed dieses Risiko eingehen, insbesondere wenn sie ihre Unabhängigkeit gegen eine ihr kritisch gegenüberstehende Trump-Administration verteidigen muss. Doch der schwer angeschlagene Euroraum könnte bei einer Rezession auseinanderbrechen.

          Mit dem Versprechen, alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu erhalten, hat sich EZB-Präsident Draghi die Hände gebunden. Angesichts der hohen Verschuldung kann er ein Wiederaufflammen der Inflation nicht bekämpfen, ohne das Zerbrechen der Währungsunion zu riskieren. Wird auch noch das Versprechen der Preisstabilität im Euroraum gebrochen, wird man sich in Deutschland zwar aufregen. Aber auch die nächste Bundesregierung wird nicht den Mut haben, die Konsequenzen zu ziehen und den Euroraum zu verlassen.

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