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Mayers Weltwirtschaft : So werden Banken sicherer

  • Aktualisiert am

Thomas Mayer Bild: Thilo Rothacker

Bevor Europa eine gemeinsame Einlagensicherung einführt, brauchen die Banken im Süden mehr Eigenkapital und weniger Staatsanleihen.

          3 Min.

          Nur wenige Leute sind sich bewusst, dass wir keine vollständige Währungsunion, sondern nur eine Bargeldunion haben. Die von der Europäischen Zentralbank herausgegebenen Banknoten sind Schuldscheine des Eurosystems, die durch die Aktiva auf den Bilanzen der Zentralbanken dieses Systems gedeckt sind. Folglich sind diese Banknoten im gesamten Euroraum nicht nur von gleicher Papierqualität, sondern haben auch die gleiche Bonität. Dies gilt nicht für das Giralgeld der Geschäftsbanken. Dieses wird durch die Kreditvergabe der Banken als privates Schuldgeld geschaffen und ist daher nur so gut wie die Kredite, denen es seine Existenz verdankt – oder wie der Staat, der für die Bankenrettung zuständig ist, falls die Kredite ausfallen. Daher ist es logisch, wenn sowohl EZB-Präsident Draghi als auch EU-Kommissionspräsident Juncker Druck für die Einführung einer gemeinsam finanzierten Einlagensicherung machen. Nur dadurch kann aus der Bargeldunion eine Währungsunion werden.

          Doch wenn die Banken mancher Länder sicherer sind als die anderer, werden mit der Vergemeinschaftung der Einlagensicherung Risiken verschoben. Die Angst der Deutschen, dass sie am Ende diese Risiken tragen müssen, ist nicht unbegründet. Die Bundesregierung hat sich darauf versteift, dass erst die Banken sicher gemacht werden müssten, bevor sie einer gemeinsamen Einlagensicherung zustimmen würde. Dabei wird die Sicherheit der Banken am Abbau von notleidenden Krediten festgemacht, die vor allem in Italien und anderen Südländern noch immer umfangreich sind. Das ist aber eine Milchmädchenrechnung. Denn wenn die Banken selbst nicht robust sind, werden sie bei dem in der nächsten Rezession unvermeidlichen erneuten Anstieg notleidender Kredite schnell wieder wackeln.

          Unter deutschen Ökonomen besteht weitgehend Einigkeit, dass drei Dinge notwendig sind, um die Banken weniger anfällig zu machen. Erstens sollten die Banken Staatsanleihen, die sie auf ihre eigene Bilanz nehmen, wie jeden anderen Kredit mit Eigenkapital unterlegen. Zweitens sollte der Bestand an Staatsanleihen auf der Bilanz der Banken wie der jedes anderen Kredits an einzelne Adressen durch die „Großkreditgrenze“ eingeschränkt werden. Drittens sollten die Banken so viel Eigenkapital halten, dass ihre Einlagen durch Kreditverluste nicht bedroht sind. Nichts von dem ist bisher verwirklicht – und das hat einen wichtigen Grund.

          Was Europas Banken tun sollten

          Nehmen wir an, die Banken müssten Staatsanleihen mit Eigenkapital von 25 Prozent ihrer Bilanzsumme unterlegen, wie es Anat Admati und Martin Hellwig in ihrem vielbeachteten Buch „Des Bankers neue Kleider“ gefordert haben. Treffen wir darüber hinaus drei weitere Annahmen: Erstens, die Banken brauchen eine Marge von zwei Prozent, um ihre operativen Kosten zu decken und Rücklagen für Risiken zu bilden. Zweitens, die EZB manipuliert die Zinsen so, dass die Fremdkapitalkosten der Banken ebenfalls bei zwei Prozent liegen. Drittens, die Banken müssen ihren Aktionären eine Rendite von sechs Prozent versprechen, damit sie ihnen das Eigenkapital nicht entziehen. Mit diesen eher moderaten Annahmen können wir die Kreditkosten ermitteln, die Banken den Staaten in Rechnung stellen müssten, wenn sie von ihnen Anleihen erwerben. Sie ergeben sich aus dem gewichteten Durchschnitt der Kapitalkosten (0,25 mal 6 Prozent plus 0,75 mal 2 Prozent) zuzüglich der Margen für Geschäftskosten und Risiko (zwei Prozent) und summieren sich auf fünf Prozent.

          Das ist historisch gesehen nicht viel, aber für die heute hochverschuldeten Staaten zu viel. Mit einer Staatsschuldenquote von 130 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) müsste zum Beispiel der italienische Staat bei einem Zinssatz von fünf Prozent etwa 6,5 Prozent des BIP für Zinszahlungen aufwenden. Heute belaufen sich die Zinszahlungen auf vier Prozent des BIP, dennoch gelingt es der Regierung nicht, sich an die Bedingungen des Stabilitätspakts zu halten. Deshalb stemmt sich (nicht allein) Italien gegen alle Versuche, die Banken wirklich sicher zu machen, und besteht darauf, dass die Steuerzahler anderer Länder die Risiken einer gemeinsamen Einlagensicherung mittragen.

          Wie ich in dieser Kolumne, in Artikeln und in Büchern wiederholt ausgeführt habe, kann eine sichere Einlage ohne Risikoübertragung nur dadurch geschaffen werden, dass die Banken diese zu 100 Prozent mit einer Reservegeldeinlage bei der EZB absichern. Dann könnten die Banken aber ihren Staaten durch den Kauf von Staatsanleihen kein neues Geld mehr schaffen. Kein Wunder, dass die Politiker lieber Risiken umverteilen als eine sichere Einlage schaffen wollen.

          Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Resarch Institute und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

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