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Mayers Weltwirtschaft : Die Strafen für Banken treffen die Falschen

  • -Aktualisiert am

Thomas Mayer Bild: Thilo Rothacker

Die Strafen für Banken sind hoch wie nie. Doch sie treffen die Falschen. Wieder kommen schlechte Manager davon.

          In der Ausgabe vom 7. Juni hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, dass den großen, international tätigen Banken seit Beginn der Finanzkrise Strafen von insgesamt knapp 100 Milliarden Euro wegen Fehlverhalten auferlegt worden sind. Da laufend weitere Verfehlungen aufgedeckt und geahndet werden, ist dies nur eine Zwischensumme. Wo die Endsumme stehen wird, ist nicht abzusehen.

          Die begangenen Missetaten sind keine Kavaliersdelikte. Es geht um die Manipulation von Märkten, Falschinformation von Kunden und Anlegern und die Umgehung oder den Bruch gesetzlicher Vorschriften. Wenn sich Unternehmen so verhalten, dann weist dies darauf hin, dass sie sich mächtig gegenüber der Politik und mächtig im Markt fühlen. Wo der Wettbewerb funktioniert, sind die Wettbewerber demütiger gegenüber ihren Kunden und der Gesellschaft.

          Macht im Markt und in der Gesellschaft hat Folgen für die innere Organisation von Unternehmen. Die Verbindung zwischen Teilhabe am Gewinn und Mithaftung für Verluste löst sich auf. Es kommt zur organisierten Unverantwortlichkeit von Mitarbeitern und Managern. Man besteht auf einen nicht zu knappen Anteil am Gewinn und wälzt die Verluste auf Aktionäre und Gesellschaft ab. Als „Master of the Universe“ glaubt man, sich über kleinliche Vorschriften hinwegsetzen zu können, ja man fühlt sich so machtvoll, dass sogar das Gefühl für Anstand und Fairness auf der Strecke bleibt.

          Aktionäre haben kaum Einfluss

          Strafen haben den Zweck, den Missetäter zur Wiedergutmachung der Folgen seiner Taten zu bringen und ihn von abermaligem Fehlverhalten in der Zukunft abzuschrecken. Die den Banken auferlegten Strafen verringern aber in erster Linie die Gewinne und haben weniger Folgen für die verantwortlichen Manager und Mitarbeiter. Sie treffen vor allem die Aktionäre.

          Dies könnte ja einen Sinn haben, wenn die Aktionäre durch eigenes Verhalten einen Beitrag zu dem sträflichen Treiben geleistet hätten. Doch ist der Einfluss der Aktionäre auf das Geschäftsgebaren der Banken im Allgemeinen recht gering. Die meisten Aktionäre sind nicht an einem langfristigen Engagement an einem Unternehmen interessiert, sondern erwarten Gewinne in einem überschaubaren Zeitraum. Immer mehr Aktionäre investieren „passiv“, indem sie Indexfonds kaufen, und kennen kaum die Namen der Unternehmen, an denen sie Anteile besitzen. Manche, die eine Lebensversicherung abgeschlossen haben oder Mitglieder eines Pensionsfonds sind, wissen nicht einmal, dass sie auch Aktien halten.

          Solche Aktionäre machen keine Anstrengungen, das Geschäftsgebaren von Unternehmen zu beeinflussen. Sind sie unzufrieden, ist ihre einzige Reaktion, sich von ihren Anteilen zu trennen, falls sie überhaupt reagieren wollen oder können. Dies eröffnet Managern und Mitarbeitern von Unternehmen große Freiräume, ihre eigenen Interessen zu verfolgen, die besonders bei der Gewinnverteilung mit denen der Eigentümer rivalisieren.

          In diesem Umfeld wirken die Strafen für Banken nur wie eine weitere Steuer auf den Gewinn. Um die Massenabwanderung der Aktionäre wegen sinkender Renditen zu verhindern, dabei aber ihre eigenen Interessen zu schützen, versuchen die Bankmanager, einen Teil der Kosten durch höhere Gebühren für ihre Leistungen auf die Kunden abzuwälzen. Das Ergebnis ist, dass sich die Bankkunden und Aktionäre die Kosten der Strafen teilen, die Manager und Mitarbeiter der Banken aber weitgehend verschont bleiben. Das Publikum bezahlt also am Ende die Strafen selbst, die seine Vertreter den Banken auferlegen.

          Das kann natürlich kein Grund sein, von Strafen für kriminelles oder wettbewerbswidriges Verhalten abzusehen. Aber diese Strafen müssen mit einer Stärkung der Haftung der Manager für rechtliches und wirtschaftliches Fehlverhalten einhergehen. Dazu sollten die Möglichkeiten der Eigentümer von Unternehmen gestärkt werden, grob fahrlässig handelnde Manager rechtlich zur Verantwortung zu ziehen und wirtschaftlich erfolglose Manager in die Wüste zu schicken.

          Wir brauchen aber auch eine Veränderung des Anlegerverhaltens. Wir müssen lernen, dass eine Anlage in Aktien Eigentum an Unternehmen begründet und Eigentumsrechte auch ausgeübt werden müssen. Dies geht nur bei einem langfristigen Engagement. Die Verwalter des Aktienvermögens anderer müssen es als ihre treuhänderische Pflicht ansehen, die Interessen ihrer Klienten auch dadurch zu vertreten, dass sie sich für eine gute Unternehmensführung einsetzen. Schließlich darf die Politik die Macht, die die Banken verspielt haben, nicht an sich reißen. Vielmehr muss sie diese Macht auflösen, indem sie dafür sorgt, dass die Banken wie andere Unternehmen im Wettbewerb stehen und die Eigentümer ihre Rechte gegen die Eigeninteressen der von ihnen beauftragten Manager und Mitarbeiter durchsetzen können.

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