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Mayers Weltwirtschaft : Der Zerfall

  • -Aktualisiert am

Thomas Mayer Bild: Thilo Rothacker

Das Ende der Papierwährung ist nur noch eine Finanzkrise entfernt, prophezeit unser Kolumnist. Was heißt das für die Geldanlage?

          3 Min.

          In früheren Kolumnen habe ich vier Faktoren hervorgehoben, die unser wirtschaftliches Umfeld bestimmen. Erstens: Wir befinden uns im Abschwung eines globalen Kreditzyklus, dessen Ende noch nicht abzusehen ist. Daher werden auf absehbare Zeit das Wachstum der Weltwirtschaft schwach und die Zinsen weltweit niedrig bleiben. Zweitens: Der Politik ist es im Verlauf der Euro-Krise nicht gelungen, die Gemeinschaftswährung auf eine feste Grundlage zu stellen.

          Es ist daher leider zu erwarten, dass die Europäische Währungsunion in die Fußstapfen ihres historischen Vorgängers, der Lateinischen Münzunion, treten und nach langem wirtschaftlichem und finanziellem Siechtum zerfallen wird. Drittens: Das Ende unserer Papierwährungen ist nur noch eine Finanzkrise entfernt. Sollte der Ausstieg der Zentralbanken aus der Politik der Nullzinsen und quantitativen Lockerung die nächste Finanzkrise auslösen, könnte dies zum Zusammenbruch unseres durch Verschuldung geschaffenen Geldes führen.

          Viertens: Es ist nicht zu erwarten, dass die regierenden Politiker rechtzeitig Maßnahmen ergreifen werden, die uns vor den schädlichen Folgen dieser Entwicklungen bewahren könnten. Dazu sind sie intellektuell und materiell viel zu sehr im Status quo verhaftet.

          Bargeld und Anleihen bringen den sicheren Verlust

          Da wir das so beschriebene wirtschaftliche Umfeld nicht werden ändern können, müssen wir uns wappnen. Für die Geldanlage ergeben sich einschneidende Konsequenzen. Früher bildeten Bargeld und Anleihen die sichere Grundlage für den Ertrag eines jeden Anlageportfolios. Heute bescheren Bargeld und Anleihen dagegen den sicheren Verlust. Die nominalen Zinsen sind null oder negativ, so dass statt eines laufenden Ertrags bei diesen Vermögenswerten laufende Kosten entstehen. Durch den Anstieg der Inflation, den die Zentralbanken mit ihrer Politik erzwingen wollen, werden die Kaufkraft des Bargelds und der Rückzahlungswert der Anleihen zudem noch verringert. Für den Anleger heißt dies, dass er den Anteil von Bargeld und Anleihen am gesamten Vermögen auf ein Mindestmaß reduzieren muss. Als Faustregel kann dafür gelten, dass der Bestand ungefähr den in der näheren bis mittleren Zukunft abzusehenden Ausgaben entsprechen soll.

          Viele Anleger betrachten Immobilien als attraktive Alternative zu Anleihen. Dabei blenden sie oft die damit verbundenen Risiken aus. Der Markt ist illiquide, die Möglichkeit zur Diversifizierung gering, und der Ertrag hängt stark von der Lage des Objekts und der gerade geltenden Mietregulierung ab. Während Aktien früher für viele Anleger das für zusätzlichen Ertrag sorgende Sahnehäubchen darstellten, sind sie heute die Grundlage für den Portfolioertrag.

          Nach 20 Jahren bescherten Aktien nie Verluste 

          Für die meisten Anleger bedeutet dies, dass sie ihre Einstellung zum Risiko bei der Aktienanlage grundsätzlich ändern müssen, wenn sie ihre Ersparnisse erhalten wollen. Viele empfinden einen Anstieg der Aktienpreise als Gewinn und einen Fall als Verlust, unabhängig davon, ob sie Gewinne oder Verluste realisieren. Ein wirklicher Verlust entsteht aber erst dann, wenn der Rückgang der Preise innerhalb der Haltedauer nicht mehr aufgeholt werden kann. Im Zeitraum von 1954 bis 2004 lag die Wahrscheinlichkeit für einen absoluten Verlust einer Anlage in Aktien des Dax bei einer Haltedauer von einem Jahr bei 30 Prozent, von fünf Jahren bei 21 Prozent, von zehn Jahren bei acht Prozent und ab 20 Jahren bei null Prozent. Wer also Geld für einen längeren Zeitraum zur Seite legen möchte, geht bei einer Anlage in Aktien ein geringes Risiko eines absoluten Geldverlusts ein. Dagegen sind die Aussichten auf Gewinn nicht unerheblich. Ein im Jahr 1954 in den Dax investierter Geldwert von einem Euro vermehrte sich bis 2014 auf 125,63Euro. Dagegen stieg derselbe in einen Index für Unternehmensanleihen investierte Geldwert auf nur 43,06 Euro – und damals gab es noch Zinsen!

          Früher galt die D-Mark als sichere Währung, und Anleger waren gut beraten, ihre Ersparnisse in dieser Währung zu halten. Inzwischen sind die Weichen dafür gestellt worden, dass sich der Euro zum Nachfolger der früheren mediterranen Schwachwährungen entwickelt. Sofern Anleger Währungen gesondert betrachten, gilt für den Euro das gleiche Prinzip wie für Anleihen: Man sollte so wenig halten wie möglich. Viele Euroskeptiker sehen den Schweizer Franken als sicheren Hafen. Doch kann sich die kleine Schweiz nur bedingt von den Entwicklungen im Euroraum lösen. Deshalb bleibt der Dollar die wichtigste Alternative zum Euro. Insgesamt sollte man die Papierwährungen aber mit einer gehörigen Portion Skepsis betrachten. Als Versicherung gegen den allgemeinen Verfall der Papierwährungen empfiehlt es sich deshalb, einen gewissen Anteil seiner Ersparnisse in Gold zu halten.

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