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Mayers Weltwirtschaft : Banken schaffen Wohlstand

  • -Aktualisiert am

Thomas Mayer Bild: Thilo Rothacker

Es ist in Mode kommen, die Banken zu verteufeln. Dabei waren wir noch nie so sehr auf sie angewiesen wie heute.

          Banken waren noch nie beliebt. Schon im Alten Testament der Bibel war es anrüchig, mit Geld Geld verdienen zu wollen. Im Mittelalter war es den Christen verboten (den Juden dagegen ausdrücklich erlaubt), Geld gegen Zins zu verleihen. Mit der Säkularisierung verschwand das Zinsverbot aus unserem Kulturkreis. Heute gilt es nur noch im Islam. Aber seit der Finanzkrise ist der Missmut gegen die Banken wieder gestiegen. Vieles ist berechtigt. In einer auf dichte Finanzbeziehungen angewiesenen hochentwickelten Wirtschaft ist die Verteufelung von Finanzinstituten jedoch gefährlich. Denn der Wohlstand sinkt, wenn diese Institute durch populistische Politik daran gehindert werden, ihre Funktion auszuüben. Es wäre daher an der Zeit, die Rolle von Finanzinstituten neu zu bestimmen.

          Immer auf Staatshilfe angewiesen

          Sicher kann man sich schnell darauf einigen, dass Banken eine nützliche gesellschaftliche Funktion erfüllen, wenn sie für die reibungslose Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs sorgen und Sparer mit Investoren zum gegenseitigen Nutzen zusammenbringen. Doch wird diese zweifellos wichtige gesellschaftliche Funktion von zwei anderen Funktionen überlagert: Erstens hat der Staat Banken die Aufgabe übertragen, über die Vergabe von Krediten Giralgeld als vollwertigen Ersatz für gesetzliches Zahlungsmittel in Form von Banknoten zu erzeugen. Eine Folge dieser Funktion ist, dass die Banken an der Geldschöpfung zwar gut verdienen, aber immer auf Staatshilfe angewiesen sind, um den Tausch von Giralgeld in gesetzliches Zahlungsmittel auch im Notfall garantieren zu können.

          Zweitens steuert der Staat über seine Zentralbank die Gelderzeugung der Banken, um politische Ziele zu verfolgen. Im Euroraum reichen diese Ziele vom Erhalt der Preisstabilität über die Stützung der Konjunktur und die Sicherung der Zahlungsfähigkeit überschuldeter Staaten bis hin zur Verhinderung des Zusammenbruchs der Währungsunion. Infolge der Vermengung der wirtschaftlichen mit den politischen Funktionen haben sich die Banken zu Großorganisationen entwickelt, die nicht nur für den normalen Bürger nicht mehr durchschaubar sind. Wo aber das Verständnis für die Funktionsweise eines Unternehmens fehlt, entsteht Misstrauen, das leicht in Hass umschlagen kann, wenn der Kunde glaubt, übervorteilt zu werden.

          Zum Aufbau von Vertrauen muss das Finanzgewerbe seine Funktionen klar definieren und jedem erklären können. Die Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ist eine Dienstleistung, für die der Kunde einen Preis zu entrichten hat. Der Preis sollte sich im Wettbewerb um die kostengünstigste Bereitstellung dieser Dienstleistung bilden. Die Vermittlung von Spargeldern an Investoren ist ebenfalls eine Dienstleistung, die gesondert von dem zwischen Sparer und Investor vereinbarten Zins auszuweisen wäre. Dies geschieht heute schon im Kapitalmarktgeschäft, wo beim Handel von Wertpapieren separat ausgewiesene Gebühren anfallen. Im traditionellen Bankgeschäft, wo die Spargelder gegen Verluste bei der Kreditvergabe abgesichert werden, muss eine Versicherungsprämie bezahlt werden. Dabei wird die Höhe der Versicherung von der Eigenkapitaldecke der Bank bestimmt. Folglich ergeben sich die Kosten für die Versicherung aus den Eigenkapitalkosten der Banken. Diese Kosten sind umso größer – und der Nettoertrag einer Kreditvergabe für den Sparer dementsprechend kleiner –, je dicker das Eigenkapitalpolster der Bank ist. Die Höhe und Kosten der Versicherung durch die Eigenkapitaldecke der Bank sollte jeder Sparer leicht erkennen können.

          Die Banken sollten kein Geld schaffen dürfen

          Die Geldschaffung und deren Manipulation über staatliche „Zinspolitik“ zur Erreichung wirtschaftspolitischer Ziele haben im privaten Finanzgewerbe nichts verloren. Daher wäre die in unserem Geldsystem versteckte „öffentlich-private Partnerschaft“ zur Geldproduktion zu beenden. Geld, ob bar oder unbar, sollte nur von einer designierten Zentralbank emittiert werden können. Ein staatliches Monopol für die Geldschaffung wäre dabei nicht zwingend, auch private Emittenten sind möglich (wie das Beispiel von Bitcoin zeigt). Ob über die Variation der Geldschaffung durch eine staatliche Zentralbank wirtschaftspolitische Ziele verfolgt werden sollten, bliebe im Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Emittenten dem Kunden überlassen. Wer dem misstraut, könnte sich der Politisierung des Geldes entziehen, wenn ihm die Wahl zwischen staatlich und privat emittiertem Geld gelassen würde.

          Die Organisation unseres Finanzgewerbes ist heillos durcheinander. Ein Neustart wäre nötig. Engagierte Bürger haben die Diskussion darüber begonnen. Die breite Öffentlichkeit sollte sich dafür interessieren.

           

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