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Mayers Weltwirtschaft : Ein Jahr mit Trump

  • -Aktualisiert am

Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes und Professor an der Universität Witten/Herdecke. Bild: Thilo Rothacker

Amerikas Präsident Donald Trump hatte sich für 2017 viel vorgenommen. Viel umgesetzt hat er nicht. Das hat Folgen.

          Vor gut einem Jahr habe ich hier spekuliert, dass Amerikas Präsident Donald Trump wirtschaftspolitisch in die Fußstapfen seines Vorgängers Ronald Reagan treten könnte. Wie Reagan würde er die Steuern senken und dadurch das Haushaltsdefizit des Staates ausweiten. Da die Konjunktur damit angekurbelt würde, könnte die Notenbank Fed darauf mit weiteren Zinserhöhungen reagieren. Die Zinsen auf längerfristige Staatsanleihen würden womöglich noch stärker steigen als die Geldmarktzinsen und der Dollar würde gegen andere Währungen aufwerten.

          Richtig war die Erwartung einer Straffung der Geldpolitik. Die Fed hat ihren Leitzins, die Fed Funds Rate, seit November 2016 um einen Prozentpunkt erhöht und begonnen, ihre Bilanz zu verringern. Mit dem Rest meiner Erwartungen lag ich daneben. Die Rendite auf zehnjährige amerikanische Staatsanleihen blieb im Großen und Ganzen unverändert, und der handelsgewichtete Wechselkurs des Dollar sank um gut vier Prozent. Wie konnte das passieren?

          Der Dollar reagiert kaum

          Da wäre zunächst zu berücksichtigen, dass Trumps Steuersenkungen nicht wie erwartet im ersten Halbjahr kamen, sondern vielleicht nun gegen Ende des Jahres beschlossen werden. Doch die begründete Aussicht auf niedrigere Steuern hat die Entwicklung von Zinsen und Wechselkurs bisher kaum beeinflusst. Könnte es sein, dass Käufer aus Japan und dem Euroraum, die vor Null- und Negativzinsen bei ihnen zu Hause flohen, amerikanische Anleger ersetzt haben – so dass der langfristige Zins gleich blieb, obwohl der kurzfristige Zins stieg? Das ist plausibel. Wenn diese Anleger außerdem ihre Käufe von amerikanischen Anleihen gegen Wechselkursverluste absichern, indem sie den Dollar auf Termin verkaufen, würden diese Kapitalzuflüsse den Dollar nicht stärken. Statt von diesen Zuflüssen profitiert zu haben, könnte der Wechselkurs des Dollar vom steigenden Defizit der Leistungsbilanz gedrückt worden sein.

          Vielleicht wird sich diese Konstellation künftig ändern. Dafür sprechen zwei Gründe. Erstens könnte aufgrund der Steuerreform das Defizit der Leistungsbilanz drastisch fallen. Laut einer Studie der Deutschen Bank verlagern amerikanische Unternehmen ihre Gewinne aus steuerlichen Gründen ins Ausland, indem sie in den Vereinigten Staaten hergestellte Produkte zu heruntergesetzten Preisen an ihre ausländischen Töchter liefern. Dadurch werden die Gewinne gedrückt, die in Amerika zu hohen Sätzen zu versteuern sind – und die Gewinne erhöht, die im Ausland niedrigeren Sätzen unterliegen. Da die Unternehmen einen großen Teil der im Ausland anfallenden Gewinne aus steuerlichen Gründen auch dort belassen, ist das Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten künstlich aufgebläht.

          Durch die Steuerreform will die Regierung nun die Anreize stärken, Gewinne in die Vereinigten Staaten zurückzuholen – und die Anreize beseitigen, künftige Gewinne ins Ausland zu verlagern. Die Volkswirte der Deutschen Bank rechnen damit, dass dadurch das Leistungsbilanzdefizit auf etwa die Hälfte seines diesjährigen Betrags von um die 470 Milliarden Dollar gesenkt werden könnte. Auch wenn der größte Teil der im Ausland liegenden und anfallenden Gewinne in Dollar gehalten werden, könnte der Rückgang des Leistungsbilanzdefizits zumindest das Ansehen des Dollar verbessern und damit dessen Wechselkurs stärken.

          Die Inflation könnte bald steigen

          Zweitens könnte nach langer Zeit die Inflation in Amerika doch noch steigen. Die Arbeitslosenquote im weitesten Sinne (U6-Rate) ist so niedrig wie zuletzt 2006. Peter Hooper von der Deutschen Bank hat darauf hingewiesen, dass es auch in der Vergangenheit Phasen gab, in denen die Arbeitslosenquote kontinuierlich fiel, ohne dass die Inflation stieg. Hatte sie aber einen kritischen Wert unterschritten, zog die Inflation an.

          Wo genau dieser Wert liegt, ist unklar. Aber er könnte bald erreicht werden, wenn das Wirtschaftswachstum durch die Steuerreform zusätzlich beschleunigt würde. Würden die Anleger dann eine höhere Inflation erwarten, könnten sie ihre Anlagen auf kürzere Laufzeiten konzentrieren. Die Zinsen für länger laufende Anleihen müssten dann steigen.

          Vermutlich würden die Anleger aus Japan und dem Euroraum von höheren amerikanischen Zinsen aber schnell wieder angelockt. Allerdings verteuern sich die Kosten der Wechselkursabsicherung mit dem Auseinanderdriften der Zinsen auf Geldanlagen in Amerika und dem Ausland. Mit weiteren Zinserhöhungen könnte die Fed folglich diese Kosten und damit den von ausländischen Investoren geforderten Zins auf amerikanische Staatsanleihen nach oben schieben. Trumponomics wäre dann die homöopathische Variante von Reaganomics.

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