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Mayers Weltwirtschaft : Der Untergang der klassischen Banken

  • -Aktualisiert am

Thomas Mayer Bild: Thilo Rothacker

Banker sein, das war mal was. Aber für klassische Banken sieht die Zukunft düster aus. Das hat viele Gründe: Soziale Netzwerke, Niedrigzinspolitik und staatliche Regulierung sind ein paar davon.

          Als ich vor fünfundzwanzig Jahren meine Laufbahn in der privaten Bankenwelt begann, stieg sowohl mein Einkommen als auch mein Ansehen unter früheren Kollegen. Wer heute zu einer Bank wechselt, muss dagegen mit einem Verlust an Ansehen rechnen und kann von den Boni der vergangenen Jahre nur noch träumen. Die Eigentümer von Banken hat es noch härter getroffen. Seit Anfang 2007 haben sich die Aktienpreise einer Gruppe von vierzehn großen Banken in Euro gerechnet im Schnitt beinahe halbiert. Der globale Aktienindex MSCI World stieg in dieser Zeit ebenfalls in Euro gerechnet dagegen um rund 35 Prozent.

          Die Gründe für den Niedergang der Banken liegen sowohl in der Vergangenheit als auch in der Zukunft. Dabei sind die Altlasten das kleinere Problem. Sie werden irgendwann einmal abgetragen sein. Viel schwerer wiegen die düsteren Aussichten für die Zukunft. Technischer Fortschritt, die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken und staatliche Regulierung drohen, das bestehende Geschäftsmodell der Banken zu zerstören.

          Technischer Fortschritt könnte dazu führen, dass die Banken den Zahlungsverkehr und die Kreditvermittlung an andere Unternehmen verlieren. Der heute über Banken laufende bargeldlose Zahlungsverkehr hat seinen Ursprung im Kreditbrief. Damit konnten sich Kaufleute im Mittelalter das Mitführen von Bargeld sparen und dies vor Ort zum Erwerb von Waren abholen. Das Papiergeld wurde Ende des 17. Jahrhunderts aus China importiert. Sowohl über die Banken vermittelte bargeldlose Zahlungen als auch bare Zahlungen mit Papiergeld dürften künftig zunehmend über elektronische Bezahlsysteme abgewickelt werden, bei denen Firmen der Informationsbranche technologische Vorteile haben. Diese Firmen könnten den Banken auch das Privileg der Schöpfung von Giralgeld über die Vergabe von Krediten streitig machen, indem sie eigene Kryptowährungen emittieren.

          „Crowd Funding“ bringt Sparer mit Investoren zusammen

          Bei der Vermittlung von Krediten werden künftig soziale Netzwerke eine immer größere Rolle spielen. Die Entstehung des „Crowd Funding“ zeigt, dass man dort, wo man gesellige Unternehmungen organisieren kann, auch Sparer mit Investoren zusammenbringen kann. Statt die Bank um einen Kredit zu bitten oder ihr seine Geldersparnisse anzuvertrauen, könnte man sein Anliegen in sozialen Netzwerken vorbringen. Ohne die kostenpflichtige Vermittlung einer Bank könnten diese Geschäfte für beiden Seiten günstiger getätigt werden.

          Die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken drückt zudem auf die Gewinne aus dem klassischen Bankgeschäft. Die Schaffung von Giralgeld durch Vergabe von Krediten lohnt sich für die Banken, solange die Zinsen für Kredite über denen für Bankeinlagen liegen. Drücken die Zentralbanken jedoch die Kreditzinsen gegen null, verschwinden die Zinsmargen für die Banken, denn die Sätze für Bankeinlagen sind nach unten begrenzt, weil diese durch Bargeld ersetzt werden können. Je länger die Niedrigzinsphase also dauert, desto mehr Banken werden ihr Geschäft aufgeben müssen.

          Nicht zuletzt bedroht die zunehmende staatliche Regulierung die Geschäftsmodelle vieler Banken. Die Notwendigkeit, Geschäfte, die von den Regulierern als riskant eingestuft werden, mit mehr Eigenkapital zu unterlegen, zwingt Investmentbanken, ihre Geschäftsfelder und Bilanzen zu verringern. Der Zuschlag an Eigenkapital für systemrelevante Banken und die Pflicht, die Abwicklung im Insolvenzfall ohne Inanspruchnahme von Steuergeldern möglich zu machen, lässt das Modell der globalen Universalbank obsolet erscheinen.

          Wie die neue Bankenwelt einmal aussehen wird, lässt viel Raum für Phantasie. Möglicherweise werden der Zahlungsverkehr und die Kreditvermittlung zu Technologiefirmen abwandern. Die Verwaltung von Vermögen dürfte zu den dafür spezialisierten Unternehmen gehen. Für die Banken übrig bleiben könnten „Business-to-Business“-Geschäfte mit Unternehmen und Vermögensverwaltungen, die dem heutigen Investmentbanking zuzurechnen sind. In dieser Welt wäre kein Platz mehr für klassische Kreditbanken vom Typ der Sparkassen oder Genossenschaftsbanken und für Universalbanken, wie sie heute noch die Deutsche Bank oder die Commerzbank repräsentieren.

          In der neuen Bankenwelt könnte es sogar für die Zentralbanken eng werden. Diese sind mit der Geldproduktion durch die Kreditbanken entstanden und würden ihre Aufgabe verlieren, wenn Geld in Zukunft von Technologieunternehmen als Kryptogeld produziert würde. Man wagt es kaum zu denken, aber am Ende könnte auch die staatliche Geldpolitik obsolet werden.

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