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Max Weber für Einsteiger : Die fünf wichtigsten Thesen

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Max Weber? Nie gehört? Hier sind seine fünf wichtigsten Thesen zur Politik, zur Demokratie, zur Ethik, dem Kapitalismus und der Wissenschaft.

          Max Weber? Nie gehört? Hier sind seine fünf wichtigsten Thesen zur Politik, zur Demokratie, zur Ethik, dem Kapitalismus und der Wissenschaft.

          Politik ist kein Beruf, sondern Berufung: Im Jahr 1919, als er gerade seine eigenen politischen Ambitionen beerdigt hat, hält Weber einen seiner berühmtesten Vorträge mit dem Titel "Politik als Beruf". In ihm wendet sich der Gelehrte gegen den gängigen Typus des auf seine Wiederwahl schielenden Berufspolitikers.

          Weber sieht natürliche Begabung und Charakterstärke als wichtigste Voraussetzungen für Politiker, deren Bedeutung er außerordentlich hoch schätzt: "Die Staatsform ist mir völlig Wurst, wenn nur Politiker und nicht dilettierende Fatzkes das Land regieren." Drei Qualitäten machen den Politiker vor allem aus: Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß. Weber-Verehrer haben in ihrem Helden oft einen verhinderten Staatsmann gesehen. Doch Weber hatte mit der Politik nur geflirtet; letztlich erkannte er in sich den Wissenschaftler.

          Verantwortungsethik zählt in der Politik mehr als Gesinnungsethik: Hier trifft Weber in seinem Vortrag "Politik als Beruf" eine noch heute bedeutsame Unterscheidung. Gesinnungsethik beschreibt ein Handeln, bei dem das ethisch reine Motiv des Handelns wichtiger ist als das Resultat des Handelns - heute findet sich hierfür gelegentlich der abwertende Begriff des "Gutmenschentums". Weber zeigt hierfür Verständnis, empfiehlt dem Politiker eher eine Verantwortungsethik, die ein Handeln beschreibt, dessen Ergebnis wichtiger ist als das Motiv. Der Politiker wird an seinen Taten gemessen.

          Auch die Demokratie benötigt charismatische Führernaturen. Der Herrschaftsbegriff ist ein bedeutsamer Bestandteil der Soziologie Webers: "Herrschaft soll heißen die Chance, für einen Befehl bestimmten Inhalts bei angebbaren Personen Gehorsam zu finden." Er unterscheidet drei Formen legitimer Herrschaft: die rationale/legale Herrschaft, die wie die Bürokratie im Glauben an die Legalität gesetzter Ordnungen ruht; die traditionale Herrschaft, die wie das Patriarchat auf dem Glauben an Traditionen beruht; sowie die charismatische Herrschaft, die wie im Beispiel des Propheten auf Hingabe an die Vorbildlichkeit, Heldenkraft oder Heiligkeit einer Person und der von ihr geschaffenen Ordnung beruht.

          Weber war, obgleich das Konzept vage blieb, besonders von der charismatischen Herrschaft fasziniert - daher auch sein unbändiger Zorn auf unfähige Politiker wie Kaiser Wilhelm II. Aus der Herrschaftssoziologie folgt ein distanziertes Verhältnis zum Parlamentarismus. Weber: "In der Demokratie wählt das Volk seinen Führer, dem es vertraut. Dann sagt der Gewählte: ,Nun haltet den Mund und pariert.' Volk und Parteien dürfen ihm nicht mehr hineinreden. Nachher kann das Volk richten; hat der Führer Fehler gemacht - an den Galgen mit ihm!"

          Die protestantische Ethik ist eine wichtige Triebkraft des Kapitalismus: Aus der Beobachtung, daß zu seiner Zeit protestantische Gebiete in Deutschland reicher waren als katholische, schließt Weber auf einen Zusammenhang zwischen Religion und Wirtschaftsentwicklung.

          Er kommt zu dem Schluß, daß besonders der puritanische Calvinismus mit seinem Askesegebot die Menschen zu konzentrierter Arbeit und zur Kapitalbildung angehalten habe. Die "protestantische Ethik" bildet nur einen Teil der Weberschen Religionssoziologie, da sich der Gelehrte auch mit anderen, vor allem asiatischen Religionen befaßt hat.

          Wissenschaft verträgt keine Werturteile: In einer Auseinandersetzung mit der seinerzeit dominierenden Historischen Schule der Nationalökonomie verficht Weber eine strenge Trennung von wissenschaftlicher Analyse ("dem Seienden") und Werturteilen ("dem Seinsollenden"). Werturteile sind für ihn reine Glaubenssache.

          Weber will nicht nur die Wissenschaft vor Werturteilen schützen, sondern auch Werturteile (wie seine Hochschätzung der Nation) vor wissenschaftlicher Analyse. Er geht aus der Debatte als Sieger hervor.

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