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Auf dem Sprung : Der neue Tönnies

„Ich bin zwar kein Metzger, aber ich weiß auch, wie man ein Tier zerlegt“: Max Tönnies, 31, in der Konzernzentrale in Rheda-Wiedenbrück. Bild: Daniel Pilar

Max Tönnies steht vor dem Sprung an die Spitze von Europas größtem Fleischkonzern. Mit Veggie-Wurst und Mindestlohn will er das lädierte Image des Familienunternehmens aufpolieren.

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          Ob Max Tönnies die Fußstapfen seines Vater Clemens ausfüllen kann, wenn dieser ihm in nicht allzu ferner Zukunft die Führung des Familienunternehmens überlässt? Die Frage ist gemein. Erstens lässt sich so eine Karriere wie die des Metzgers Clemens Tönnies aus der westfälischen Kleinstadt Rheda-Wiedenbrück, der in fünfzig Jahren aus dem Nichts Europas größten Fleischkonzern aufgebaut hat, nicht wiederholen. Zweitens wird kein Vater der Welt es seinem Sohn wünschen, auch nur annähernd so sehr zur Hassfigur seiner Gegner zu werden, wie Clemens Tönnies das widerfahren ist.

          Trotzdem führt an ebendieser Frage kein Weg vorbei. Die Tönnies-Mitarbeiter haben sie im Kopf genauso wie die Schweine- und Rinderhalter in Deutschland, die jeden Tag ihre Tiere zu den Tönnies-Schlachthöfen liefern, damit Metzgereien, Discounter und Supermärkte ihre Fleischtruhen mit Tönnies-Ware bestücken können. Clemens Tönnies, der kantige Firmengründer, von Tierfreunden, Klimaschützern und Landwirtschaftsromantikern als Massenschlächter geächtet, als früherer Aufsichtsratschef des Fußballklubs Schalke 04 weit über die Fleischbranche hinaus bekannt, ist im Mai 65 Jahre alt geworden. Und Max Tönnies, 31 Jahre jung, läuft sich unverkennbar warm für Größeres. Seit ein paar Jahren schon in der Zur-Mühlen-Gruppe, in der die von Tönnies zusammengekauften Wurstfabrikanten wie Gutfried, Böklunder und Artland versammelt sind. Jetzt aber auch mehr und mehr in der Zentrale am Rand von Rheda-Wiedenbrück, wo Deutschlands mit Abstand größter Schlachthof steht, seit dem Corona-Ausbruch im Sommer 2020 unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit und der Behörden.

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