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Maut : Die Maut kommt mit Staus

  • Aktualisiert am

Darauf mußte Stolpe lange warten - ein Mautticket Bild: REUTERS

Der Countdown für den Start der Lkw-Maut läuft. Nach 16 Monaten Verspätung hat Verkehrsminister Stolpe „nichts zu verschenken“ und will hart gegen Mautpreller vorgehen.

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          Der Countdown für die Lkw-Maut auf deutschen Autobahnen geht in die Endphase. Drei Tage vor dem Start des satellitengestützten Mautsystems gingen am Mittwoch die bundesweit 3.700 Kassenautomaten in Betrieb.

          Auch im Internet kann die Straßennutzungsgebühr bereits bezahlt werden. Das weltweit einmalige System wird nach zahlreichen Pannen mit einer Verspätung von 16 Monaten in der Neujahrsnacht gestartet. Befürchtet werden lange Staus.

          Vor allem an den Grenzübergängen werden lange Staus erwartet

          Die Bundesregierung und das Betreiberkonsortium Toll Collect forderten die Lkw-Fahrer erneut auf, die Buchungsmöglichkeiten am Kassenautomaten und über das Internet zu nutzen. „Spediteure und Trucker haben es selbst in der Hand, unnötige Wartezeiten an den Terminals zu vermeiden“, sagte Stolpe auf der Autobahn-Raststätte Michendorf bei Berlin. Gebucht werden kann drei Tage im Voraus. Hintergrund ist, daß bislang erst etwa 300.000 Lastwagen mit automatischen Erfassungsgeräten ausgestattet sind. Alle anderen Lkw müssen individuell eingebucht werden.

          Von den mehreren hunderttausend ausländischen Lastwagen, die regelmäßig in Deutschland unterwegs sind, haben erst 74.000 ein sogenanntes On-Board Unit (OBU) an Bord. In Frankreich beispielsweise sind es weniger als 2.000, in Spanien sogar weniger als 400. Deshalb werden vor allem an den Grenzübergängen lange Staus befürchtet. Toll Collect hat mehr als 50 Verkehrsknotenpunkte ausgemacht, an denen es Probleme geben könnte. Dazu zählen beispielsweise die Übergänge Kehl nach Frankreich, Frankfurt (Oder) nach Polen und Kiefersfelden nach Österreich.

          Stolpe hat nach 16 verschenkten Monaten „nichts zu verschenken“

          Erneut bekräftigte Stolpe, daß gegen Mautpreller hart vorgegangen werde. „Wir haben nichts zu verschenken“, sagte der Minister. Über die Einhaltung der Mautpflicht sollen mehr als 500 Kontrolleure wachen, die auf den Autobahnen unterwegs sind. Die Strafen können sich auf bis zu 20.000 Euro summieren. Mautpflichtig sind Lkw mit einem Gesamtgewicht ab zwölf Tonnen. Im Durchschnitt beträgt die Gebühr 12,4 Cent pro Kilometer.

          Das Speditionsgewerbe kritisierte, daß das für die Kontrollen zuständige Bundesamt für Güterverkehr viel zu wenig Personal habe. „Statt der angekündigten Kontrollquote von zehn Prozent wird man vielleicht ein Prozent der täglich 800.000 mautpflichtigen Lkw- Fahrten schaffen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Güterverkehr- Verbandes BGL, Karlheinz Schmidt, der dpa. Die deutschen Spediteure vermuten deshalb, daß sich ein Großteil der ausländischen Fahrer ohne großes Risiko vor der Maut drücken kann.

          Außer der automatischen Erfassung sowie der Bezahlung übers Internet oder am Kassenautomaten gibt es für Lkw-Fahrer auch die Möglichkeit, sich übers Handy registrieren zu lassen. Dazu ließen Dienstleister wie das Unternehmen Tolldirect am Mittwoch Rufnummern freischalten, unter denen sie rund um die Uhr erreichbar sind. Allerdings wird dann noch eine zusätzliche Gebühr fällig.

          Wegen des Jahreswechsels und des anschließenden Sonntags wird der Lkw-Verkehr nach Meinung von Experten erst langsam anrollen. Die meisten Lastwagen dürfen wegen des Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen erst am 2. Januar um 22.00 Uhr starten. BGL- Hauptgeschäftsführer Schmidt rechnet sogar damit, daß auf den Autobahnen erst nach dem 10. Januar richtig Betrieb herrscht. In den ersten Tagen nach Neujahr werde bestenfalls die Hälfte der sonst üblichen Lkw auf der Straße sein.

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