https://www.faz.net/-gqe-6xvur

Matt Cohler : Ein Amerikaner macht Berlin bekannt

Matt Cohler Bild: Roeder, Jan

Matt Cohler gehört zu den prominentesten Internet-Investoren Amerikas. Einst war er einer der entscheidenden Leute hinter dem Aufstieg von Facebook. Heute investiert er in Berliner Firmen. Das Startup Researchgate baut von Berlin aus eine Art Facebook für Forscher auf.

          2 Min.

          Auf der halben Welt diskutieren Internet-Gründer darüber, wie sehr die Startup-Szene in Berlin floriert. Wird Deutschlands Hauptstadt gar das neue Silicon Valley Europas? Solche Verheißungen gab es für Berlin schon oft. Wenn dieses Mal tatsächlich etwas daraus wird, dann hat die Stadt das auch einem Amerikaner zu verdanken: Matt Cohler.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Cohler war einer der entscheidenden Leute hinter dem Aufstieg von Facebook, heute gehört er zu Amerikas prominentesten Internet-Investoren. Inzwischen hat er Berlin entdeckt. Und er kommt nicht alleine, sondern er bringt andere wichtige Kapitalgeber mit.

          Das zeigt das Startup Researchgate, das von Berlin aus eine Art Facebook für Forscher aufbaut. Cohler hat früh Geld in das Startup gesteckt - und zwar nicht allein, sondern gemeinsam mit seinen Kollegen von dem bekannten Technikfonds „Accel Partners“. Accel hat die Rabatt-Webseite Groupon groß gemacht und an die Börse gebracht.

          Inzwischen hat Researchgate mehr als eine Million registierter Nutzer, nach Angaben von Google könnte jeden Monat ungefähr die Hälfte vorbeischauen. Jetzt schießt Cohler Geld nach, und wieder bringt er einen berühmten Internet-Investor mit: den „Founders Fund“, gegründet von Peter Thiel, der einst Facebook entdeckt hat. Auf diese Weise bringt Cohler die Berliner Startups in die Köpfe der Amerikaner.

          Die „Paypal-Connection“

          So viel Einfluss hat Matt Cohler, weil er schon eine beeindruckende Karriere hingelegt hat. Dabei sieht er aus wie Mitte 20 und ist tatsächlich erst 34 Jahre alt. Die Founders-Fund-Investoren aber kennt Cohler schon seit fast zehn Jahren. Damals fing er bei dem amerikanischen Xing-Pendant „Linked In“ als rechte Hand des Chefs an, und zwar kurz nach der Gründung der Firma. Damals hatte Cohler schon einen Abschluss der Elite-Universität Yale und einige Zeit als Berater bei McKinsey verbracht. Bei „Linked In“ lernte er eine entscheidende Gruppe von Silicon-Valley-Investoren kennen: die so genannte „Paypal-Connection“, eine Gruppe ehemaliger Manager jener Firma, die heute immer wieder zusammen junge Internet-Firmen groß machen.

          Über die Paypal-Connection erfuhr Matt Cohler bald von der jungen Firma Facebook und heuerte dort an, und zwar als fünfter oder sechster Mitarbeiter - genau weiß er das selbst nicht mehr. Bei Facebook war er als Produktmanager für die Webseite verantwortlich und wurde zu einem der wichtigsten Ratgeber von Gründer Mark Zuckerberg. „Ich stelle sicher, dass Zuck es nie zurück nach Harvard schafft“, schrieb Cohler als Stellenbeschreibung in seinen Lebenslauf auf Facebook. Heute noch sind Zuckerberg und Cohler gute Freunde, im Silvesterurlaub erst tourten sie gemeinsam durch Vietnam und Japan.

          „Benchmark Capital“ hat viele Internet-Firmen groß gemacht

          Doch Matt Cohler arbeitet inzwischen nicht mehr bei Facebook, sondern bei dem Risikokapital-Fonds „Benchmark Capital“, der in Amerika einen Ruf wie Donnerhall hat. Benchmark hat viele bekannte Internet-Firmen groß gemacht, unter anderem Ebay und Twitter. Matt Cohler selbst hat ebenfalls schon einige Firmen entdeckt, die unter Internet-Nutzern sehr bekannt sind.

          Also hören alle Kollegen zu, wenn Matt Cohler redet. Und Cohler redet sehr gut über Berlin. Erst überredete er die Gründer von Researchgate mit sanften Fragen dazu, ihre Firmenzentrale von Boston nach Berlin zu verlegen - damals vor allem, weil die Gründer deutschstämmig waren und weil Berlin dank seiner niedrigen Löhne und Mieten für Startups billig ist.

          Doch je besser Matt Cohler Berlin kennt, desto lauter trommelt er dafür. Inzwischen hat er noch andere Vorzüge der Stadt kennen gelernt. „Damit ein Ort sich für Gründungen eignet, braucht man drei Dinge“, sagt er. In allen dreien werde Berlin immer besser: Erstens brauche eine Stadt Unternehmer und eine kreative Kultur. Zweitens viele talentierte Programmierer - und die gebe es in Berlin. „Die Lage im Herzen von Europa ist toll“, findet Cohler heute. „Hier kommen kreative Leute aus West- und Osteuropa zusammen, sogar von außerhalb Europas.“ Drittens brauche eine Stadt Kapital, sagt Cohler. Und das bringt er inzwischen selbst mit. Jetzt fehlt ihm zum perfekten Glück nur noch die direkte Flugverbindung nach San Francisco. Bisher muss er auf seinem Weg immer umsteigen.

          Weitere Themen

          Arbeitslosenzahl sinkt im November Video-Seite öffnen

          Trotz Teil-Lockdown : Arbeitslosenzahl sinkt im November

          Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist trotz neuer Corona-Beschränkungen im November gesunken. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im November 2,699 Millionen Menschen arbeitslos, 61.000 weniger als noch im Oktober.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.