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Massenware Fleisch

Von JULIA LÖHR, Grafiken: STEFAN WALTER und JOHANNES THIELEN
16. Juli 2020

Die Fleischindustrie stand schon oft in der Kritik. Hat Corona das Zeug, sie zu verändern?

Wenn es einmal darum gehen wird, die Corona-Pandemie für die Geschichtsbücher aufzuarbeiten, dann dürfte der Name Tönnies darin eine wichtige Rolle spielen. Das mit Abstand größte deutsche Fleischunternehmen ist verantwortlich für den bislang mit Abstand größten Corona-Hotspot. Was in Österreich die Après-Ski-Hochburg Ischgl, ist in Deutschland die Tönnies-Fabrik in Rheda-Wiedenbrück. Mehr als 1400 Mitarbeiter haben sich dort mit dem Virus infiziert und ein Schlaglicht auf die Bedingungen in der Fleischindustrie geworfen. Diese sind zwar im Grunde seit Jahren bekannt, doch offenbar bedurfte es einer Krise wie der jetzigen, um die Politik auf den Plan zu rufen.

Als Erstes nahm sich die Bundesregierung die Werkverträge vor, über die das Gros der meist osteuropäischen Arbeitskräfte in den Betrieben beschäftigt ist. Von Anfang kommenden Jahres an sollen sie nach dem Willen von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) in der Fleischindustrie verboten werden. Als Nächstes rückt nun das Thema Tierwohl in den Fokus. Da die Verbraucher weiterhin kaum Biofleisch kaufen – bei Schweinefleisch beträgt der Bioanteil weniger als 2 Prozent –, sollen sie demnächst auf alle tierische Produkte eine Tierwohlabgabe zahlen. Je Kilogramm Fleisch 40 Cent, für Käse 15 Cent und für Milch 2 Cent, hat eine Expertenkommission Anfang des Jahres vorgeschlagen. Dem hat sich nach anfänglichem Zögern nun auch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) angeschlossen. Das Geld soll in einen Fonds fließen, der Landwirte bei Stallumbauten unterstützt. Aus dem Konjunkturprogramm stehen dafür weitere 300 Millionen Euro bereit.

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