https://www.faz.net/-gqe-9431r

Maschinenbau : Wer macht sich noch die Hände schmutzig?

  • -Aktualisiert am

Aller Anfang ist schwer: Neben den Maschinenbauern finden auch die Elektrotechniker von morgen ihren Platz. Bild: Uwe Marx

Tablets und IT statt Öl und Dreck: Wie der deutsche Maschinenbau Nachwuchs ködert und in der westfälischen Provinz ein Leuchtturm der Berufsausbildung entstanden ist.

          5 Min.

          Das mit der Anziehungskraft, dem Sex-Appeal gewissermaßen, ist für manche Berufe so eine Sache. Während die einen als attraktiv und geradezu magnetisch gelten, stecken andere tief in der Schublade. Aufschrift: nicht gerade modern, wenig vorzeigbar, mit reichlich Zumutungen verbunden. Peter Bole kennt das. Er kommt schließlich aus dem Maschinenbau. „Unser Image sitzt tief“, sagt er.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit seiner Branche verbinden viele vor allem Dreck, Öl, Lärm, alles in allem also abschreckende Arbeitsbedingungen. Nicht gerade gute Voraussetzungen, um Nachwuchs anzulocken, denn stets steht die Frage im Raum: Wer macht sich schon gerne die Hände schmutzig? Aber weil in dieser industriellen Schlüsselbranche in Deutschland etwas mehr als eine Million Menschen arbeiten und weil sie durch technische Umwälzungen – Stichwort: Industrie 4.0 – gerade radikal verändert wird, muss Nachwuchs unablässig her. Und das nicht zu knapp.

          So betrachtet, sitzt Bole genau an der richtigen Stelle: Er ist Leiter der neu gegründeten „Nachwuchsstiftung Maschinenbau“, die der Branche gut ausgebildeten Nachschub sichern soll. Aber wie funktioniert das, wenn die gesamte Berufswelt von Überakademisierung spricht, Digitalisierung oder Fachkräftemangel? Wie also macht sich ein vermeintlich hässliches Entlein hübsch?

          Kernland des deutschen Maschinenbaus

          Tief in Westfalen, ein gutes Stück östlich von Paderborn, lässt sich das beobachten. Höxter liegt gewissermaßen im Kernland des deutschen Maschinenbaus, nur Baden-Württemberg kann mit diesem Teil Nordrhein-Westfalens noch mithalten, was die Dichte an Unternehmen der Branche betrifft. Hier ist das Berufskolleg Höxter angesiedelt, das als Leuchtturm in der beruflichen Ausbildung gilt. Für angehende Maschinenbauer, aber auch für Elektrotechniker und andere Berufe. Von außen sieht es erst einmal aus wie eine sehr große Schule, innen aber hat es mitunter etwas von einem Uni-Campus – wodurch es eine Entwicklung im Maschinenbau widerspiegelt.

          Immer mehr Unternehmen der Branche haben sich äußerlich verwandelt. Sie setzen nicht nur auf Industrie 4.0 und IT – sie sehen auch so aus. Wo früher tatsächlich Dreck und Lärm viele Produktionshallen zu wenig ansehnlichen Orten machten, geht es heute geradezu klinisch rein zu. Es ist eine Zeit, in der immer mehr Roboter Dienst tun, autonome Fahrzeuge Werkstücke heranbringen, Maschinen per Smartphone oder Tablet bedient werden können und alles per Internet miteinander verbunden ist. Das führt auch die Berufsausbildung in eine neue Zeit.

          Michael Urhahne ist Schulleiter in Höxter, er führt durch Werkstätten, die zum Teil weniger nach Maschinenbau und mehr nach Computerkurs aussehen. Aber es geht ja auch darum, die berufliche Ausbildung in eine neue Zeit zu führen. Fachleute formulieren das so: Die Dynamik der Produktionstechnik solle in den Schulen vermittelt werden. Dabei hat sich gerade das Tempo der Innovation stark erhöht. Wenn die Schüler mit ihren Lehrern oder Ausbildern eine hochmoderne Werkzeugmaschine neu programmiert haben, dann spuckt diese so schnell ein neues Werkstück aus, dass so manchem alten Hasen, der noch von mühsamer, zeitraubender Handarbeit berichten kann, Hören und Sehen vergeht.

          Großzügige Ausstattung

          Das dürfte auch für die Lernumgebung in Höxter gelten. Viele Räume sind verglast, alles wirkt modern, offen, einladend. Auf langen Gängen liegen frei zugänglich teure Tablets, auch das gehört zum veränderten Lernen. Das großzügige Angebot scheint zu disziplinieren. Ein Lehrer erzählt, dass die Geräte oft benutzt werden, aber noch nie beschädigt oder gar entwendet worden seien.

          Weitere Themen

          Kampf ums Architektenhonorar

          FAZ Plus Artikel: Planung und Einwände : Kampf ums Architektenhonorar

          Damit die Vergütung der Architekten fällig wird, müssen strenge Voraussetzungen beachtet werden. Von Bauherren kann es vielfältige Einwände geben, erklärt der Rechtsanwalt Friedrich-Karl Scholtissek in seinem Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Das Impfzentrum in Trier im Februar.

          Ungenutzter Corona-Impfstoff : Macht Gerechtigkeit beim Impfen Deutschland langsam?

          Die Kühlschränke der Impfzentren sind voll, doch die Impfquote bleibt mäßig. Wie stark bremst das Ziel der gerechten Impfstoffverteilung Deutschland gerade aus? Die Situation in den Bundesländern ist sehr unterschiedlich.
          Kinder in Benin essen in einer Grundschule Reis.

          170 Millionen Kinder : Ein ganzes Jahr ohne Schule

          Die Verhältnisse in Deutschland sind dagegen erträglich: Laut Unicef haben wegen Corona-Lockdowns weltweit 170 Millionen Kinder seit einem Jahr gar keine Schule mehr besucht. Die Folgen könnten gerade in ärmeren Ländern verheerend sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.