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Maschinenbau : Heidelberger Druck streicht nochmals 2000 Stellen

Ein Druckwerk in der Montage Bild: dpa

Neue Hiobsbotschaften für die Beschäftigten von Heidelberger Druck: Das Unternehmen will erneut massiv Stellen abbauen. Die Branchenflaute verhagelt den Heidelbergern das Geschäft.

          2 Min.

          Mitten hinein in den Verkaufsprozess des insolventen Druckmaschinenbauers Manroland ist der Konkurrent Heidelberger Druckmaschinen mit neuerlichen Hiobsbotschaften geplatzt. Der Marktführer im Druckmaschinengeschäft muss Kapazitäten und Kosten in den kommenden zwei Jahren deutlich reduzieren, um, wie es heißt, den veränderten Marktanforderungen gerecht zu werden.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Dem neuerlichen Sparprogramm fallen nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Bernhard Schreier insgesamt 2000 Stellen zum Opfer, davon 1200 im Inland. Die Einschnitte betreffen nach seinen Worten sowohl die Produktion als auch Entwicklung, Verwaltung und Vertrieb. Der Konzern hat seit 2008 schon 4500 Stellen gestrichen und beschäftigt aktuell noch 15 600 Mitarbeiter, das Gros davon in Heidelberg und dem nahegelegenen Wiesloch.

          Die Kosten für das neuerliche Sparprogramm – Heidelberger Druck spricht von bis zu 150 Millionen Euro – werden die Gewinnrechnung im nächsten Geschäftsjahr belasten, das im April beginnt. Der Weltmarktführer im Druckmaschinengeschäft erwartet damit vermutlich das fünfte Verlustjahr in Folge. Im folgenden Geschäftsjahr will der Konzern dann in jedem Fall den schon länger avisierten Betriebsgewinn von 150 Millionen Euro erwirtschaften. „2013/14 sind wir auf jeden Fall positiv“, versprach Schreier.

          Die Branchenerholung verzögere sich, fügte der Heideldruckchef hinzu. Vor allem in Amerika, Japan, Australien und in Teilen Europas sei das Investitionsniveau weiter schwach, positiv dagegen entwickle sich das Geschäft in den Schwellenländern – allen voran China, dem schon heute größten Einzelmarkt des Konzerns. Heideldruck will die Produktionskapazitäten um weitere 15 Prozent reduzieren und den regionalen Bedürfnissen anpassen. Gespart werden soll auch in der Entwicklung, außerdem werde der Vertrieb den veränderten Absatzmärkten angepasst.

          Ein Großteil der Einschnitte soll noch vor der Drupa umgesetzt werden; die mit Abstand größte Branchenmesse findet nur alle vier Jahre statt und beginnt Anfang Mai in Düsseldorf. Heideldruck geht davon aus, dass der relevante Druckmaschinenmarkt nur noch 60 bis 70 Prozent des Vorkrisenniveaus erreichen wird. Ziel sei es deshalb, die Gewinnschwelle auf weniger als 2,4 Milliarden Euro Umsatz zu drücken. Im laufenden Jahr sollen es rund 2,6 Milliarden Euro werden.

          Heideldruck war im Jahr 2009 nur durch Staatshilfen am Leben gehalten worden. Die Bürgschaft und die Kredite hat das Unternehmen mittlerweile zurückgezahlt und die Bilanz mit einer Kapitalerhöhung aufgepolstert. Im dritten Quartal erreichte der Konzern die zuletzt gesenkten Erwartungen; nach neun Monaten steht allerdings abermals ein Betriebverlust von 19 Millionen Euro zu Buche. Die Insolvenz von Manroland habe die Verunsicherung in der Branche kurzfristig eher verstärkt, sagte Schreier.

          Ein Angebot für die angeschlagenen Konkurrenten hat Heideldruck nicht abgegeben, ohnehin überschneiden sich die beiden Absatzgebiete nur in dem für Manroland kleineren Geschäft mit Bogendruckmaschinen. Vom Zeitungsgeschäft, dem Hauptumsatztreiber von Manroland, hat sich Heideldruck schon vor Jahren verabschiedet.

          An der Börse wurden die neuen Sparpläne vergleichsweise gelassen aufgenommen. Der Aktienkurs von Heideldruck stieg nach der Verkündung kurzzeitig auf 1,75 Euro an, fiel im Lauf des Tages aber auf 1,65 Euro (minus 1 Prozent) zurück.

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